Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1842)
- Date
- 1842-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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194 Köpfe. Ich möchte für meinen Theil, daß die Juden emancipirt würden, ft würden anders, besser, edler, kühner, großmüthiger sein, wenn sie freier wären. ES ist mir oft gewesen, als ^feien wir Christen selbst Schuld an all dem Kleinigkeitsgeiste, über den wir uns, den Juden gegenüber, beschweren. Man sperre eine Pflanze in einen engen, schattenreichen, kalten Ort, oder man gebe ihr frische Erde, Sonne und Lust, und sie wird entweder verkrüppelt oder srüchtetragrnd, farblos oder erglühend sein. Noch lange wird es aber währen bis das Morgenland auch nur eine Ahnung von der Idee der Gerechtigkeit gegen die Bekenner anderer Religionen erhält; vielmehr melden öffentliche Blätter aus Damaskus: Vor Kurzem wurden in hiesiger Stadt und in den umliegenden Ortschaften mehrere Mordthaten begangen; die Thäter und die Opfer waren Muselmänner. Die Polizei und die Negierung verfahren sehr nachlässig bei der Ermittelung und Bestrafung dieser Verbreche» und anderer schwerer Vergehen, die sich häufig wiederholen, weil man weiß, daß man sich mit der Bestrafung vicht eben beeilt. Beraubungen kommen ebenfalls häufig vor, und namentlich werden die Juden von den Türken ausgeplündert; so fragte vor Kurzem am Hellen Tage im Bazar ein Mohamcdaner einen Juden, welche Zeit cs sei, und als dieser die Uhr aus der Tasche zog, riß sie ihm der Türke aus der Hand, nannte ihn einen Dieb und mißhandelte ihn. (Schluß der Zuschriften der Holländischen Behörden an den Advokaten Lippmann.) V. Schreiben des Präsidenten van Hall. Amsterdam, den 26. April-1842. ES ist für mich, mein Herr, ein Wahrhaftes Vergnügen, in Ihrer Forderung die Gelegenheit zu finden, im Interesse unsrer zahlreichen Mitbürger, die, wie.Sie, die israelitische Religion bekennen, ein Zeügniß abzulegen, welches, wie ich hoffe, den edlen Zweck, den Sie sich vorgesetzt, vollständig erfüllen wird. Ich erkläre demnach, mein Herr, daß die Erfahrung eines halben Jahrhunderts mir die positive Ucberzeugung gegeben hat, daß sich die Juden seit vielen Jahren immer mehr und mehr der politischen Gleichstellung mit ihren anderen Mitbürgern würdig gemacht haben. Als ich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mit der Ausrcchthaltung der Justiz und Polizei in dieser großen Stadt unter dem Titel des Gemcindrprokurators beauftragt wurde, hatte ich überflüssige Gelegenheit wahrzunehmcn, daß der israelitische Theil der Bevölkerung durchgchcnds friedlich und dem Gesetz und den Behörden gehorsam ist. Seitdem war'ich sehr häufig in dem Falle, sie gegen den Haß und die Verachtung einiger sogenannten Christen, die voller Lorurtheile waren, unter ihren Mitbürgern LU beschützen, aber niemals habe ich irgend außerordentliche Maßregeln gegen Juden anzuwcndcn gehabt. Meine Erfahrung aus jüngerer Zeit, in anderen politischen und Privat-BezichuNgen, und insvndcrs in der als Präsident des Tribunals dieser Hauptstadt, hat die frühere nur bestätigt, infonders seitdem aufgeklärte Männer unter Ihren Glaubettsgenossen sich bemühen, der minder erleuchteten Klasse der Jrüen einen regelmäßigem und wirksamem religiösen, moralischen und irrtet lektuellrn Unterricht zu verschaffen — ein Streben, das auch unter Ihrer uneigennützigen Und einflußreichen Mitwirkungunter dem Schutze,des königlichen Oberhaupts unsres Staates,-schon so viele Früchte trägt und immer mehre verspricht. Das Resultat meiner Ueberzeugung, gestützt auf meine Kenntniß der Thatsachen, ist, daß der Akt, die Juden aus dem Stande der Erniedrigung, in welchem die Juden ehemals in unsrem Lande gewesen, zu erheben, die Uebergabe gleicher Rechte mit den anderen Bürgern des Staates, in der Wählbarkeit zu den Würden und Aemtern und in der Ausübung der Künste und Gewerke — und vor Allem die intellektuelle und moralische Civilisation, deren sie seitdem genossen und in einem fortschreitenden Verhältniß genießen, sie aller Rechte, welche ihre anderen Mitbürger beanspruchen können, würdig gemacht haben. Darum habe ich unter den ersten Würdeträgern des Staate- und der Magistratur, unter den Advokaten und Notaren, und besonders unter den verdienten Männern, die mit so vieler AuS- Zeichnung das Ritterkreuz des niederländischen Löwenordens erhalten haben, mit großer Freude einen Mepe^ Asser, Boas und auch Sie begrüßt,. und in dem Augenblicke, in welchem ich Ihnen schreibe, erfahre ich mit Befriedigung, daß der würdige Godeftoi durch den König berufen worden, das öffentliche Ministerium bei unserm Tribunal zu versehen als Suppleant des G»- neralanwalts. Ich ergreife die Gelegenheit re. re. M. C> van Hall, Staatsrath, Kommandeur des nieder!. LowniordenS, Präsident des Tribunals von Amsterdam. VI. Schreiben des General Chasse. Breda, den 25. April 1842* Mein Herr! Es ist für mich eine wahrhafte Befriedigung, den Wunsch zu erfüllen, den Sie mir in Ihrem Schreiben vom 23. d. ausgedrückt, meine Meinung über die Israeliten, unsere Mitbürger, als Soldaten, zu erkennen zu geben. . Zwei Jahre hindurch habe ich in der Citadelle von Antwerpen eine große Anzahl unter meinen Befehlen gehabt. Während dieser ganzen Zeit haben sie die besten Beweise von Muth, Treue, DiSciplin und Ausdauer gegeben. . < Als. Mann von Ehre kann ich mit Ueberzeugung hinzufügen, daß, wenn meine Lebensdauer nicht beinah abgelaufen wäre, und ich noch einen Feldzug zu beginnen hätte, ich mich sehr glücklich schätzen würde, den Befehl über einige tausend dieser braven Soldaten zu haben. - Ich hoffe, hiermit ihren Wunsch erfüllt zu haben, und versichere Sie, daß diese Gelegenheit mir sehr angenehm war, in Verbindung mit einem Manne zu kommen, dessen Ruf als Gelehrter, Staatsmann und Schriftsteller mir schon bekannt war. Ich ersuche ^ix ff. Der General der Infanterie, Baron Cha'ss«. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfcld.