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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-11-20 · Heft 47 (20.11.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 47 (20.11.1842)
Date
1842-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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In mehk-tzrsittrten Ländem jedoch, wie Dvutfchttnh, fühlt auch der^ zurückgesetzte Jude, daß er ein Vaterland hält. Haben nicht auch'Süden für dasselbe die Waffen ergriffen^ Der Verf. sollte feine AeußerungeN reiflich überlegen, ehe er sie drücken läßt. ' — Die- Besorgüisse vor einer „Aristokratie der Kinder Israels" find sehr ergötzlich. „Sie sind schon so übermüthig geworden, daß sie au( unfern Rücken spazieren reiten möchten." Es ist fürchterlich! Was soll daraus werden, wenn fast 15 Mill. christlich-preußische Pferde in den Marstall von kaum 200,000 Juden kommen? Unser einziger Trost ist: Nach uns die Sündfluth! „Vermöge der Vetterschaft, des Zusammenhaltens ihres Reichthums und anderer bekannten Eigenschaften, wissen sie sich überall vor- und die Christen zurückzudrängen." Die armen Christen! Mit allen ihren Privilegien und gewaltigen gesetzlichen Vorsprüngen lassen sie sich von den Juden zurückdrängen! Der Christ mit der Pistole wird vom Juden mit dem Stocke erschössen! — „Besonders thätig zeigen sie sich jetzt in Preußen, durch allerlei Schönrednerei die weisen Bestimmungen des zu erwartenden neuen Judengesctzes zu bekämpfen, welche ihnen nicht besonders günstig, aber bei dem Stande der Dinge nothwendig für das. Wohl dex christlichen Bevölkerung sind." Natürlich, die 76 Christen müssen durch Polizei, Gerichte und Gesetze gegen den einen Juden geschützt werden; das Judenthum ist sonst gar nicht zu bändigen, seine Riesenkraft ist 76mal Mrker als die des Christenthums. Und dann sind die Juden von so abscheulicher Böswilligkeit und so unerträglicher Dummheit, daß sie die „Weisheit". der ihnen „rmgünstigen" Gesetzbestimmungen abläugnen! — „Jede neue Konzession ist für das ganze Land gefährlichso lange sie nicht von nationalen Gesinnungen erfüllt sind, Zo lange sie Alle unter sich eine geordnete Korporation bilden rc." Weiß der Vers, nicht, daß das „weise" Gesetz, welches im Anzuge sein soll, gerade darauf abzweckt, durch Korporations-Esnpsählung eine „jüdische Nationalität" künstlich und menagpriemähig zu pflegen und den -Juden die vollständige Verdeutschung und Einverleibung in das allgemeine Vaterland zu erschweren? Dabei meint man Wunder noch welche Großmuth zu beweisest :" (Schluß folgt.) In Hanstovbr ist nun das neue Gesetz über die Rechts: Verhältnisse der Juden erschienen, über welche sich der „Hamburger CorrespoNdent«< in seiner freireichsstädtischen Weise folgendermaßen äußert: „Der Inhalt des neuen Gesetzes ist viererlei: 1) einräumend, 2) otdnend, 3) bestätigend, 4) verheißend, — wenn man Jedes etwa mit Einem Worte bezeichnen will. Einräumend ist das Gesetz, wenn es das Schutzverhältniß der Juden aufhrbt, sie in die Gemeinde-Verbände, der Christen aufnimmt, ihnen Bürger-, Zucht- und Gilderechte beilegt; ordnend^ namentlich in Bezug auf das Synagogen-, Schul- und Armenwesen, welches die meue Gesetzgebung einer Verbesserung nach strengen Regeln und'der -sorgsamen .Aussicht der Regierung unterwirft; bestätigend, in Ansehung der Beschränkungen, denen die Juden bislang, meist nur auf dm Grund alten Herkommens, unterlagen. Sie bleiben nach wie vor ausgeschlossen von der Ausübung politischer Rechte in Bezug aus den Staat und auf die Gemeinden; sie bleiben ferner ausgeschlossen von- Staats- und Gemeinde-Aemtern, und werden zu andem öffentlichen Functionen nur mit besonderer höherer Genehmigung zugelassen; sie könne», wie bislang, auch in Zukunft kein Grundeigenthum erwerben. Tieß Alles jedoch unter Eonservirung der an einigm Orten etwa bestehenden größeren Rechte. Juden, die vom Nothhandel leben, verbleibm ganz in den früheren Verhältnissen, ohne Anspruch auf die wohlehätigm Bestimmungm des neuen Gesetzes zu haben, welches nur zu Gunstm der gegmwärtig im Schacher altgewordenen und zur Ergreifung eines neuen Berufs nicht mehr fähigen 'Juden einige Ausnahmen gestattet. Ausländischen Juden endlich gewährt das Gesetz keinerlei Vergünstigung. — Verheißend ist viertens das neue Gesetz überhaupt, in so fern ihm der Zweck zum Grunde liegt, die Judm allmählig einer besseren Stellung im Staate entgegen zu führen, zu welchem Ende es mit der Zeit seine Concessionen nach den zu machenden Erfahrungen ausdehnen will und wird; verheißend im Besondern, als es schon jetzt außer Anderm eine baldige weitere Gesetzgebung über die noch fortdauernde, aus dem ftüheren, jetzt ansgehobenen Schutzverhältnisse herfließrnde Leistung, so wie über die den Juden beizulegende Fähigkeit zum Erwerbe von Grundeigenthum verspricht." Der Reisebeschreiber Kohl hatte in seinen „Hundert Tage auf Reisen in den österreichifchm Staatm" von den. morgenländischen Juden in Wien gesagt: „Sie genießen hier mancherlei Vorrechte, unter andern auch das, daß sie, obgleich in dieser deutschen Stadt ansässig und etablirt, türkische Unterthanen bleiben dürfen, und sie stehen daher hierunter dem türkischen Gesandten, von den Ortsbehörden ungefähr eben so unabhängig, wie die Franken unter ihren Consuln im türkischen Reiche." Hierüber bemerkt aber einer der morgenländischen Juden in einem öffentlichen Blatte: „Unrichtig und irrthümlich ist das, wie Herr Kohl unsere ungestörte Niederlassung in Wien ansieht, daß wir nur unter dem türkischen Gesandten stehen. Dieses ist nicht ein Vorrecht, sondern ein trauriges Recht, wodurch unsere Existenz hier allein möglich ist; wollten wir uns unter österreichischen Schutz begeben , so wird uns die Weisheit der christlichen Politik aus dem Lande jagen. Die Juden aus Galizien, Böhmen und Mahren, die aus Ungarn und Siebenbürgen, dürfen als Inden sich hier nicht aufhalten, obgleich sie Kinder des Vaterlands sind, wir aber, als Türken von Konstantinopel, können, obgleich Juden, hier bleiben, weil der Islam, obgleich verfallen, dennoch die Nationalitäten milder als der Katholicismus ansieht. Es ist traurig, das. österreichische Juden erst nach der Türkei wandern müssen, um, von dort aus kommend, hier geduldet zu werden, und ich kann Herrn Kohl versichern, daß unter den türkischen Juden in Wien, die er im Kaffeehaus gesehcn, auch viele acht österreichische Unterthanen waren, die den Frack mit dem Türkenkleid vertauscht, um ungestört zu sein." In England find in diesem Jahre wieder zwei Juden zu Sheriffs erwählt worden: EManuel Lousada als Obersheriff

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