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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-10-30 · Heft 44 (30.10.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 44 (30.10.1842)
Date
1842-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Genug, in dem neuen Gebetbuche waren alle typischen Gebete, d. h. solche, die allezeit als wesentliche Bestandtheile des israelitischen Gottesdienstes galten, sür die Sabbath- und Festtage gewissenhaft beibehalten, und nur in den accessorischen Gebeten bewegte man sich mit Freiheit. Als die ziemlich starke Auflage des Tempelgebetbuches zur Neige ging, ernannte die Direction im April 1839 eine Kommission, welche das Gebetbuch zum Behuf einer neuen Auflage revidiren sollte. „Das Prinzip der Revision — lautete das Protrocoll — soll dem Geiste des zeitgemäßen Fortschreitens entsprechen, welcher bisher in unserm Gotteshause gewaltet hat." Die Kommission verständigte sich vor Allem über die Grundsätze bei der ihr überwiesenen Arbeit. Die Ansicht, das gewöhnliche Synagogengebetbuch anstatt des bisherigen zu wählen, und nur das Zusagende aus demselben bei dem Gottesdienste zu benutzen, wodurch der Anstoß außerhalb des Tempelvereins vermieden würde, mußte verworfen werden. Wenn diese Ansicht bei der Entstehung des Tempels ohne Zweifel die ernstlichste Berücksichtigung verdient hat, so war ihre Anwendung jetzt ganz unstatthaft, und zwar aus folgenden Gründen: 1) Die der Kommission gestellte Aufgabe lautete ausdrücklich, das Gebetbuch zu revidiren, nicht aber eine ganz andere Agende zu entwerfen, oder einzuführen. 2) Zur Einführung des alten, wenn auch modisicirten Gebetbuches war selbst die Direction nicht befugt, weil dasselbe nach Form und Inhalt weder der Idee des Tempels, noch dem Bedürfniße der Vereinsmitglieder entspricht. Auch die entgegengesetzte Ansicht, das Gebetbuch in strenger Konsequenz nach der ihm zu Grunde liegenden Idee der zeitgemäßen religiösen Erhebung zu gestalten, fand gegründetes Bedenken, weil man auf einem festen Grunde, und nicht in die Luft bauen, Eintracht erhalten, aber nicht Zwiespalt säen wollte. Sie mußte, unter den vorwaltenden Umständen, als unausführbar erkannt werden. Um consequent zu sein, hätte man nicht nur manche aus anderen Gründen zu schonenden Gebete völlig umbilden oder weglassen müßen, sondern die sämmtlichen Vorlesungen aus dem Pentateuch wären als weder ganz verständlich, noch erbaulich, wegzulassen, oder — was noch weniger thunlich war — deutsch vorzutragen gewesen; ja man hätte die sämmtlichen hebräischen Gebete verbannen müßen, weil sie doch von Vielen nur zum Theil, von Andern gar nicht verstanden werden. Dieß würde aber nicht nur die unbefugte Einführung einer neuen Agende, sondern ebenfalls die Umgestaltung des bisherigen Gottesdienstes nötig gemacht haben, — wobei eine Zustimmung des Vereins nicht zu erwarten stank. Die Grundsätze, welche die Redaction leiteten, und bei denen man eine wissenschaftliche Durchdringung des Objects nicht vermissen wird, so weit ein Gebetbuch, besonders ein auf positiven Grundlagen ruhendes, eine solche zuläßt, waren folgende: 1) Das Gebetbuch, als der Ausdruck einer religiösen Gesammtheit, die auf einem yositivett Boden steht, muß nicht nur, wie jedes allgemeine Gebetbuch, den Geist und das Gemüth erhebend ansprechen, sondern es hat jene positive Grundlage in Lehre und Geschichte nach ihrer Eigenthümlichkcit zu bezeichnen. 2) Geist und Gemüth müßen auf eine dem gegenwärtigen Stande der europäischen Bildung und Lebensanschauung möglichst angemessene Weise angesprochen werden. 3) Das Bestehende und Eingelebte ist vorzugsweise festzuhalten, so lange es nicht den bezeichneten Förderungen widerspricht. 4) Der gesammte Inhalt des Gebetbuches, wie des Gottesdienstes überhaupt, muß von den reinen Lehren der väterlichen Religion durchdrungen sein; was diesen entgegensteht, ist auszuscheiden. Dem gemäß wurde der Gebetcyclus einerseits erweitert und vervollständigt, wobei manche alte Gebete ausgenommen, und die deutschen durch eingreifendere und wirksamere ersetzt wurden; anderseits fiel das bisher Ungebrauchte (wie die umständliche Beschreibung des Opferdienstes am Versöhnungstage u. A.) gänzlich weg. Man suchte mehr Harmonie in die Theile zu bringen, Inkongruenzen zu tilgen und das Ganze mehr in sich übereinstimmend zu machen. Ohne Grund ist nichts geändert, nichts gelaßen worden, und Manches mußte bleiben, weil man nicht gewaltsam verfahren wollte. Der hebräische Ausdruck wurde mit besonderer Schonung behandelt; jedem, wenn auch bessern neuen Ausdrucke wurde der ältere geweihete vorgezogcn. Die Redaction hat das Bewußtsein, mit gewissenhaftem Ernste und rücksichtsvoller Umsicht verfahren zu sein, und mußte eben deshalb Manches einer künftigen Revision überlassen. Wenden wir uns von dem Tempelgebetbuche zum Tempelinstitut selbst, und betrachten dieses erstens in ferner Stellung zu feine? Specialaufgabe, zweitens zu? allgemeinen Musgave -er Gegenwart in religiöser Beziehung, drittens in dem Gesammtjudenthume. 1) Jede Reform hat eine doppelte Aufgabe: einmal den Kern des Umzubildenden sorgfältig zu wahren und zu erhalten, dann aber diesen möglichst wirksam zu manchen. Beiden Anforderungen hat der Tempel zu entsprachen gesucht; er hat keine wesentliche Lehre und keine charakteristische Eigenthümlichkcit der israelitischen Religion unberücksichtigt gelassen, und Beides zu beleben und fruchtbar zu machen gesucht, aber allerdings vom Standpunkte der Fortbildung, der geistigen Auffassung aus. Indem der Tempelverein seine religiösen Bedürfniße auf eine angemessene und fruchtbare Weise zu befriedigen, und so die väterliche Religion für sich und die Seimgen zu erhalten strebte, war seine Specialaufgabe keine andere als die: Hern EultrrS in Hessen ganzem Um-

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