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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-17 · Heft 29 (17.7.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 29 (17.7.1842)
Date
1842-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Schule, in einer Volksschule? Wo käme dieses noch vor? Mögen auch die Religionsurkunden der Israeliten in hebräischer Sprache geschrieben sein; aber gehört deßhalb die Erlernung dieser Sprache in den Kreis des Schul- und Elementarunterrichtes? Lernen die russischen Kinder griechisch und die katholischen aller Länver Latein, weil die Religionsurkunden der ersteren in griechischer und die wichtigsten religiösen Schriften der letzteren in lateinischer Sprache geschrieben sind? Doch die Sache bedarf einer genaueren Erörterung. Wahr ist's! die Erlernung einer fremden, todten Sprache gehört nicht in den Kreis des Elementarunterrichtes; aber die hebräische Sprache war nicht nur meist bei den Israeliten eine lebende, gesprochene, sondern auch, nachdem sie längst aufhörte, eine solche zu sein, stand sie in so innigem Verbände mit dem ganzen Leben, daß der Jugendunterricht ihrer durchaus nicht entbehren konnte. Nach der Lebensanschauung der früheren Zeit sollte die ganze Thätigkeit, die ganze Wirksamkeit des Israeliten nur die Erforschung des religiösen Gesetzes und die gewissenhafteste Uebung desselben umfassen, (ra&n nrm mm HD?). Selbst die Betreibung irgend eines Geschäftes ward nur als ein Mittel zur Abwehrung des Mangels, der an dem Studium des Gesetzes hindere, betrachtet und darum sollte diesem der größere, jenem aber nur der kleinere Theil des Tages gewidmet werden (72s) mm W IW). Dieser Anschauung blieb man denn auch im Leben getreu, und darum sah man denn auch alle jüdische Jünglige, die nur irgend dazu befähigt waren, gleichviel ob sie einst Rabbinatssitze einnehmen wollten oder nicht, auf die berühmten Thalmudschulen gehen, und dem Studium dieses volumnösen Werkes vom frühen Morgen bis zum späten Abend obliegen. Kein Wunder, wenn also damals das Hebräische (ja auch das Rabbinische) als Gegenstand des Schulunterrichtes betrachtet, ja für noch wichtiger und unentbehrlicher angesehen wurde, als heutzutage das Lesen und Schreiben in der Muttersprache, oder die ersten fünf Species in der Rechenkunst. Doch jene Lebensanschauunq, hervorgerufen durch die damalige Ausschließung der Israeliten von jeder gewerblichen und wissenschaftlichen Thätigkeit, eristirt bekanntlich auch bei den orthodoxen Israeliten nicht mehr, und um (insonders von Seiten dieser), die Nothwendigkeit des hebräischen Unterrichtes in Schulen darzustellen, nimmt man zu folgenden Gründen feine Zuflucht: „Erstens", (und dieses ist der zermonielle Grund) sagt man, „sollen doch einmal die überkommenen Gesetze und Gebräuche nicht nur geübt, sondern auch verstanden werden. Dazu ist aber die Erlernung des Hebräischen in den Schulen unentbehrlich, da man ohne Kenntniß dieser Sprache die Bücher, welche von jenen Gesetzen einstigen Bolkslehrern bestimmen, oder in sich das — freilich nur individuelle — religiöse Verlangen haben, ihre Kinder zur KkNvwiß -er Neligivichschriften in der Ursprache zu bringen, handeln, nicht lesen kanni." Allein kann es denn bei dem gewissenhaftesten Fleiße dahin gebracht werden, daß die Kinder den Thalmud urüo die Gesetzeslehrei. (C'pOBi D"&'), (und das ist, wenn sie. die Zeremonie?., verstehen sollen, nothwendig) in den Schulen erlernen? „Doch (sagt mrm — und dieses ist der rituelle Grund weiter) der Israelit nruß doch das, was er betet, verstehen, und da die Gebete alle noch in hebräischer Sprache verfall find, so kann auch dieselbe in dm Schulen nicht entbehrt werden^" Gur, wenn dieses von den gewöhnlichen Gebete?, verstanden wird. Aber wie ist es mit den Buß- und Festtags-Gebeten, mit dm sogenannten Piurim, Keroboih, Jozroth, Selichoth u. a. Soll und kann das Kind auch diese — und sie machen den allergrößten Theil der, Gebete aus — verstehen lernen? „Allein (so sagt man endlich) das Hebräische ist doch nun einmal die Sprüche unseres Glaubens, unserer Religion; ein israelitisches Kind muß etwas Hebräisch lernen, und zum Wesen einer jüdischen Schule gehört es, daß sie das Hebräische in den Kreis ihres Unterrich-! tes aufnehme." Wie wir diesen Grund nennen sollen, wissen wir wirklich nicht; es ist so ein unklarer, dunkler, mystischer. Man glaubt, (und dieses ist bei den meisten Eltern der Fall) das israelitische Kind müsse eben so grtt etwas Hebräisch lernen, wie es die zehn Gebote lerne, wie es die dreizehn Glaubensartikel lerne, es gehöre das zur jüdisch-religiösen Bildung! Doch wie gesagt, es ist dieses nur so ein unklarer Grund, so ein dunkles unbestimmtes Gefühl, das aus der gewissenbaften Pflege, die man früher und bis in die neuere Zeit dem Hebräischen hatte angedeihen lassen, entstanden ist, und in sich keine Wahrheit hat; denn traurig wäre e6, wenn es zum Wesen unseres erhabenen Bekenntnisses gehörte, daß das Kind einige Stellen aus dem Pentateuch und sonst oberflächlich — denn oberflächliches unv flüchtiges Werk bleibt es immer — übersetzen lerne. (Schluß folgt.) des Tages. Der von uns bereits erwähnte statistische Artikel der preußftschen Staatszeitung enthält noch manche andere Bemerkungen, die wir, (mit unseren Gegenbemerkungen begleitet) unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: „Die Juden verlieren für ihren Erwerb noch ein zweites Sechstheil des Jahres durch die strenge Feier ihrer Sabbathe und Äirchenseste" (Ist nicht wahr, denn der Jude kann, dafern die öffentliche Ruhe nicht dadurch gestört wird, die Sonntage zum Betriebe des Handwerkes benutzen und den sogenannten blauen Montag den übrigen Tagen gleich halten.) „Die rituellen Vorschriften der Juden machen eine Theilnähme an den Mablzeiten der Christen fast unmöglich, wodurch auch alle häusliche Genossenschaft, alles Zusammcntreten zu gemeinschaftlichem Genüsse nach gemeinschaftlicher Arbc:t erschwert stird.« (Dik Anzahl derer, weiche sich über die rabbinsschm

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