Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1842)
- Date
- 1842-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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141 SrlchilhLe des Tages. Wie groß die Macht des religiösen Fortschrittes ist, ersehen wir am besten aus dem Beispiele der drei Länder wo die starre Orthodoxie noch ganz am Ruder ist, wo sie aber dennoch dem Erwachen und Sichgeltendmachen eines besseren Geistes kein Hinderniß entgegenzusetzen vermag. Diese drei Länder sind die Türkei, Galizien und Ungarn. In Smyrna wird, trotz dem daß die dortigen Rabbinen ihr noch mächtiges Verfolgungsschwcrt dagegen schwingen werden, jetzt ein Journal in der dort üblichen Judenspanischen Sprache erscheinen, welches außer merkantilischen Nachrichten auch Aufsätzen gewidmet ist, die die Verbreitung von Licht und Kenntnissen unter den türkischen Juden zum Zwecke haben. In Lemberg hat durch die Bemühung des wackeren, neugewählten Gemeinde-Vorstandes die bisherige höchst verdorbene, ja sinnlose Einrichtung einer öffentlichen Schul-Anstalt, der Thalmudthora, eine zweckmäßige Reform erhalten. Auch hat derselbe Vorstand ein Waisenhaus errichtet, worin bereits zwölf Kinder ausgenommen sind. Zwar verweigern die dortigen Orthodoxen, die eine sehr bedeutende Geldmacht bilden, der Anstalt alle Unterstützung; aber das hat doch die edleren Frauen nicht abgchaltcn, einen Verein zu bilden, dessen Mitglieder, sowohl Geldbeiträge, als Handarbeiten und sonstige Geschenke der Anstalt zuflicßen lassen. Ja selbst der projectirte Bau eines Tempels, worin ein veredelter. Gottesdienst eingeführt werden soll, wird nun vor sich gehen, da die nöthigen Fonds bereits zusammengebracht sind. In Ungarn, wo (besonders auf dem Lande) die Finsterniß noch so groß ist, daß die Behörde gegen die frühe Beerdigung ver Tobten einschrciten mußte (so ward in einem Marktflecken ein israel. Lehrer, der um 5 Uhr Nachmittags starb, schon um 7 Uhr in die Gruft gesenkt), kömmt doch eine zweckmäßige Anstalt nach der anderen auf. So ist in Bonyhärd eine öffentliche Elementarschule errrichtet worden, die bereits sehr erfreuliche Ergebnisse liefert. Ein Gleiches ist in Mukolz durch die Freigebigkeit eines Hrn. Brody, der nicht weniger als an 47,000 Fl. für fromme Zwecke legirte, bewirkt worden; und alle öffentlichen Blätter geben den Israeliten (namentlich im Ocdenburger Comitata) das ehrende Zcugniß, daß sie im Eifer zur Erlernung der ungarischen Sprache die christliche Jugend der deutschen Ortschaften übertrcffen. Ehre der Posen er Zeitung. Obgleich sie sonst nicht sehr freundlich gegen die Juden gesinnt ist, gesteht sie doch, daß das Uebersiedeln der Juden des GroßherzogthumS in die älteren Provinzen nachtheilig wirke, indem dadurch der ganze Verkehr in einigen Städten bedeutend abgenommen habe. Das Land aber, welches religiöse Duldung an der Spitze seiner Verfassung gestellt Hai, das freie, glückliche Amerika, behauptet fortwährend, ja erhöht noch diesen Ruhm. So hat die Repräscntanten-Versammlung in Jamaika den ihr von der Regierung vorgelegtcn Entwurf für die völlige Emanripation der Juden mit großer Mehrheit angenommen. Aber auch die Holländische Regierung, welche schon lange den Rnhm der Rechtsachtung und Gewissensfreiheit sich erworben, hat kürzlich auf's Neue von ihrer Vorurtbeilslosigkeit gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens einen Beweis gegeben. Ter norwegische Konsul in Amsterdam hatte dem Storthing auf Ver langen einen Bericht über den Stand der holländischen Juden abgestattet, und hierin dieselben auf die schmählichste und gehässigste Weise geschildert. Das hone der sehr geachtete Advokat Lippman und wendete sich deßhalb an die Mitglieder des Ministeriums an den Präsidenten des Gerichtshofes in Amsterdam, und an den General Chasse; welche auch nicht säumten dem Herr» Lippman die befriedigendsten Antworten und die ausdrücklichsten Widerlegungen der Verläumdungcn des Consuls zukommen zu lassen. Chasse sagte u. A.: „Als Mann von Ehre kann ick versichern, daß wenn mein Laufbahn nicht zu Ende und ich berufen wäre, einen neuen Feldzug zu machen, ich mich glücklich schätzen würde, mehrere Tausend der tapfer» Soldaten israelitischen Glaubens unter meinem Befehl zu haben?" Herr Lippman hat nun eine Abschrift dieser Briefe nach Norwegen gesendet. (Neues aus Frankreich.) Unter den Abonnenten der Archiv Israel, gewahrt man auch den Gesandten der Pforre, welcher zugleich an den Redacteur ein sehr freundliches Schreiben gerichtet hat. Bei der Aufwartung, welche am ersten Januar die (israelitischen) Consistorien in Paris dem Könige machten, fand sich außer den Oberrabbinen und den Herren Simon und Raphael, Mitgliedern des Central-Cosistoriums, Niemand vom Departement- Consistorium, welcher Hrn. Cremienx, der das Wort führte, begleitete. Der Secretär des Consistoriums, Herr Polack hatte die abwesenden Mitglieder vertreten. „Wir begreifen wohl (bemerken, hierüber verwundert, die ArchivcS) die Abwesenheit derjenigen Mitglieder, welche zur Armee, zur Municipial Verwaltung, oder zur Magistratur gehören; aber sind alle Mitglieder des Consistoriums in diesem Falle?" (Aus Holland.) Vor Kurzem erschien in Amsterdam eine Brochüre in holländischer Sprache, betitelt „Herzliche Einladung an meine israelitische Glaubensgenossen," in welcher der anonyme Verfasser mit vielem Feuer von der Dringlichkeit einer vernünftigen Reform des CulruS, von der Abkürzung der Zeit des Gottesdienstes, von der Abschaffung der Versteigerung der Zeremonien, von der Anwendung der Landessprache bei den Bekanntmachungen und Predigten, von der Einführung eines Chors und der Confirmation beider Geschlechter, von der ehelichen Einsegnung u. a. m. handelt. Leider ist unter der gegenwärtigen Verwaltung wenig Aussicht auf Erfolg vorhanden, da sie erst kürzlich gegen einen ihr vorgelegten Reformplan sich erklärt hat. Die zwölfte Lieferung des Pentateuchs mit holländischer Uebersetzung von M. S. Z. Mulda ist bereits erschienen. Es umfaß!