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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-26 · Heft 26 (26.6.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 26 (26.6.1842)
Date
1842-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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105 flieht der Geldstolz, flieht der Wahn als wolle das besondere Religionsbekenn-tniß den Menschen vom Menschen absondern. Im Angesicht des Unglücks, da gibt cs weder eine herrschende, noch eine gedrückte Kirche: da herrscht die Menschlichkeit, die die erste Religion war und die letzte bleiben wird — und wer gedrückt sich fühlt, ist dein Bruder; jedes HauS wird zur Kirche, jedes Herz zum Altar, jeder Mensch zum Priester! — Wollt ihr denn aber mit eurer Menschlichkeit, mit eurer Menschenliebe immer zögern und warten, ihr Menschenkinder! bis das Unglück euch heimsucht und aufregt? Wollt ihr euch nicht allesammt mit Liebe umfassen, wenn euch die heitern Tage dcS Glückes zulächeln? Müssen die irdischen Flammen euch erst erwärmen, ihr kalten Seelen? Jst'S denn nicht beseligender, aus einer blühenden blumenreichen Höhe dem Gott der Liebe ein Loblied zu jauchzen, als auf einem ausgebrannten Vulkan dem Gott der Gerechtigkeit ein Traucrlied zu jammern?-So ruft die Stimme Gottes aus dem Feuer. Hört sie, Israeliten und Nicht-Israeliten! und werdet besser, das heißt liebevoller!" Wie groß das Selbstgefühl der Israeliten Preußens ist — der sicherste Beweis, daß sic von dem sittlichen Werthc der Freiheit durchdrungen und darum diese auch in vollem Maaße würdig sind — geht daraus hervor, daß selbst die polnischen Juden sich der höheren Bewegung anschließen und gleiche Rechte mit den übrigen Israeliten des Königreiches begehren. So sagtcn die Gemeinden im Regierungsbezirk Lromberg in ihrer deßfallsigcn Eingabe u. A.: „Des verewigten Königs Majestät verlieh den Juden der Provinz Posen das provisorische Gesetz vom 1. Juni 1833, welches, ungeachtet seines darin verwaltenden beschränkenden Prinzips, dennoch die ersprießlichsten Früchte hervorbrachte. Denn dadurch, daß eS uns zu geordneten Korporationen bildete, .stellte es zugleich dieselben unter Aussicht der Königlichen Regierungen, die namentlich auf den Schulbesuch und die GewcrbS-Erlernung der israelitischen Kinder ihre fürsorgende Blicke richteten und wurden daher unfern Glaubensgenossen dieser Provinz, mehr dem bürgerlichen und öffentlichen Leben zugewandt. Die schwersten und verschiedensten Handwerke und Künste werden nunmehr von Israeliten ausgeübt. Deren Moralität und bürgerliches Bewußtsein, so wie ihr Sinn und Streben nach socvller Vereinigung sind allgemein in dieser Provinz anerkannt, welchem sittlich geistigem Fortschritte sie auch in bürgerlich gemeindlicher Beziehung ihre chrenwerthe Stellung verdanken. Dieses Alles beweist, wie sehr wir unseren Glaubensbrüdern der alten Provinzen in den bürgerlichen Eigenschaften glcichstehcn, und wie wir, gleich ihnen, zu ebendenselben Ansprüchen, welche die Fortschritte unseres aufgeklärten und humanen Zeitalters an Staat und Gesetz stellen, uns berechtigt glauben und halten können." Mit seltner Würde und Frcimüthigkcit spricht sich aber die unmittelbar an den König gerichtete Vorstellung der Gemeinde in Minden aus. -Mit banger Besorgniß (erklären sie in Bezieh,mg aus das projectirte Gesetz) blicken wir auf die Möglichkeit hin, daß unser redliches und heiliges Streben, uns die Bildung unserer christlichen Mitbürger anzucigucn, Alles zu entfernen und von unS abzuschükteln, was hundertjähriger Truck uns Unterscheidendes aufgedrängt hat, vergeblich gewesen sein sollte, daß uns das kostbare Gut, in den Reihen der vaterländischen Krieger ferner für König und Vaterland kämpfen zu dürfen, wie wer es freudig in den Jahren der Befreiung von fremder Herrschaft gethan haben, entzogen werden könnte, ja daß wir wieder isolirt und ausgestoßen werden sollten aus dem schönen Verbände, in dem wir seit einer Reihe von Jahren mit unseren christlichen Mitbürgern gelebt haben. Es steigert sich aber die Bekümmerniß von Euer Majestät diesseitigen jüdischen Unterthanen noch höher dadurch, daß sie unter der Fremdherrschaft bereits dcö Genusses aller bürgerlichen Reckte theilhafiig gewesen sind, ihnen die Erhaltung dieser kostbaren Rechte bei der wiedererlangren, von ihnen mit ihrem Blute miterkämpsten Besitznahme, zugcsichert wurde, und huldvolle Worte der Gnade bei Euer Majestät Thronbesteigung ihnen die frohe Aussicht auf die baldige Erfüllung jener Verheißung zu eröffnen schienen." # Einen großen Stern setzen wir aber der Regierung deS kleinen Fürstenlhums Lippe-Schaum bürg. Sie hat ihre gute Meinung von der Sittlichkeit unserer Religion — eine Anerkennung, die wir eben so lebhaft fordern, als die unser menschlichen und bürgerlichen Rechte — dadurch bewährt, daß sie die Förmlichkeiten bei Abnahme der jüdischen Eide vereinfacht und namentlich die Eidesformel von allen entehrenden Zusätzen befreit hat. Eine Abänderung der wahrhaft abschreckenden Formeln in Hannover hat endlich auch die dermalige Ständeversammlunz des Königreichs bei der Regierung beantragt. Den Schluß der Tagesgeschichte möge eine erfreuliche Nachricht auS einer Stadt bringen, die man von dorther wohl schwerlich erwartete. In Lübeck, sage Lübeck, ist eine Commission zur Untersuchung über die Lage der Juden und die Mittel zur Verbesserung derselben errichtet worden. Steinheim über die Zeit vor Mendelssohn. *) „Um aber Mendelssohns Verdienste gehörig anzuschlagen, wollen wir den Zustand uns vergegenwärtigen, in welchem er sein Volk vorgefunden hat. Hingegeben einem öden Buchstabcndienste, einem endlos complicirtcn, auf alle Fälle des Lebens bis ins Kleinlichste eingehenden Formelwesen; unter einer eben so kecken als unwissenden Pricstcrschast, die sich noch über die Autorität des Buchstaben im Texte zu erheben wußte, war die Mime Gemeinte von einem Sklavcnjochc im Innern nicht weniger lief gebeugt, als sie von aajjcii durch die mittelalterliche Barbarei eines bestehenden Gesetzes zu Kammerknechlcn der Kaiser und Großen uuo *) Aus dessen Schrift; Moses MendeMbn 'Kn: Tchn-e.

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