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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-08-07 · Heft 32 (7.8.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 32 (7.8.1842)
Date
1842-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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128 Inhalt der Gebete selbst ein; und da sind es namentlich zwei Punkte, welche zu Abweichungen von den alten Formen Veranlassung geben; der erste betrifft solche Stellen, in welchen Abneigung gegen andere Confessio nen, Geringschätzung ihrer Gottesverehrung und die Bitte zu Gott um deren Vertilgung ausgedrückt ist, der andere umfaßt Hoffnungen auf eine Zukunft, in welcher alle Israeliten wieder versammelt seien in Palästina und dort in irdischem Glanze leben. Allein in ersterer Beziehung hätte auch die /Auserwählung Israels im ausschließcnden Sinne, wie sie in den Gebeten hervortritt, fallen, und aus die Berufung Israels zur Annahme des Glaubens an die Einheit Gottes und auf seine Aufgabe, diesen Glauben treu zu bewahren und durch die Weltgeschichte zu tragen bis zur Zeit der Einigung aller Menschen in dieser Ueberzeugung beschränkt werden müssen; und in letzterer hätten wiederum viele Stellen wegbleiben müssen, welche die Ankunft eines befreienden Messias und die Gründung eines Tempels in Palästina, in welchem besonders Gott verherrlicht werde, als Hoffnung ausdrücken. Offenbar ist daher die Aenderung, welche die Liturgie in diesem Punkte im Tempelgebetbuche erfahren hat, zunächst mit Rücksicht auf die bürgerlichen Verhältnisse der Juden vorgenommen, und es ist soviel von demselben aus Schonung überlieferter und noch hie und da herrschender Ansichten beibehaltcn worden, als man ohne nachtheiligen Einfluß auf diese Verhältnisse dulden zu dürfen glaubte." „Der dritte Punkt, in welchem die Tempelgemeiude abwich, bestand in dem Bestreben, den Anforderungen der fortgeschrittenen religiösen Erkcnntniß zu genügen. " Lne ging daher, namentlich bei Erwähnung der Opfer von dem Gedanken aus, der jetzige Gottesdienst durch Gebet sei geistiger, als der ehemalige in Opfern bestehende; daher könne höchstens das alte Verfahren erwähnt, aber sein Aushören nicht beklagt, seine Wiedereinführung nicht erfleht werden. Dieser Ansicht gegenüber, wornach die Opfer vom durchgebildeten jüdisch-religiösen Standpunkte aus, als durchaus überflüssig erscheinen, tritt aber in dem Gebetbuche noch immer die Erwähnung des alten Opfercultus nicht blos in zu großer Breite, sondern auch mit großem Gewichte hervor." „Wird aber (bemerkt Geiger weiter) hiermit (nämlich mit dem ausgefundenen Tadelhaften) das ganze Streben, welches den Tempelverein beseelte, verworfen, die Einrichtungen, welche er traf, als unnütz beseitigt? Keineswegs! Es war vielmehr erst das Erwachen eines lebendigen Geistes, welcher durch die Synagoge zog, Einzelne aufrüttelte und alsbald zu Tbaten anregte. Diese Thaten konnten bei der geringen Anzahl, welche hinlänglich geweckt waren, bei ihrer L-tellung als Nichtcheologen, bei ihrer nicht gänzlichen Vertrautheit mit der massenhaften Geschichte des Judenrhums und nicht ausreichender Scharfe in Behandlung religiöser Gegenstände, bei dem gänzlichen Mangel einer Literatur, welche die Fragen wahrhaft wissenschaftlich beleuchtete, und bei dem drohenden Widerstande, welchen die gedrängte Schaar der damaligen Rabbinen erhob. — diese Thaten konnten unter solchen Umständen und Einflüssen nicht anders als blos ein halbes, noch nicht entsprechendes Zeugniß deS belebenden Geistes sein; aber sie mußten schon in dieser Gestalt höchst anregend wirken." „Doch der härteste Vorwurf, der den Tempel trifft, der ihm die Stellung entzog und entzieht, welche er nothwendig in der Judenheit hätte einnchmen müssen, ist, daß er es nicht verstand, sich zum Träger des wissenschaftlichen richtig erkannten religiösen Fortschritts im neueren Judenthum zu machen. Mag es ihm nun auch im Anfänge, wo er U!N seine Existenz zu ringen hatte, nachgesehen werden, daß er gegen die Angriffe der Rabbinen nur schwach sich vertheidigte, daß seine Vertheidigrmgen auf einzelne untergeordnete Punkte, wie die theilweise Ucbersetzung der Gebete, das Weglassen der Piutim, sich beschränkte; was that er während der langen Zeit seines friedlichen Bestandes, wahrend er immer inebre unter der Fahne sich schaaren sab, welche er aufgesteckt? Er vergaß des Prinzips, in welchem allein er athmele. und betrachtete sich als tait accompli, als abgeschlossene Thatsache, die keiner Vertheidigung bedarf und keiner weiteren Durchführung des Prinzips, welches ihn trägt und erhält und nährt, und so mußte er aufhören, trotzdem daß die gottesdienstlichen Aenderungen noch nirgends in diesem Maße durchgesührt wurden, an der Spitze der Bewegung zu stehen und das Interesse für sich in Anspruch nehme» zu dürfen, die lebensvolle Kraft der Zeit zu repräsentiren. Und welche treffliche Stellung nahmen hinfür die Männer ein, welche an dem Tempel wirkten, ja welcher innere Drang lag in dieser Stellung, in solchem Sinne aufzutreten. Frei von allen bewegenden Rücksichten, blos den gleichgesinnten Theilnehmern des Tempels verantwortlich, ohne Besorgniß, religiöse Sympatbieen der ihrer Führung Anvertrauten zu verletzen und sie daher überhaupt in ihrem religiösen Leben zu verwirren, waren sie recht dazu geeignet, Fragen zu behandeln, welche für Andere im höchsten Grade delicat, ja gefährlich waren." „Unterscheidet sich, (wie in der Vorrede zur zweite» Auflage des Gebetbuches gesagt wird) die Tempelgemeinde nur in einigen Formen ihres Cultus von anderen jüdischen Gemeinden, so hat der Tempel sein Bestehen blos Herrn Bernays zu verdanken, denn wenn nur eine geringe Geneigtheit, den Gottesdienst von eingerissenen Mißbräuchen zu befreien und durch einige ästhetische Zuthat zu heben, und ein nur irgend erweckliches Predigertalent dem Rabbiner inwohnten, mußte der Tempel verfallen, er würde um einiger gottesdienstlichen Verbesserungen und um einzelner Prcdigtwendungen willen nicht auf selbstständiger Absonderung beharren können. Will der Tempel sonach eine bleibende Bedeutung haben, so muß er das Bewußtsein in sich tragen, er sei ein lebendiges Organ des geistigeren, zu höherer Reinheit und Entfaltung sich erhebenden Judenthums, muß er dieses

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