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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-09-11 · Heft 37 (11.9.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 37 (11.9.1842)
Date
1842-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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149 überhaupt keinen wissenschaftlichen Begriff und kein deutsches Wort verstehen; daß die Ansicht Geigers über den Thalmud, die der geachtetsten Rabbinen der Gegenwart und Vergangenheit, ja im Stillen gewiß auch die des Hrn. Tiktin selbst ist, — und um nutz dennoch gegen dieses eigne bessere Wissen einen Mann, der schon früher ein Äabbinat mehrere Jahre bekleidet hat, von dem auch seine Gegner mit hoher Achtung sprechen, und den das ganze höher stehende Israel als einen würdigen Vorkämpfer des religiösen Fortschritts verehrt*), ohne Weiteres für einen aus der jüdischen Religionsgesellschaft ausgestoßenen Ungläubigen zu erklären, und das im Angesichte einer Gemeinde, mit welcher Herr Tiktin in amtlichem Verhältniß bleiben möchte, und die durch die Verehrung, welche sie Geigern zollt, deutlich genug bewiesen, daß sie seiner Ansicht huldigt, ist eine Keckheit ohne Gleichen, ist infam, ja mehr noch als dieses. Aber damit der Faden der Jntrigue ein dreifacher werde, ein tthwsn Ein, welcher nicht zerreißt, übernimmt Hr. Tiktin noch das Amt eines politischen Verketzerers, behauptet er, von dem verstorbenen Könige von Preußen, welcher in seinem mild-frommen Sinne keine Reformen in der Synagoge zulassen wollte, die zur Bildung von Sekten führen könnten, derselbe habe befohlen, daß der polnisch-deutsche Dialect, das sogenannte Mauscheln der gemeinen Juden (wie es auch Hr. Tiktin, da er rein deutsch nicht sprechen kann, handhabt) bei den gottesdienstlichen Vorträgen der Israeliten Anwendung finden müsse, und erklärt die vielen preußischen Gemeinden, welche nach dem Muster aller gebildeten in Deutschland und mit Zustimmung der orthodoxesten Rabbinen, ja vor dem Angesichte und also mit Billigung der königlichen Behörden, Vorträge in rein-deutscher Sprache eingeführt und denen auch die Breslauer gefolgt, für schnöde Uebertreter des königlichen Willens! *) Eine der angesehensten israelitischen Gemeinden, die in Frankfurt a. M., ertheilte, was als Zeichen großer Auszeichnung gilt, dem Dr. Geiger bei seinem Hinkommen ein Rabbinatsdiplom (Morenu) forderte ihn zu einem Vortrage in der Hauptsynagoge auf und erwies ihm sonst noch vielfältige Ehrenbezeugungen. Geschichte des Tages. Einen großen Verlust hat die Gemeinde in Frankfurt a. M. und mit ihr alle gutgesinnten Israeliten erlitten. Dr M. Creizenach, der Nestor der jüdischen Theologie, der gelehrte und rüstige Kämpfer für Wahrheit und Fortschritt, ist nicht mehr. Er starb am 7. des vorigen Monats an einem langwierigen Unterleibsleiden. Hochverehrt wird er auch in dem Andenken der Leser dieses Blattes bleiben, zu dem er Mehreres beisteuerte, und das mit Ruhm und Anerkennung seiner zu erwähnen oft Gelegenheit hatte. In Berlin soll auf höchste Anordnung setzt ein Oberlandrabbiner gewählt werden, der die Aufsicht über die sämmtliche» Rabbinen des Staates führen solle. Erstreckt sich eine solche Aufsicht auch auf'dke religiösen Ansichten der jüdischen Geistlichen^ so kann sie nur von der unheilvollsten Wirkung sein; sie würde die Freiheit des religiösen Gedankens — das Höchste, welcheuns geblieben — vernichten und einen wahrhaften kirchlichst Despotismus begründen, der um so schädlicher wäre, als die Entscheidung nicht wie in der christlichen Kirche einem ganzen Collegium, oder mehreren solchen, sondern einem einzelnen Manne in die Hand gegeben wäre. AuS Hamburg melden öffentliche Blätter: „Tie Erleichterungen, welche die Juden im benachbarten Altona in ihrer Stellung erlangt haben, werden nicht ohne Rückwirkung auf Hamburg bleiben, und die hiesige Judcnschaft hat bereits mehrere Schritte gethan, um ihre bürgerlichen Verhältnisse zu verbessern. So haben zwei jüdische Juristen um die Erlaubniß zur Praxis supplicirl; die Gemeinde hat um die Vergünstigung angehalten, überall in der Stadt wohnen zu dürfen. Bisher waren sie auf die Neustadt (und auch nur theilweise) und auf zwei bis drei Straßen der Altstadt (welche letztern Straßen abgebrannt sind) beschränkt; zwar wurde das Gesetz nie in seiner Strenge durchgcführt, und cs wohnten Juden in allen Theilen der Stadt; sobald aber irgend ein christlicher Geschäftsmann sich durch seinen jüdischen Nachbar in seinem Gewerbe beeinträchtigt sah, oder glaubte, und er die Vertreibung seines Rivalen verlangte, so mußte die Behörde nach dem Buchstaben des Gesetzes diesem unchristlichen Verlangen willfahren. Grundeigenthum darf ein Jude überall nicht besitzen, da zur Erlangung desselben das Bürgerrecht erforderlich ist, und Bürger kann einer nicht werden; doch besizzen sie unter fremdem Namen viel Grundeigenthum. Der Senat, welcher hier den Fortschritt repräsentirt, hat bereits 1814 auf Emancipation der Juden angetragen, aber die erbgesessene Bürgerschaft wollte nichts davon wissen; hoffentlich wird sie seit 1814 gelernt haben, daß es recht und billig ist, bei gleiche« Rechten auch gleiche Pflichten eintreten zu lassen." Eine große Energie für Hebung des jüdischen Religions- und Unterrichtswesens soll der Casinoverein, der sich in der Preßburger Gemeinde gebildet hat, entwickeln. Anfangs aus nur 10 Personen bestehend, ist die Anzahl der Mitglieder schon auf 70 herangewachsen, deren Wohlthätigkeit insonders die israelitische Primärhauptschule ihr Entstehen und fortwährendes Gedeihen verdankt. In Damaskus waren die israelitischen Brüder Harriri die ersten, welche ihre Sklaven freigegeben haben, und die auch alleanwanden, um auch ihre übrigen dasigen Glaubensgenossen z» einem solchen Schritte zu bewegen. Ein Berliner Blatt meldet, daß in New-Iork der Präsident des ersten CriminalgerichtShoses ein Jude sei, dessen Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit von allen Partheien anerkannt und auf dessen AuSspruch überall rekurrirt werde. Auch die preußische Staatszeitung nimmt von dem Bres-

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