Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1842)
- Date
- 1842-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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109 es, obgleich im wesentlichen mit der Wahrheit des Mosaismus übereinstimmend und sich auf ihn berufend, weitergehen als dieser und die religiöse Vorstellung von manchen zeitlichen und volksthümlichen Elementen entkleiden. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Eine neue Sekte, die allerdings geeignet ist, die größte Besorgniß zu erwecken, bebt der deutsche Courier an der projectirten Corporationsverfassung der Juden in Preußen hervor: »Sollte (bemerkt er) die politische Einigung in der kirchlichen Gemeinschaft begründet werden, so würde diese korporative Verfassung unfehlbar einen höchst betrübenden und unglückseligen Zwiespalt unter den jüdischen Staatsgrnosscn zum vollsten Ausbruch bringen. Bis jetzt war die jüdische Kirche eine vollkommen freie, d. h. sie überließ dem Gewissen ihrer Genossen die Ausübung ihrer zahlreichen und tief in» Leben eingreifenden Zeremonien und Rituale, sich damit begnügend, ihnen Gelegenheit zu bieten, sie üben zu können. Würden nun die Juden von der StaatSgcsetzgebung mehr in einer korporativen Eigenschaft, denn als Individuen berücksichtigt, so könnte die Reaction nach Innen nicht ausblribcn, und. die freie Bewegung des Einzelnen innerhalb der Kirche, das Palladium ihrer bisherigen Existenz, wäre von beiden Seiten bedroht. Denn es ist Thatsache, daß die große Masse der Gebildeten unter den deutschen Juden mit einem großen Theile der Rituale, der Zeremonien und des Gottesdienstes der alten Synagoge nicht einverstanden ist, und entweder eine mehr oder weniger durchgreifende Reform wünscht oder beabsichtigt, oder sich selbst faktisch von dem ganzen Wesen der alten Kirche loSgrmacht bat, ohne bis jetzt ein neues Besseres an die Stelle gefetzt zu haben. Wollte man annehmen, dieser Thcil der jüdischen Unterthancn neige sich dem Christentbume zu, so befände man sich in einem mächtigen Jrrkhume; die Motive hierzu naebzuwciftn, würde zu weit führen: die sichere und unbestreitbare Thatsache ist hier allein von Wichtigkeit. Die dem Judenthume, als solchem, näher stehenden gebildeten Israeliten, sind zwar darüber einig, daß eine Reform ihrer Kirche unab* weislich sei, über die Grenzen und die Durchführung derselben aber herrschen fcte verschiedensten Ansichten unter ihnen. Sie betrachten ziemlich allgemein die gegenwärtige Zeit als eine Uedergan'grpcr'iode -u einem bessern kirchlichen Zustande, der sich um so friedlicher und ruhiger entwickeln werde, je weniger für jetzt dir Heiden crtremen Meinungen zum direkten Streit gelangen, in unmittelbaren Konflikt gcräthen. Denn, wie alle Ertrcme, so sind auch die beiden äußersten Ansichten im Judenthume, die Aaß orthodoxe und die schroff radicale, entschieden intolerant; verachtet die andere, will die andere ans der Kirche verdrängen^ verlangt für sich ausschließlich die Freiheit der Meinung und des Gewissens, und würde — fände sich Gelegenheit dazu — dahin streben, die andcrc zu unterdrücken/ Tic radikalen Hetervboren sind in diesem Stücke nicht viel besser noch freigesinnter als die Stockorrbvdoxen unter den Juden, und wenn beide bisher selten mit einander in Kampf geriethen, so lag Das eines Tbeils an den versöhnenden Schritten der Mittclparrei. zum größten Theil aber an der freien Verfassung der jüdischen Kirche, welche die in Ansichten Abweichenden nicht nöthigte, aus diesem Boden zusammen zu treffen. Ein solcher Konflikt würde aber nicht ausbleiben, wenn die rein kirchliche und deßhalb äußerlich freie Genossenschaft der Israeliten unter einander in eine politische umgewandelr würde, und die Juden gcnöthigt wären im Staate als Mitglieder einer eigenen, cigenrhümlichcn Korporation zu erscheinen. Dann müßre jede der beiden Ansichten sich zur Partei umbilden, ein entschiedenes Schisma im Jubenrhum einstehen, und die Sraatsbcbörven würden nicht nur von dieftm Wesen und diesen Kämpfen unsäglich behelligt, sondern die engsten und heiligsten Familienbande unrer den Jsraliien auf das Schwerste bedroht und gefährdet, und während die Juden sich jetzt meist durch die Achtung der Familienverhältnisse und durch Eintracht in ihrem Hauswesen bemcrklich machen, wäre alsdann ein sieter und heftiger Kamps und Streit in jedes jüdische HauS gebracht." Ehre der hochgesinnten Oestreichischcn Negierung, sie har die Israeliten Böhmens zur Gründung einer BildungSanstalt von Rabbinen auffordern lassen, und es bat auch den Anschein, al» ob dieser Aufforderung mft Bereitwilligkeit emsprcchrn werde. Das holländische Gouvernement har dem israelisischen Seminar für dieses Jahr die Summe von 25,000 Franken aus Staatsmitteln vcrwilligt. Die preußische SraatSzeitung enthält eine genaue Vergleichung der israelitischen Bevölkerung deS Jahres 1840 mit dem Stande von 1822, aus welcher sie folgende Resultate zieht: 1) Für die Wahrnehmung, daß unter den Juden verhältnismäßig mehr Personen ein hohes Aller erreichen, als unter Len Christen, dürfe der Grund nicht darin gesucht werden, daß die Erstcren Gewerbe treiben, bei denen lebensgefährliche Unfälle Vorkommen, da cs hauptsächlich das Alter der Kindheit sei, worin jener große Unterschied in der Sterblichkeit sich zeige — vielmehr sei der Grund darin zu suchen, daß die Frau de» Juden nicht leicht schwere Arbeiten außer ihrer Wohnung verrichte, folglich als Schwangere und Säugende sich mehr schonen und ihr Kind unter naher Aufsicht behalten könne. 2) Nächst der geringen Sterblichkeit der Kinder zeichne sich noch die Minderzahl der Todesfälle unter den Juden nach Vollendung des 45sten Lebensjahres aus. Auch hier könne der Unterschied, welchen die besonderen Gefahren einiger Gewerbe erzeugen, nicht mehr bemerkbar werden, da die gefährlichen Vcrrichiungcn gemeinhin jüngeren Gehü'.scn obliegen. Wirksam scheine hier dagegen hauptsächlich die größere Mäßigung der Juden im Genüße der geistigen Getränke zu sein. I) Die Zahl der unehelichen Geburten sei bei den Judenverhältnißmäßig und im Durchschnitte des ganzen Staates sehr viel geringer, als bei den Christen, da bei den ÜeMrren im Durchschnitte jährlich 280, bei d.n Erste reu aler «mr t7 ..rede-