Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1842)
- Date
- 1842-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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159 besonders ausgeprägten StammeScigcnthüinlichkcit; in dem Maße wie diese sich allmählich verwische, schreite auch die Emanzipation vorwärts; eine plötzliche halte er für unmöglich. Hr. Tre furt stellt einen BermittelnngSvvrschlag dahin: eS möge die Negierung ersucht werden, dem nächsten Landtag ein Gesetz vorzulegen, welches die Bedingungen enthalte, unter denen eine bürgerliche Gleichstellung der Juden stattsindcn könne. Herr Hecker will eine Emanzipation an gewisse Ganrantieen für die völlige Aufhetzung der jüdischen Nationalität knüpfen. Herr Bassermann tritt den bisher gemachten Einwendungen entgegen. Nachdem noch die HH. Helbing und Gottschalk sich im Sinne einer „allmähligen" Emanzipation ausgesprochen, sucht der Berichterstatter auf die gemachten Einwürsc zu antworten. Bei der Abstimmung wird der Commissionsantrag aus Tagesordnung mit Verweisung auf die Beschlüsse der Kammer von 1889 bis jetzt angenommen. Der N. C. enthielt vor einiger Zeit folgende Mitlheilung aus Brüssel. „Während dieser ganzen Woche waren die Straßen unserer Stadt mit wehenden Fahnen, Blumenkränzen und grünen Reisern geschmückt; die große St. Gudulakirchc war festlich geziert, und die Geistlichkeit zog in langer prächtiger Procession über die großen Plätze. Eö war die „groote Keenneß,« die gefeiert wurde. Seit Jahrhunderten ist dieses Fest stets das wichtigste der brabantischen Hauptstadt. Wettrennen, Fischerstcchen, Bolzenschießen und ähnliche Volksbelustigungen werden von dem Gemeinderath angeorduet; drei große Preise werden für den Geschicktesten ausgesetzt. Den einen von ungefähr 1000 Franken zahlt der König, den zweiten die Regierung und den dritten die Stadt. Merkwürdig ist cs, daß der Ursprung dieses Festes an eine schaudervollc Juden-Massacrc sich knüpft, an eine der heftigsten Brunncnvergiftungs- und HostienentweihungSanklagcn, wodurch die Blätter der mittelalterlichen Geschichte so viele Blutflecken erhielten. Fast alle Brabanter Inden wurden zu Anfang dcS vierzehnten Jahrhunderts, in Folge einer solchen Beschuldigung, die ein getaufter Hebräer gegen sic erhob, niedergcmctzclt; die flamändischcn Maler haben die Foltcrsccnen und Blntauftrittc mit ihrem Pinsel auf die Leinwand gebannt, und diese Bilder werden jedes Jahr während der „Keermeß" in der St. Gudulakirchc feierlichst ansgerollt. Ein hiesiges Journal hebt mit Recht den Umstand hervor, daß die größte politische Freiheit und der eifrigste religiöse Glaube sehr wohl Hand in Hand mit einander gehen können. Die Juden, wegen deren Verfolgung man bis auf den heutigen Tag rin Kirchcnfest feiert, sind doch politisch und social hier so vollkommen mit den Christen gleichgestellt, daß man im Leben auch nicht den leisesten Unterschied sindet. Die gemischten Eben zwischen Juden und Christen sind hier sehr häufig. Bei den städtischen und politischen Behörden, im Militär, wie bei dem Untcrrichtsweseu, bekleiden Juden sehr bedeutende Stellen. Um einige Beispiele anzuführen, nenne ich Ihnen blos die hiesige Universität, wo der Professor des CivilrechtS und der Professor der Physiologie, zwei auch als Schriftsteller bekannte Männer, dem israelitischen Cultus angrhöre». Dasselbe ist