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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-17 · Heft 29 (17.7.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 29 (17.7.1842)
Date
1842-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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116 heit*) hat; sie hatten den Hergang fo schildemmäßen, wie er in Wirklichkeit sich verhält, und da ist er, wie^sie selbst uns zugeben werden, gewiß kein anderer als folgender: Tiktin erhielt die Verwaltung des Rabbinats zu einer Zeit, wo ein höheres Bewußtsein über die Wirksamkeit des jetzigen Volkslehrers in der Gemeinde noch nicht vorhanden war. Erst später trat dieses hervor und hatte die oben erwähnten Bestimmungen in den neu verfaßten Statuten zur Folge. Daß diese nun aut die Person des Tiktin, namentlich was ihren wesentlichen Inhalt, die Haltung von religiös-moralischen Vorträgen betrifft, keine Anwendung finden konnten, sah man ein, da der Letztere ganz nach der älteren Weise gebildet war. Ihn deßhalb von seinem — wenn auch nur provisorisch übertragenen — Amte wieder zu entfernen, wäre durchaus ungerecht gewesen. Die Gemeinde hatte ja seine Bildungsweise gekannt, und wenn sie in ihren Ansichten fortschritt, so konnte sie das nicht, ohne die Würde der Religion auf das Tiefste zu verletzen, ihrem in der früheren Anschauungsweise beharrenden Geistlichen entgelten laßen. Allein das Bedürfniß nach religiöser Erbauung machte sich nun einmal geltend, und rief die Nothwendigkeit hervor, die erledigte Stelle eines Dajon oder Rabbinats - Assessors mit einem Manne zu besetzen, der diesem Bedürfnisse genügen konnte. So krankend dieses auch für Tiktin sein mußte, so hatte er doch kein Recht, es zu verhindern, da man ihn in allen Funktionen, wie er sie bisher ausgeübt, belassen hatte. Allein ein neuer mißlicher Umstand trat jetzt ein. Tiktin glaubte, mit einem Manne von der aufgeklärten religiösen Richtung wie Geiger, nicht die Funktionen der Ehescheidung und Chaliga gemeinschaftlich verrichten zu dürfen. Der Vorstand müßte aber den neu angestellten Beamten um so mehr in seinem Rechte schützen, als er sonst sich selbst und die Gemeinde, welche die dem Fortschritte huldigende Richtung Geigers gekannt, ja vielleicht gerade wegen derselben ihn berufen, compromittirt haben würde. Dieses, wie die fortwährende alle Gebühr überschreitende Polemik Tiktins gegen seinen Collegen, die selbst an der Stätte des Friedens nicht schwieg, und die Saat des Unfriedens und der Zwietracht fort und fort in der Gemeinde ausstreute, war denn der eigentliche Grund der Suspension des letzteren. Hierauf hatte sich denn auch die Darstellung in dkm Berichte an die Gemeinde beschränken, und Alles was sonst so umständlich über die statuarischen Bestimmungen der Rabbinatspflichten und der Weigerung Tiktins, sie zu erfüllen, (er konnte ja bei seiner Bildung sie nicht erfüllen, ja nicht einmal die Aufsicht über den Religions- und hebräischen Unterricht konnte er führen) gesagt ist, wegbleiben müssen, da diesem alle innere Wahrheit, die, wie gesagt, wir nimmermehr verletzen dürfen, gebricht. Auch eine gewisse Leidenschaftlichkeit, die wir, gerade *) Diese ist wohl zu unterscheiden von der formellen, juridischen, die leider! da nicht fehlen darf, wo wir auch gerichtlich eine gerechte Sache durchführen wollen. weil unsere Gegner so blind, fo fanatisch, fo leidenschaftsvoll sich zeigen, von uns fern halten sollen, scheint uns dem gedachten Berichte aufgedrückt zu sein; selbst die Suspension des Rabbiners Tiktin scheint mehr das Erzeugnis einermomentanen Aufwallung, als einer ruhigen, amtlichen Erwägung zu sein; denn es hätten doch erst Verwarnungen, Verweise und wenn diese nicht gefruchtet, Disciplinarstrafen vorausgehen mnßen. Allein in dieser Hitze sehen wir gerade etwas Großes, Erhebendes, sehen wir, daß nicht, wie man uns so oft gesagt hat, der Jndifferentismus auf unserer Seite ist, daß nicht die Aufklärung nur Frost und Kälte erzeugt, sondern daß sie auch brennen, zünden, dergestalt zünden kann, daß selbst die Vertreter einer ganzen Gemeinde, von ihr ergriffen, auch einen Augenblick den Weg kalter, ruhiger Erwägung verlassen können. Dieses bildet ein großes erhebendes Ereignis in der Geschichte unserer Zeit und muß, da es die Ueberzeugung hervorruft, daß auch die Aufklärung ihre Gluth, ihre fromme, heilige Begeisterung heben kann, von seegensreicher Wirkung auf andere Gemeinden, denen man leider! noch immer mehr Kälte, als allzugroßen Eifer für die gute Sache vorwerfen kann, sein, ja in Breslau selbst noch die heilsamsten Folgen Hervorrufen. Die Hitze des Gefechtes,, die momentane Aufwallung welche den Eifer für die gute Sache erzeugte, wird das Vergängliche und Vorübergehende an ihr sein, "sie aber wird einen dauernden Reiz erlangen und von selbst den rechten vermittelnden Zustand, den Zustand der Beruhigung, des Heils und des Friedens herbeifübrm; und dazu möge vielleicht folgendes Mittel das Wirksamste sein: Das Öber-Vorsteher-Collegium stehe davon ab, den Rabbiner Tiktin, da er einmal auf seinem Standpunkte nicht begreifen kann, oder will, daß man selbst wissenschaftlich einer höheren Richtung angebören könne, aber demohngeachtet bei rituellen Handlungen, sich um so mehr auf den Standpunkt derer, die sie betreffen, stellen müsse, als die bestehenden Formen kirchlich noch nicht aufgehoben sind, anzuhalten, die Funktionen der Clialiga und Ehescheidung gemeinschaftlich mit dem Or. Geiger zu verrichten, sondern überlasse es, wie bereits bei den Trauungen geschehen, den Betheiligten, ob sie an den ersten oder zweiten Rabbinen sich wenden, und diesem, oder jenem die Wahl der beiden anderen Mitglieder übertragen wollen. Ist die Erlernung -es Hebräischen in den jüdischen Schulen «othwendig? *) ' (Eingesandt.) Wenn man diese Frage so nackt und bloß einem Pädagogen Hinhalten wollte, so würde er darüber lächeln. Die Erlernung einer fremden, todten Sprache in einer *) Es ist hier natürlich nur von den Schulen als solchen die Rede. Etwas Anderes ist es, wenn Eltern ihre Söhne za

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