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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-10-30 · Heft 44 (30.10.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 44 (30.10.1842)
Date
1842-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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fange Würde und Wirksamkeit zu verschaffen. Er hat diese Aufgabe ehrenvoll und mit Erfolg gelöst. Die Segnungen einer gelauterten Religionslehre haben sich im Kreise des Tempelvereins reichlich bewährt. Die väterliche Religion ist Bielen erst verständlich geworden, und Viele sind ihr dadurch in den Konflikten der Zeit erhalten worden. Hätte die Synagoge — die Gesammtheit berücksichtigend — selbst eine Cultusreform vorgenommen, wie es ihre Pflicht war.: so würde sie schon durch mäßige Schritte, die nicht bloß bei den Aeußerlichkeiten stehen geblieben wären, sehr viel gewirkt haben. Es gab hier — und gibt leider noch jetzt — des Störenden so viel zu entfernen, des Unzeitgemäßen so viel auszuscheiden, und die Gegenwart bietet so vielfache Belebungsmittel dar. Der Tempel dagegen harte zunächst die Specialverhältniße seines Vereins zu beachten, und mußte eine durchgreifendere Umgestaltung des Gottesdienstes vornehmen. Er hat dabei einige Mittelstufen übersprungen, und ist allerdings etwas vorangeeilt, so wie Einzelne sich überall schneller bewegen können, als die Masse cs vermag; aber er ist dadurch ein concreter Mittelpunkt für dre Idee der religiösen Fortbildung unter gegebenen Verbältnißen geworden, und konnte es anderen überlassen, diese Idee auch für sich geltend zu machen. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Geigers Gegenschrift, betitelt /»Ansprache an meine Gemeinde" bringt überall den günstigsten Eindruck hervor und muß dem Vers, auch da, wo er noch verkannt wird, die auf richtigste Achtung zuwenden. Mit tiefem Ernste schildert er in derselben sein religiöses Streben, die heilige Aufgabe seines Lebens, geht dann über auf seine Berufung nach Breslau, die mit fast völliger Stimmen- Einheit erfolgte, das Vertrauen mit welchem der allergrößte Theil der Gemeinde ihm anhing, auf das Entschiedenste beurkundete; erzählt hierauf was er — wir dürfen wohl hinzusügcn, mit der edelsten Selbstverleugnung — gethan, um ein freundliches Verhältniß zu feinem von einer fanatischen Clique beherrschten Collegen zu begründen, und stellt endlich zu der religiösen Differenz sich wendend mit überzeugender Klarheit das Gehässige und Unhaltbare alles dessen dar, was sein College mit Hülfe einiger polnischen und schlesischen Nabbinen gegen ihn vorgcbracht. Die Schrift verräth wohl, die Entrüstung, welche die Jntriguen der Gegner in dem Verfasser hervorbringcn mußte, aber sie ist dabei dennoch so edel gehalten, und dergestalt von dem mildem Hauche der Liebe und des Friedens beseelt, daß sie ihre Wirkung auf die Breslauer Gemeinde zuversichtlich nicht verfehlen und die meisten ihrer Mitglieder von ganzem Herzen dem Verfaßer zustimmen werden, wenn er am Schlüße ihnen zuruft: ,/Ench Alle aber, meine Bruder, die ihr es ernst meint mi der Religion der Bätet und nicht am Streite haltet aus Freude am Streite, euch Alle, die ihr eure Kinder erfüllen wollet mit religiösem Sinne und sie fürs Leben damit auszurüsten beflissen seid, daß sie nicht in dessen Stürmen untergehen, euch Alle, deren Auge nicht verschlossen ist vor den Zuständen der Gegenwart, euch alle beschwöre ich bei den heiligen Gütern, die wir zu wahren und zu hüten berufen find: machet die Religion nicht zum tobte« Buchstaben, der das Herz nicht erwärmt und von dem der Geist sich abwendet, beachtet die mahnende Stimme und die /»Sitte, die stärker ist als das Gesetz", gehet den Spuren weiserer Vorfahren nach und erkennet, wie sie, festhaltend an dem ewigen Gehalte des Judenthumö, der Uebcrzeugung der Zeit und dem aus ihr herfließenden Brauche gebührenden Einfluß eingeräumt haben! Die Verschiedenheiten aber, die in einem lebendigen Streben nothwendig sich Herausstellen, und die von dem Gotte der Geister, der »»die Ansichten der Menschen nicht einander gleich macht, wie er ihre Gesichtsbildungen nicht gleich macht" (Berachoth 58 ->), zugelasscn werden, diese Verschiedenheiten duldet in freundlicher gegenseitiger Anerkennung neben einander, wie die weisen Alten, ein Schammai und Hillel es gethan! Dann werden wir eines wahren Friedens uns freuen, den nicht die heuchlerische Lippe verkündet, sondern der die Frucht ist des ernsten Strebens das von Gott gesegnet wird. Wie auf der Höhe des politischen Bewußtseins auch die Sache der Juden am Vorurtheilfreiesten angesehen und am gerechtesten gewürdigt werde, beweist die neue »»Rheinische Zeitung". Dieses unbestreitbar gediegenste und erleuchteste der öffentlichen Organe ist unermüdet, die Ansprüche der Juden mit Wahrheit und Freimüthigkeit zu vertreten. So brachte sie kürzlich eine Correspondenz aus dem Hannöverschen, in welcher mit großer Klarheit dargethan wird, daß, wenn die Inden in der Bundesacte gleich dieselben Rechte wie den Protestanten und Katholiken zugestanden worden wäre, auch das Volk, ohnehin feit der westphäl. Zeit mit dem Gedanken der Gleichstellung der Juden vertraut, ihre Emanzipation als kalt accompli betrachtet und jedes Vorurtheil gegen sie bereits längst abgelegt hätte. Aber man habe cs auf die Ab- und Aussonderung der Juden abgesehen; mit ihnen fange man an, mit den Bauern werde man endigen. Es liege im Interesse und im Sinne der Aristokratie, über getrennte Corporationen das Scepter der Willkür zu schwingen, darum sei Wachsamkeit, Widerstand, kräftige Gegenrede nöthig; und zumal der Christen Sorge müsse eS sein, die Pläne der Aristokratie zu vereiteln. Laufe die Freiheit der Juden Gefahr, so sei auch die deS Bürgers und Bauern nicht sicher. —" Mit diesem Fortschritt der deutschen Presse über unsere bürgerliche Stellung hält — dem Himmel sei Tank — auch Derjenige in unserem inneren Leben gleichen Schritt, welcher am meisten geeignet ist, irrige Begriffe über uns und unsere Lehre zu widerlegen, wir meinen die Gestaltung unseres öffentlichen Gottesdienstes. Jede neue Woche bringt auch neue Kunde von dem, was selbst in orthodoxen Gemeinden in dieser Beziehung geschieht. So schreibt man aus Hildesheim: „Schritte zum Bcsserwerden sind bereits geschehen, und wir

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