Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1842)
- Date
- 1842-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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206 Gedanke, welcher schon so manche gekrönte Häupter von hohem Namen beschäftigt hat, eia solcher Gedanke, Allergnädigster Kaiser und Herr, konnte nichts anderes, als ein Gegenstand Ihrer Regierungssorgen werde». Ungeachtet aller, theils aus der Mitte der Israeliten selbst hervorgchenden, theils von ihnen unabhängigen Hindernisse, kann man, bei dem kräftigen Willen Eurer Majestät der Hoffnung Raum geben, es werde sich der sittliche und bürgerliche Zustand, wenn nicht des jetzigen, doch des zukünftigen Geschlechts der Israeliten verbessern lassen. Im Schooße des Reiches, wie im Auslande, fanden diese Ideen bei dem besseren Theile der Israeliten Anklang und Geneigtheit für Ihre erhabene Absichten. An einigen, jedoch noch nicht vielen Ortschaften des Reiches entstehen durch den Eifer der Israeliten Lehranstalten im Geiste der Regierung. Die Erfahrung wird zeigen, in wie weit dieses große Werk einen heilbringenden Anfang nehme, und mit dauerndem Erfolge gekrönt werden könne./, Hingegen sagt man der freien Reichsstadt Bremen nach, daß fie das hohe und heilige Menschenrecht in Beziehung auf die Juden noch gar nicht, anerkennen wolle; ja die Rationalisten sollen dort wo möglich noch hie Pietisten an Intoleranz übcrtreffev. Diese wollen die Juden bekehren, jene möchten sie ganz aus dem Lande jagen, wie sie sie nach dem Freiheitskriege aus den Mauern ihrer Stadt gejagt haben. — «Kurze Anzeigen ««- ^ritikeu. Die Juden in Oesterreich, vom Standpunkte der Geschichte, des Rechts und des Staatsvortheils. (Leipzig 1842, bei Mayer und Wigand.) Ein Werk in zwei starken Bänden, das ganz dazu geeignet ist, das Interesse aller Gelehrten und Staatsmänner aus sich zu ziehen. Der oder vielmehr die Verfasser, denn der zweite Theil ist aus einer andern Feder geflossen, haben so ganz ihren Gegenstand durchdrungen, und verbinden mit der Tiefe und Ruhe der Erwägung, wodurch ihre Darstellung wahrhaft objectiv wird, einen so warmen der Sache würdigen Ernst, daß uns ihre Schrift ein hoher Seelengcnuß war. „Seit längerer Zeit — so sagen sie selbst, und jedes Kapitel der Schrift bestätigt diese Behauptung — damit beschäftigt und uns dem Gegenstände mit Liebe hingebend, glaubten wir auf unserer Hut sein zu müssen, um uns nicht auf einer erregteren Stimmung zu überraschen, als wir bei dem zahlreichen Theil unserer Leser zu gewärtigen hatten. Der Möglichkeit eines solchen Mißverhältnisses gedachten wir kaum besser vorzubeugcn, als wenn wir vorzugsweise Thatsachen sprechen ließen, deren Glaubwürdigkeit keinem Zweifel unterläge, und unter den Meinungen und Urtheilen, die wir anzuführen hatten, mit sichtbarer Vorliebe solche erwählten, welche man am wenigsten der Parteilichkeit für unsere Sache zeihen konnte, mit einem Worte, indem wir — ohne der Farblosigkeit Raum zu geben — der Wahrheit alle anderen Rücksichten unterzuordnen bemüht waren.» Wir können nur unser aufrichtiges Bedauern darüber aussprechen, daß die engen Grenzen unseres Blattes es uns versagen, diese nicht nur für Oesterreich, sondern auch für alle übrigen Länder, wo die rechtliche Gleichstellung der Juden noch nicht verwirklicht ist, höchst interessante Schrift ausführlich zu besprechen, hoffen aber, schon durch diese kurzen Andeutungen, ihr die Theilnahme unserer Leser zugewendet zu haben. Angekommen: Hirsch, System der religiösen Anschauung der Juden; dessen 6 Predigten; Seligsberg, Mekor chaijim. Bekanntmachung. Neuestes israelitisches Gebetbuch. Bei F. E. C. Leuckart in Breslau ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen, in Hersfeld vnd Homberg bei F. Schuster zu haben: Gebet- und Mndachtsvttch für fromme Israelitinnen, sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbath , Frst- «nd Fast-Dagen, wie auch für alle Verhältnisse des Lebens, bearbeitet von K. H. ^aeobfon, Verfasser des Abtalion rc. 300 Seiten in 8. Elegante Ausgabe auf Velinpapier. Geh. Preis 22.^ Sgr. Der Herausgeber obigen Buches hat in einer vollständigen Sammlung aller auf das tägliche Leben bezüglichen Gebete seinen Glaubensgenossinnen ein ehrenwerthes Mittel an die Hand gegeben, nicht nur die rituellen Verrichtungen im Tempel zu verstehen und richtig zu beurtheilen, sondern auch bei allen Vorkommenheiten des Lebens, sich gewünschten geistlichen Rath und Trost zu erholen. Dem Charakter des Geschlechts gemäß, für welches das Buch bestimmt ist, hat der Verfasser sich einer edlen und einfachen Sprache beflissen; unnöthiges Wortgepränge ist sorgfältig vermieden. Die Beterin wird, durch die vorliegende» Gebete in den Stand gesetzt, ihre Wünsche, Gefühle, geistigen Zustände in der edelsten Form dem Geber alles Guten vorzusühren. Wir glauben daher, das israelitische Publikum um so mehr auf diese Erscheinung aufmerksam machen zu dürfen, als das weibliche Geschlecht, welches zeither den liturgischen Verrichtungen ferner stand, einen Wegweiser in dem Gebiete des religiösen Cultrrs dringenbedarf, und auch bei -er häuslichen Gottesverehrung dieses Buch mit immer wachsendem Interesse ergreifen wird. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld. Wir bitten: uns literarische Sendungen durch keine andere Buchhandlung als den Verleger dieses Blattes zugehen zu lassen. Die Redaction.