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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-03 · Heft 27 (3.7.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 27 (3.7.1842)
Date
1842-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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108 uns. res Herzens sich ausspricht, erhalten haben. Das alles betrifft aber doch nur die Bedeutung, welche der Rabbinismus für seine Zeit harte, die fromme Wirkung, welche die in ihm sich aussprechende Richtung ausübte, er selbst hat langst einer höheren Anschauung Platz gemacht, sein Inhalt wird, wie ihr gesehen, schon von der Gegenwart nickt mehr beachtet, vielweniger daß er eine Zukunft, eine Ewigkeit ansvrcchcn kann. Verstehest du aber, mein werther Leser! unter Judenthum das lautere reine, das Moses lehrte, das die Propheten verkündigten, das JudcntKum, dessen tiefster Gehalt, dessen innerstes Wesen sich ausspricht in der Lehre von einem einigen und heiligen Gott; in der Lehre von der Bestimmung des Menschen zur Tugend und Glückseligkeit, und in der Forderung, dieser Bestimmung gemäß zu wirken und zu leben; verstehest Du das unter Judcntbum: so sage ich Dir — sage es Dir mit der freudigsten Zuversicht: Es hat eine Zukunft; es wird nimmer untergehen. Wohl weiß ich, was man rabbinischer und hyperorthodoxer Seits dagegen einwendet. — „Ein Judenthum," sagen sie, „wie ihr es hinstellt, hat nie existirt; es ist nichts als der pure Rationalismus, die Wcltreligion, wie sie die Weisen aller Völker und Religionen von jeher sich gedacht haben; aber Iudenthum, eigenthümliche und unterscheidende Lehre der israelitischen Religionsgemeinde, ist es nicht; und kann demnach auch, ist jenes genannt, von einer Zukunft, von einer ewigen Bedeutung des Judenthums nicht die Rede sein." Welch' verkehrte Dinge die Menschen doch manchmal reden! Daß die mosaische Lehre nicht auf ihre ersten Bekenner beschrankt bleiben dürfe, sondern einst der Glaube der ganzen Menschheit werden solle, geben die Gegner uns zu, müssen sie uns nach den ausdrücklichen Verheißungen der Propheten zugeben. Ist aber das der Fall, ist die Zukunft, die Ewigkeit des Judenthums eine umfassende, eine allgemeine, eine solche, die sich auf das canze Menschengeschlecht erstreckt, so darf ja dasselbe gar kein eigenthümlich dogmatisches Element haben, so muß es ja ganz rationalistisch, so beschaffen sein, daß es in das Bewußtsein aller Menschen übergehen kann. Wie viel Verkehrtes liegt ohnehin in dem Gedanken, daß das, was nur (.wie eben das rabbinische Judenlhum) zu einer bestimmten Zeit entstanden, dem nur ein äußerst winziger Theil der Menschen sich hat zugewcndet und von dem dieser Theil selbst sich täglich mehr wieder abwendet, eine Zukunft, eine Ewigkeit habe, wahrend das, wofür die werfen und frommen Menschen aller Zeiten, baden erglüht, und dem beim Fortschritt der Erkenntnis und der Tugend die Menschen immer mehr huldigen werden, die Hobe sittlich-große, menschlich-würdige Lehre dev reinen Mosaismus, eine solche Zukunft nicht solle ansprechen können. Auch ist reiner Mofaismus und Vernunftrelrgion, oder Rationalismus nicht ein und dasselbe. Nur den Inhalt des Rationalismus, den Inhalt dessen, was allen Menschen von jeher heilig und theuer war, worin die Weisen aller Völker und Zeiten übereinstimmen, nimmt der reine Mosaismus in sich auf; unterscheidet sich aber vom Rationalismus darin, daß er jenen im Judenthume und nur im Judenthume findet, daß er die geoffenbarte Lehre der israelitischen Religion, als die Religion der Menschheit ansieht, und ihren Bekenncrn die Bestimmung zuertheilt, für Verbreitung derselben und dadurch für Herstellung des Reiches Gottes auf Erden zu wirken. Die Zukunft, die Ewigkeit des achten, wahren Judenthums bewährt sich aber noch darin, daß dasselbe in fortwährender Bewegung, in fortwährender geschichtlicher Entwickelung sich äußert. Denn das, was abgeschlossen ist. was keine Bewegung mehr gestattet, enthält eben kein Leben mehr, ist Fäulniß und Tod. So ist es in der sichtbaren Natur, so im Reiche des Geistes.. Hier wie dort besteht das Leben in der Bewegung, in der Geschichte, in dem fortwährenden Kampfe mit einem Gegensätze, bis derselbe überwunden und in eine höhere Einheit aufgegangen ist. Der Lichtstrahl der auf die Pflanze fällt, der Wasser- und Luststoff, welcher ihr zugeführt wird, trifft erst einen Gegensatz, einen ihm nicht gleichen Stoff in dieser selbst an, bis er sich mit ihm verschmolzen und dadurch ihr Leben selbst erhöht und vermehrt hat. Der neue Gedanke, welcher in dem Geiste erwacht, kampit auch erst mit dem vorhandenen, bis beide sich durchdrungen und in dieser Durchdringung zur Wahrheit, zur höheren Einheit geworden sind. <oo besteht auch das Judenlhum, besteht gerade seine Z:»- kunft und seine Ewigkeit in seiner fortwährenden Bew»- gung, in dem Kampfe mit dem vorhandenen Gegensätze, auf den es jeder Zeit einging, seine Gestaltung annahm, aber nur deßhalb, um ihn allmählig zu überwinden, die Wahrheit vermittelnd in ihm aufgehen zu lassen. Sa treffet ihr die Urreligion, die nichts anderes ist, als das reine Judenthum selbst, bei den Patriarchen mehr als Sacke des Gefühles, als Aufnahme der Wahrheit unser sinnlichen Formen und gemüthlichen Anschauungen: daher auch ihre religiöse Vorstellung selbst nicht frei von Anthropomorphismen bleiben konnte. Durch die mosaische Offenbarung sollte keineswegs die Religio-n erst gegeben werden, vielmehr hatte dieselbe nur zum Zwecke, die Urreligion, das was bis jetzt Eigenthum einzelner tieferer Gemüther war, zu einem nationalen Guie, zum Eigenthume eines ganzen Volkes zu erheben. Der Mosaismus ist keine neue Lehre, sondern eine Thatsache, eine Nation eile Offenbarung. Deßhalb mußte er auch in die Anschauungsweise des damaligen israelitischen Volkes eingehen, und neben dem an sich Wahren noch manche Vorstellungen, Anordnungen und Zeremonien aufnehmen, die die damalige Zeit für wahr und heilig erachtete. Nachdem aber dieser Gegensatz schon mehr überwunden war, trat das Prophetenthum auf; es akkomodirte sich zwar auch noch hie und da den nationellen Ansichten und Hoffnungen, aber schon konnte

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