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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-24 · Heft 30 (24.7.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 30 (24.7.1842)
Date
1842-07-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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12€> Kindern! Gute Jugendlehrer und tüchtige Prediger und Verkünder des heiligen Wortes stellet an in eurer Mitte und fürwahr die Religion wird nicht in dem kommenden Geschlcchte erlöschen, sondern vielmehr frisch emporblühen und zu einem jugendlich - starken Lebensbaume heranwachsen.' Aber eure Kinder böret auf zu plagen, und gebet auf einen Unterricht, über dessen Nothwenoigkeit ihr wahrlich euch keine Rechenschaft geben könnet, ja der, in der Weise, wie er jetzt noch ertheilt werden kann, nur geeignet ist, die Anhänglichkeit für die Lehre und den Glauben Israels zu stören und zu schwachen. Geschichte -cs Tages. Unsere heutige Tagesgeschichte umfasse eine Mitthcilung aus Holstein und zwei Aufsätze der Königsberger Zeitung über die Verhältnisse der preußischen Israeliten. Die erstere gibt den Beweis, wie die europäischen Regierungen ihren heiligen Beruf, dem Rechte auch bei denen, in welchen das bis jetzt am meisten gekränkt wurde, bei den Bekcnncrn des mosaischen Glaubens immer mehr Geltung zu verschaffen, anerkennen; die zwei letzteren legen das schöne Zcugniß ab, daß unsere öffentlichen Blätter ihre höchste Aufgabe, für die in die Schranken zu treten, die ihre Ansprüche durch keinerlei äußere Gewalt unterstützen können, mit unermüdlicher Beharrlichkeit zu erfüllen streben: Es sagt die Königsberger Zeitung in einem Artikel, übcrschricben: die bürgerlichen Verhältnisse der Juden: Das berühmte Edikt vom 11. März 1812 erklärte die preußischen Juden für Inländer und Staatsbürger, sofern sie sich bestimmte Familicn-Namcn beilegen würden; es vcrlucß ihnen -gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten mit den Christen"; Schul- und Gemeinde - Aemter wurden ihnen eröffnet, ihre Zulassung zu anderen öffentlichen Bedienungen und Staatsämtcrn wurde der Zukunft Vorbehalten. Nur noch ein einziger Schritt blieb also übrig, und die Juden waren den übrigen preußischen Staatsbürgern wirklich völlig gleichgestellt. Die erfreuliche Wirkung dieses Ediktes zeigte sich gleich beim Beginne des Befreiungskrieges. Mit derselben Begeisterung wie alle übrigen Preußen eilten auch die Juden zu den Fahnen, kein Zweifel an der Erfüllung der ihnen gemachten Verheißungen, kein überstrcnges Festhalten an ihren verwickelten Ritualgcsctzcn, die offenbar während des Kriegsdienstes hundertfältig verletzt werden mußten, hielt sie zurück/ Wie so viele Männer in jener Zeit Amt und Brod verließen, um zum Schwerte zu greifen, so gaben auch hunderte von Juden ihre bisherigen Beschäftigungen auf, um sich als ächte Söhne des preußischen Vaterlandes zu bewähren. Hunderte führten so den kräftigsten Beweis, daß die preußischen Juden des vollen Staatsbürgerrechtes würdig wären; viele avancjrten sogar zu Officieren. Endlich war der Friede errungen, und nun schien der Augenblick gekommen, mit so manchen andtm auch die den Juden gemachten Verheißungen in Erfüllung gehen zu lassen. Aber diese Erfüllung blieb aus. Den jüdischen Offerieren, von denen viele mit Aufopferung ihres früheren Berufes der neuen militärischen Laufbahn sich gewidmet und dadurch ein heiliges Recht erworben hatten, dieselbe auch noch fcmer verfolgen zu dürfen, wurde plötzlich die harte Alternative gestellt, entweder diese Laufbahn oder ihren alten Glauben aufzugebcn. Diese Maßregel läßt sich nur dadurch erklären, daß den Christen die jahrhundertelange Ungerechtigkeit gegen die Juden bereits zur Gewohnheit geworden, daß so das Bewußtsein derselben bei ihnen verloren gegangen war. — In den gewöhnlichen Raisonnements der Christen über die Juden lag in der That eine merkwürdige Naivität. Durch stete Ausschlicßüng von jeder anderen Beschäftigung hatte man den größten Theil der ärmeren Juden gezwungen, sich durch Hausir- und Kleinhandel zu ernähren. Wie den Christen die Ungerechtigkeit, so war den Juden diese erzwungene Beschäftigung zur Gewohnheit geworden, und ein eigenthümlichcs Talent dafür hatte sich im Laufe der Jahrhunderte bei ihnen gebildet. Haben denn die Juden, riefen nun die Verthei. digcr mittelalterlicher Intoleranz, Neigung zu irgend einem, anderen Beruf als Handel und Schacher? Dieser widersinnige Vorwurf, den man den Juden mit einer Beschäftigung machte, zu der man sic gewaltsam gezwungen hatte, wird fteilich jetzt immer seltener gehört, wenigstens die gebildeten Klassen der Christen scheuen sich, ihre eigene Urtbeilsfähigkeit durch ein so verblendetes Urtheil in das traurigste Licht zu stellen: nichtsdestoweniger sind jene mittelalterlichen Vorurthcile noch heute nicht überall ausgerottet, und die Anhänger derselben haben neue, eben so schwache Argumentationen gegen die völlige Gleichstellung der Juden und Christen aufzufinden gesucht. Daß gerade jetzt bei uns eine endliche Feststellung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden erfolgen soll, ist bekannt. Die vermuthlichen Bestimmungen des zu erwartenden Gesetzes, namentlich die Bildung gesonderter jüdischer Korporationen mit besonderen Rechten und Pflichten, die allgemeinen Befürchtungen, welche die Nachrichten hieven bei Juden und aufgeklärten Christen hcrvorgerufcn, sind bereits durch die Zeitungen mitgetheilt. Eben so die Antwort des Ministers des Innern und der Polizei auf die Adresse der einzelnen jüdischen Gemeinden, in welcher derselbe zwar Anfangs ihre Befürchtungen in ziemlich unbestimmter Weise für ungegründci erklärt, gegen daö Ende aber von besonderen Modifikationen ihrer Berechtigungen im Vergleiche zu denen der Christen spricht, und so der Hoffnung auf eine endliche Gleichstellung entschieden entgegentritt. Während also nach Beendigung der Befreiungskriege viele Juden bloß dadurch schon bitter in ihren Hoffnungen getäuscht wurden, daß man das Edikt vom 11. März 1812 nicht vervollständigte, gedenkt man jetzt, weit hinter das Edikt von 1812 zurückzugchen, durch Bildung gesonderter Korporationen das eben erstarkende Freundschastsverhäliniß zwischen Juden und Christen wieder aufzuheben, eine neue Trennung hervorzurufen, und so dem Wicdcrerwachen alter Vorurthcile, namentlich bei den untersten Klassen, Raum zu geben. Wem fallen nicht bei Erwähnung dieser gesonderten Korporationen die verrufenen Judengäßchcn des Mittelalters ein? E« Aufsatz in der Staatszeitung „über Anzahl und Vertheilung der Juden in Preußen" zeigt namentlich gegen das

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