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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-11-27 · Heft 48 (27.11.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 48 (27.11.1842)
Date
1842-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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193 derliche und für ewige Zeiten geltende Erfordernisse des Gottesdienstes angesehen wurden — mißbraucht und höchst nachteilig. Und somit büßte die Synagoge durch den Grundsatz der Freiheit selbst ihre Freiheit ein, und gelähmt, starr und unbeweglich stand und steht sie noch da.^ Als die Hauptmomente im jüdischen Leben, denen eine höhere, religiöse Weihe gegeben werden müße, bezeichnet der Verfasser die Confirmation, die Trauung und das Leichenbegängm'ß. Ueber die erstere äußert er: „Dieser so schöne Moment muß aber benutzt werden, um den Kindern beiderlei Geschlechts durch eine angemessene, erhebende Feier Liebe und Begeisterung für die Religion ihrer Väter einzuflößen, die ihnen in der Schule gelehrt ward, und in der sie noch künftig durch das Gotteshaus, durch eignes Lesen und Nachdenken vervollkommnet werden sollen, auf daß sie mit ganzem Herzen, mit ihrem ganzen Leben und mit allen ihren Kräften Gott lieben und der Religion anhängen." Auf die zweite Hauptfrage: Wodurch wird der Israelit zum Staats- und Weltbürger erzogen? wird zur Antwort gegeben : a. durch das Erwecken des Triebes und Sinnes für allgemeine Bildung und Wissenschaft; b. durch gemeinnützige Beschäftigungen, vorzüglich mit Handwerken und Ackerbau; und v. durch Einprägen der allgemeinen Menschenliebe und Menschenpflichten. Im Einzelnen wird nun hierüber bemerkt: „Wohl soll und muß der Israelit, als solcher, nach den Vorschriften und Grundsätzen seiner heiligen Religion erzogen werden und denselben gemäß leben; er darf weder rechts noch links, zu Gunsten äußerer Vortheile, abweichen. Ebenso müssen alle neuen Einrichtungen und Verbesserungen im Geiste der jüdischen Religion begründet fein und nichts Fremdartiges darf auf dieselbe gepfropft werden. Dessen ungeachtet soll und darf der Israelit keine von dem Staats- und Weltleben abgesonderte und getrennte Gemeinde und Körperschaft bilden, vielmehr soll und muß er ein ächter Staats- und Weltbürger werden. Daher müssen immer mehr und mehr Bildung und Wissenschaft unter den Israeliten verbreitet werden." „Nur in den unduldsamen Zeiten, vornehmlich des für uns so verhängnkßvollen Mittelalters, wo unsere Vorfahren so vielfach unbeschreiblichen Druck und erniedrigende Schmach erleiden mußten, und, von jeder Verbindung und aller Gemeinschaft mit dem äußern Leben ausgeschlossen, in die engen, schmutzigen Judengassen eingeschlossen und eingekerkert und damit auch von dem Heerde der Wissenschaft gewaltsam verdrängt und verstoßen wurden, klammerten sie sich immer fester und fester an die thalmudischen Schriften, in welchen sie Beschäftigung, Erholung und Trost fanden. Dadurch mußte es geschehen, das alles andere Wissen und jede Bildung aus Israel gänzlich verbannt wurden und daß viele große Geister verkümmerten und für das Leben unbrauchbar wurden. O, höchst rührend und traurig ist es, wahrzunehmen, wie eine so große Menge scharffinniger und geistreicher Rabbinen der damaligen Zeit gewaltsam gezwungen wurden, ihrem Geiste, der doch, ebenso wie der Körper, Nahrung bedurfte, eine so einseitige und schiefe Richtung zu geben. Was hatten diese Männer, wären sie in der Entwickelung und Benutzung ihrer Geistesanlagen nicht gehemmt worden, nicht alles leisten können in allen Zweigen des Wissens?" Der Redner schließt mit folgender Bitte an seine Gemeinden: „Sowie ich mich jetzt frei und offen gezeigt habe und ferner stets zeigen werde, so möget auch ihr mir immer nur frei und offen entgegen kommen und euch immer wahr und aufrichtig mir zeigen!" Daß denr^freien Mann diese Bitte wird gewährt werden, dürfen-wir wohl nicht bezweifeln. Wo eine solche an heiliger Stätte ausgesprochen werden kann, muß daS Vertrauen zu ihrer Erfüllung ein zuverlässiges fein. Und so begrüßen wir in Herrn Kahn einen neuen rüstigen Kampfer für die Sache der Wahrheit und des Lichtes und wünschen den Gemeinden Glück, welchen ein solcher Führer geworden „ein Hirt nach Gottes Herz." — Geschichte des Tages. (Schluß des Artikels aus der Rheinischen Zeitung.) „Zu seinem Glauben wird bei uns kein Jude beeinträchtigt, und wer auSwarrdern will, jvird eben so wenig sestgehalten." Es ist,.also keine Beeinträchtigung des Glaubens, wenn dieser zum K.vrnstempel gemacht wird, und zum Vorwände dient, einer Anzahl Menschen ihre bürgerliche Stellung zu verkürzen! — „Unter solchen Umständen, und da wir die Juden nun einmal nicht auf gute Weise los werden können, ist es Pflicht des Christen, sich so gut zu Helsen wie es geht, d. h. so weit cs mir Menschlichkeit und Vernunft in Einklang steht. Wir müssen sie zu unS erheben:c." Warum ihnen nicht lieber den Reisepaß geben, wenn dies das Beste ist? Dies wäre den Juden lieber, als sich für ein notwendiges Uebel gehalten zu sehen. „Erheben" sollen wir die Juden zu uns? Lächerliche Anmaßung! Diejenigen Juden, welche auf der Höhe der Zeit stehen, bedürfen nicht der Erhebung durch christliche Gönner, und der jüdische Pöbel ist nicht schlechter alS der christliches in allen Klassen. — Für die „Erhebung" weiß der Vers, nicht mehr als zwei Mittel vorzuschlagen, die sich aus seinem Standpunkte doch vermehren ließen. Allerdings für die ächte Staatskunst ist mit Einem Mittel: Gleichheit die ganze zur Schande Deutschlands noch unerledigte Frage gelöst. Das erste Mittel des Vers, ist nicht „erhebend", sondern erniedrigend. „Den Juden sollten nie mehr als zwei und drei Konzessionen zum Handel (besonders Detailhandel) in kleineren Städten ertheilt werden und so nach Verhälmiß in den

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