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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-07-03 · Heft 27 (3.7.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 27 (3.7.1842)
Date
1842-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von »r. M. Heß, Großbcr;oql. W-inrarschem Land-Raddinen;u Stavt-Lengsscld, bei Eisenach. Rr. 27 Sonntag, de» 3. In» I84S ui. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Hat das Ju-enthrrm eine Ankunft? Ja und Nein! lieber Leser! wie ihr es nehmet, versteht ihr unter Judenthum das hyperorthodoxe, das thalmudische, das rabbinische, so sage rch euch: Es hat keine Zukunft; denn cs hat schon keine Gegenwart mehr. Oder, glaubt ihr, fromme Anhänger des Thalmuds und der Rabbinen, gewissenhafte Beobachter der jm«, daß ihr wirklich solche seid? Ich könnte mehrere Bogen anfüllen, wenn ich euch all' die Übertretungen rabbinilcher Ge- und Verbote aufzählen wollte, die ihr euch täglich zu Schulden kommen lasset. Wahr ist's, ihr esset nichts, was die Rabbinen für lrefo erklären, aber sie verbieten euch auch Fische, die nicht in dem .Geschirr des Israeliten gekocht sind, und die essen doch dir Meisten unter euch. Wahr ist's, ein großer Theil unter euch hält sich noch an das UBJflP, ziehet um keinen Preis einen Rock mit Wollen und Leinen genäht an; aber in die moderne europäische Kleidung hüllt ihr -euch alle, das ausdrückliche Verbot von cnD: 'V'zbüübertretet ihr sammt und sonders. Wahr ist's, ihr tragt Bedenken, am 28^ 'a eure Damen ein lustiges Lied trillern zu lassen; aber ihr lasset sie doch sonst im Jahre singen, und das ist ja zufolge des mij? nst'ja ebenfalls verboten. Und so-könnte ich euch Hunderte von Beispielen aufzahlen, wo ihr, — selbst ohne es mehr zu wissen, denn so weit ist es gekommen — Thalmud und Rabbinen außer Acht lasset. Und nun vollends eure Kinder! Sehet ihr sie nicht Hundert Dinge übertreten, die euch noch heilig sind, und entschuldigt, ja rechtferti get ihr sie nicht damit, daß die Zeit es so erheische, daß es nicht zu ändern sei? Ja es ist nicht zu andern; es wäre die ärgste Täuschung, der ihr euch hingäber, könntet ihr noch hoffen, glauben,. daß es anders werde, daß eure Kinder, oder Enkel, bei dem Unterricht, den sie erhalten, bei den Beispielen, selbst von Seiten gelehrter und ausgezeichneter Israeliten, die sie vor sich sehen, und bei der vielfältigen Berührung mit der nicht israelitischen Welt, einst wieder in den Schooß des Rabbinismus zurückkehren werden. Und doch soll das rabbinische Judentbum eine Zukunft haben, es, von welchem unser jetziges Geschlecht sichtbarlich sich immer mehr abwendet; ja über das selbst das ältere sich vielfältig hinweggesetzt hat. Eine religiöse Anschauung, die aber keine Zukunft hat, liebm Brüder, hat auch keine Wahrheit denn die Wahrheit ist ewig, wie Gott. — Wohl mag es fein, daß der Geist, wie er im Rabbinismus hervortritt, einst nothwendig war. daß die überfromme, engherzige Verehrung des göttlichen Wortes, wie sie durch die Barbarei von außen erzeugt wurde, das beste Mittel war, das Judenthum selbst gegen diese Barbarei zu schützen und die fromme Begeisterung dafür in den Herzen seiner Bekenner zu erhalten; ja dieser Ernst, diese Verachtung des äußeren Lebens und dieser tiefere Sinn für die höheren und heiligeren Interessen des Geistes mochte vielleicht selbst für die folgende Zeiten sich segensvoll geäußert, auch noch in den Söhnen des heutigen Israels ein lebhafteres Interesse für das, worin das heiligere Sehnen

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