auch der Fall mit dem Bürgermeister von Lacken, wo der König bekanntlich seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, Der Taufakt des belgischen Thronerben, des jungen Herzogs von Brabant, zeigt den merkwürdigen Umstand, daß er von einem Katholiken (dem Cardinal- Erzbischof), von einem Protestanten (König Leopold) und einem Juden (dem Bürgermeister von Lacken) unterzeichnet ist. Bei der Frage in Bezug der MilitairvstiÄnigkeit der Juden in Preußen, die jetzt die deutschen Journale in Anspruch nimmt, ist es nicht uninteressant, zu erfahren, daß laut der Listen des belgischen Kriegsministeriums nicht weniger als vierzehnDfsiciere mosaischer Confession in der belgischen Armee sich befinden, darunter der Platzcommandant von Zpern, der Oberstlicutenant Louis, 2 Capitaine, 1 Gcndarmcrielieulcnant, 3 Prcmierlieukenants, 5 SecondclieutenantS, 1 KriegScassenossicier." Am Grabe eines sehr achtbaren Israeliten in Kopenhagen, des Herrn I. Unna, Direktors der israelitischen Freischulc und der Prämiengescllschaft für jüdische Künstler und Handwerker sprach zuerst der beredte Dr. Wolfs Worte der Erbauung und dcS Trostes, an welche dann der miianwcscnte Pastor ViSby ftinc Rede knüpfte. Letzterer sagte u. A. ,,Wenn mein Bruder (College) sich für daS zeitliche Wohl der Jugend unermüdcnd und unverdrossen thätig zeigte, nämlich sie zu tüchtigen Handwerkern und Künstlern auSzubildcn, so war dieses nicht minder ein' göttliches Werk (mit Ertase), denn nur niedriger Sinn, falscher RcligivnSeifer und gemeine Habsucht haben die Herzen von einander getrennt, die Scheidewand zwischen Jute und Christ aufgcführt, und ersttren ihre von Gort und Menschen znkommenden Rechte geraubt, sie von jedem rechtlichen Gewerbe ausgeschlossen, und das ist ja die Aufgabe dieser Gesellschaft, den verstoßenen Bruder dem Bruder wieder versöhnend zuzuführen, ihn in seine mit Gewalt ihm entrissene Rechte wieder einzusctzen u. s. f. u. s. f. Eben so erhebend wie jene Werte ist eine Sitzung die beim Stadtralhe in Straßburg stattfand und bei welcher folgendes zur Verhandlung kam: Bericht des Maire: Umzäumung des israelitischen Gottesackers; Borschlag dcS Maire: 1000 Fr. (260'j THaler.) „Die gegenwärtige Umzäumung fällt vollständig in Trümmer, und muß in Bälde wieder hergesteilt werden. Die sparsamste Weise wäre: , eine lebendige Hecke zu pflanzen, die mit einem Verschlage von; Latten umgeben wird, wie auf der Promenade ckn Co»tatles". — Bericht der zur Prüfung der Vorschläge des Maire erwählten Kvmission. „Ter Entwurf dcS Budget setzt für die Umzäumunz des israelitischen Gottesackers nur eine Ausgabe von 1000 Fr. an. Die Kommission glaubt nicht die Art Umzäumung annchmen zu dürfen, welche der Maire vvrschlägt, da sie den Friedhof nicht genügend vor dem Einbruch der Tbiere schützen würde, und außerdem die Jnconvcnienz hätte, einen Unterschied zwischen den verschiedenen Gottesäckern zu machen, der weder in unseren Sitten, noch in den Absichten des Stadtraths läge. Die Einschließung des israelitischen Gottesackers, nach der Art, wie bei den übrigen Gottesäckern würde nach dem Voraus schlag, der nnS vorgclegt worden, eine Summe von 4900 Fr. (1306;; Thalcr) kosten. Wir schlagen vor, diese letztere Summe zu votiren." „Sitzung v°om 2.">. Februar 1842. — Der Sradtrath nimmt dik Bemerftrngen drp Blidgerkcmmifsion an, eröffnet einen CrKir