Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1842)
- Date
- 1842-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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125 halten, als die Gemeinschaft nicht vorhanden war, und die Ueberzeugung der wenigen Fortgeschrittenen keine jüdisch religiöse Bestimmtheit erlangt hatte, bis endlich einem Juden mit Kraft und Einsicht die Mitwirkung vergönnt war. Ein solcher war Jacobson. Er griff tüchtig ein in der kurzen Zeit seiner Amtsführung und auch der verwahrloste Gottesdienst entging seinem Blicke nicht. Jnsonders konnte er es nicht dulden, daß in dem Königreiche Westphalen mittelalterliche Jeremiaden m den Gebeten der Israeliten vernommen wurden, sondern diese und^ ähnliche Auswüchse mußten schwinden. Mit der Erlöschung des weftphälischen Consistoriums war jedoch Jacobsons Wirksamkeit nicht beendigt; er ging von Cassel nach Berlin und hier im Kreise von Gleichgesinnten konnte er weiter geben; er schaffte die Piutim ab, fügte deutsche Gebete hinzu, führte regelmäßigen Gesang und Orgelb.-gleitung ein. Dieser Anfang — welcher äußere Hindernisse in seiner Entwickelung fand — wurde im Jahr 1818 weitergesührt in einer Privat-Synagoge, genannt Tempel, in'Hamburg Das Prinzip, welches hier leitete, war, ohne gegen die bestehenden Ansichten über das Gebet zu sehr zu verstoßen, also mit möglichster Schonung derselben die äußeren Bedingungen der Andacht herzustellen, und das mit der bürgerlichen Stellung der Juden in Widerspruch Stehende zu beseitigen; die innere Umwandelung des Gottesdienstes, durch welche derselbe allein den Anforderungen des andächtigen Gemüthes entsprechen konnte, wurde nur sehr leise versucht. (Schluß folgt.) IrljidjU des Luges. Aus Altona wird berichtet: r-Eine Bekanntmachung des Oberpräsidiums vom 5. Juli bringt mit Beziehung auf ein Schreiben der Kanzlei vom 28. Juni zur Kunde des hiesigen Publikums, daß Se. Maj. der König resolvirr haben, eine allgemeine Rcgulirung der Bcrhältnisse der m osaischcn Glaubensgenossen in beiden Herzvgthümcrn einer näheren Erwägung vorzubebalten und den betreffenden, den Provinzialständen vorgelegten Entwurf einer Verordnung für jsstzt nicht zum Gesetz zu erheben, daß aber auf diejenigen Erleichterungen in den öffentlichen und bürgerlichen Verhältnissen der Mosaitrn, welche denselben ohne eine allgemeine Regulirung zu Thcil werden können, sofort Bedacht genommen werden soll. Demzufolge haben, zufolge ferneren Inhalts des gedachten Schreibens, Sc. Maj. unter Andcrm den Mitgliedern der hochdeutschen Jsraelitcn-Gcmeindc zu Altona die Befugniß zur Gewinnung des Bürgerrechts daselbst zu erthcilen geruht. Auch ist cs allerhöchst genehmigt, daß das von den Mo falten an einigen Orten bisher an dre königliche Kanzlei zu zahlende Schuhgeld denselben zu erlassen sei, wogegen sie verpflichtet sein sollen, diejenigen Abgaben, wie Schutzgcld und Nahrungssteuer, zu entrichten, welche unter gleichen Verhältnissen von den christliche» Einwohnern an den betreffenden Orten zu erlegen sind.« Die Pariser Akademie hat dem Dr. Th. Benfey in Göttingen (mosaischen Glaubens) für sein griechisches Wurzellexicon den Vollneyischen Preis für 1842, welcher einem ausgezeichneten Werke im Gebiete der Philologie bestimmt ist, zuertheilt. In Hannover haben beide Kammern der Regierung vorgestellt, daß man Bedenken tragen müsse, in die Ausschließung der Juden vom Militärdienst zu willigen. In Montroal (Amerika) wohnen auch die Damen, jung und alt, dem Gottesdienste bei. Die Gebete werden besonders von ihnen auf sehr erbauliche Weise gesungen. Der Mitzwo'- verkauf, das Kol-Nidre, sowie die sämmtlichen Piutim sind abgcschafft, und das Kadisch wird nur zweimal gesprochen. Auch die zweiten Festtage werden nicht gefeiert. Nach der Schlacht bei Jena flüchtete die Königin von Preußen durch Märkisch Friedland. Auf dem Markte angekommcn, verlangte sie Vorspann. Tie Bürger vermochten diesen nicht zu geben, da sie ihre guten Pferde in den Wäldern vor dem Feinde versteckt hatten. Tie Königin weinte, denn der Feind war nur drei Meilen entfernt. Da spannten mehrere Israeliten ihre besten Pferde vor und retteten die Königin. 1807 mangelte es an Geld um den Sold der Armee zu zahlen. Hardenberg schrieb an die Kaufmannschaft und trug um eine Anleihe an. Letztere, nach drei Tagen Bedenkzeit, schlug den Antrag aus. Ta schrieb Hardenberg auch an die Judcnschafl und diese kam mit Bereitwilligkeit seinem Wunsche nach. — Und jetzt sollen die Israeliten Preußens vom Militärdienste ausgeschlossen, und in den Rechten, welche die Weisheit Hartenbergs ihnen verlieh, wieder beschränkt werden? Adresse des Obervorstehers Hellwitz kn Soest und des Land-Rabbinen Friedländer in Brilon an Alexander v. Humboldt. Hochgeborener Herr Kanzler! Hochzuverchrender Herr Geheimrath! Ew. Ercellen; erlauben wir uns für die öffentlich kundgcgebene, hohe, humane Tbcilnahme an den Verhältnissen der preußischen Israeliten, im Namen der uns anvertrauten Korporation den tief gefühltesten Dank auszusprechen, der um so mehr der unverfälschte Ausdruck unserer Gefühle ist, je glänzender Ew. Ercellen; erlauchter Name am Horizont der Wissenschaft und Cultur strahlt; je geringer die Zahl der Männer ist, die sich so liebevoll und in so eindringlicher Weise des „ewig bedrängten Volks" annehmen. In dieser Zeit der durch die eingeleiteren Verhandlungen bewirkten Spannung und Ungewißheit blicken wir daher auf Ew. Erccllenz, als einen Mann, der mit einem „Humboldt'fchen Auge" unsere Lage durchschaut, und in diesem unerschülterlichen Vertrauen wagen wir es, mit unserm Danke eine Bitte zu verbinden.