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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-10 · Heft 28 (10.7.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 28 (10.7.1842)
Date
1842-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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113 daß ein Judengesetz allerdings dem Staatsrath vorliege und zwar ein Gesetz, welches den betreffenden einerseits „größere Selbstständigkeit und Autorität» einräume, andererseits „die Gewährung alles dessen an die Bedingungen knüpfe, die in dem Wesen eines christlichen Staats beruhen, nach welchem es nicht zulässig sei, den Juden irgend eine obrigkeitliche Gewalr über Christen einzuräumen oder Rechte zu bewilligen, welche das christliche Gemeinwesen beeinträchtigen könnten....« Verlangten die Israelitischen Gemeindcvorstände, man solle ihnen eine „Gewalt über Christen" einräumen? Verlangten sie „größere Selbstständigkeit und Autorität?" — Im Gegentheil, sie protestirten ja gegen die „Bewilligung größerer Rechte;" sie protestirten ja gegen jede „größere Selbstständigkeit und Autorität," sie beunruhigten sich ja über den falschen Gesichtspunkt, der kein Recht, sondern Privilegien, kein Gesetz, sondern Autoritäten, Korporationen u. s. w., keinen Staat, sondern Kirchen „christliche Gemeinwesen," keine sittliche Macht, sondern die materielle Gewalt allein anerkennt! Das ministerielle Schreiben will sie beruhigen; statt dessen vertheidigt es aber den „irrigen Gesichtspunkt." In gleich edlem Sinne spricht sich die Rheinische Zeitung aus: „Die ganze Judensache liegt in der kurzen Frage: sollen sie endlich vollständig Staatsbürger sein,- oder nicht? Im letzteren Falle ist Korporativverfassnng denkbar, aber unerwünschter als der jetzige Zustand, weil sie bessere Aussichten ferner hinauSschiebt. Im ersteren Falle sind Korporationen überflüssig; denn die ganze Staatsbürgerschaft, die Nation darf nur eine einzige Korporation bilden, sobald man unter Nation mehr versteht, als rin Aggregat von äußerlich neben einander stehenden Körperschaften und Ständen. Allein noch größeres Bedenken, als durch den Begriff der Korporation, wird in dem Ministerialschreiben durch den eines „christlichen Staates" erregt. Die „Bedingungen, die in dem Wesen eines solchen beruhen," sollen maßgebend sein. „Nach ihnen ist es nicht zulässig, den Juden irgend eine obrigkeitliche Gewalt über Christen einzuräumen, oder Rechte zu bewilligen, welche das christliche Gemeinwesen beeinträchtigen konnten." Hier findet offenbar eine gefährliche Vermischung politischer und religiöser Dinge Statt. Tie Weltgeschichte enthält blutige Blätter genug, welche erzählen, welches Elend den Menschen bereitet wurde, sobald der Staat sich und seine Ausgabe so weit vergaß, daß er in das Allerheiligfte der Gewissen eingriff und sich zum Partcimanne einer Nellgion oder einer Konfession machte. Der allerseitsgcrcchte Staat kann unmöglich eine Religion haben; sonst muß er gegen alle Andersdenkenden ein Stiefvater werden. Man werfe nur einen Blick auf Irland. Schon der eine Umstand, - daß Katholiken protestantische Pfarreien erhalten müssen, kann nur Fischblut unerwärmt lassen. Vergessen wir doch nie, daß kein einziger Staat ans Bekennern einer Religion besteht; alle Staaten sind in dieser Hinsicht paritätisch oder gemischt. Die Personen, in deren Händen die Staatsgewalt rubt, können ja ungestört ihrer religiösen Neberzeugung treu bleiben; aber der Staat, und folglich auch die in seinem Namen Handelnden als solche, dürfen keinem Staatsbürger, keinem Sprößlinge desselbigen Vaterlandes weniger Rechte gewähren und noch minder mehr Pflichten auserlegen, bloß deshalb, weil selbiger einer andern Religion anhängt. Treffliche Patrioten und tugendhafte Bürger sind zu allen Zeiten in allen Religionsparteien gewesen. Es wäre ja auch traurig, wenn irgend eine der europäischen Hauptreligionen ihre Bekenner hinderte, brave Bürger zu sein. Mehre große Länder haben gezeigt, daß namentlich die Juden im Patrotismus dcn Christen durchaus nicht nachstehen. Auch Preußen hat dies erlebt. Warum sollen also unsere Juden nicht auch gesetzlich Preußen, volle Preußen werden? Der Gesinnung nach sind sie es schon; einzelne schlechle Bürger findet man eben so gut unter den Christen. Das neunzehnte Jahrhundert ist zu reif, als daß es die Staaten noch nach Kirchen rubrizirte. Will man aber durchaus, daß der Staat ein christlicher sei, nun wohlan: Christus befahl seine Feinde zu lieben. Der wahrhaft christliche Staat ist demnach der, welcher erhaben genug denkt, alle Religionen bei gleichen politischen Rechten zu schützen." Unter den Israeliten selbst muß aber die universelle religiöse Ansicht schon weite Verbreitung erlangt haben, wenn ein Relkgi. onslehrer keinen Anstand zu nehmen braucht, sich über die Erlösung Israels in der Weise zu äußern, wie dieses der Prediger Hochstädter in Wiesbaden gethan: Er sagte: „Keine Lehre unserer heiligen Religion ist auf so viele Ungläubigkeit gestoßen, hat so viele Verdrehungen erlitten, als die Lehre von einer künftigen Erlösung Israels, als der Messiasglaube! Tie Einen legten bei dcn Hagada - Worten „E'^ETTü HfrCn gemächlich die Hände in den Schooß und erwarteten ohne ihr geringstes Hinzuthun Wunder über Wunder; während die Anderen schon darüber jubelten, daß sie in jetziger Zeit ihre leiblichen Bedürfnisse leichter befriedigen und den irdischen Vergnügungen ungehindert nachgehen können; — was soll diesen eine geistige Erlösung? da sie längst auf das Messiasreich verzichtet haben! Wir hingegen, m. A.! befragen die heilige Geschichte unseres Volkes, sowie die allgemeine Geschichte der Menschheit, um zu erfahren, was die Messiaszeit dereinst in politischer und religiöser Beziehung für uns sein werde? 3) So entfernt uns auch die Annahme scheint, daß Israel wieder zu einem selbstständigen Volke, das heilige von unfern Vätern bewohnte Land wieder zu einem jüdischm Reiche, und Jerusalem — die ehemals viel berühmte Stadt — wieder zur Lchrstätte des wahren Glaubens werdm könnte; so ist solches doch von sämmrlichcn Propheten *) des Alterthums ausdrücklich verkündet, und es widersprechen selbst die Besserdenkcnden unter den Nichtisraeliten nicht so ganz dieser Annahme. Es sei damit nicht gesagt, als müßten zur selben Zeit die über den ganzen Erdboden zer- *) Moses V, 30, 1 — 6. Jesaja 40. Jirmeja 3, 14 — 19. Jecheskel 34. Hosea 1, 20 — 25. Joel 3 u. 4. AmeS 9. Mrcha 4. Rachum 2, 1-3. Chabakuk 3, 13 - 19. Zesania 3, 11 — 20, Psalm 46 — 48. Daniel 12.

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