Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-19 · Heft 25 (19.6.1842) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 25 (19.6.1842)
Date
1842-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2566802-2566828--0375-2568003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

too bin, an sich das zu verwerfen, oder ungenügend zu finden, worin sich jene Idee nicht in ihrer ganzen Herrlichkeit abspiegelt; aber von dem Glauben durchdrungen, daß der Ewige der Schöpfer unserer Geschichte sei, daß Er uns erziehe und bilde, und daß daher seine Lehre zu immer deutlicherem und lebendigerem Bewußtsein kommen müße im Laufe der Zeiten, sieht sie doch in dem jeweiligen Stande des religiösen Lebens, und wäre dieser auch an sich nichts weniger als vollkommen, eine Annäherung zu der reinen Idee der mosaischen Lehre, einen immer größeren Fortschritt zu dem hellen Lichte desselben, eine Fortführung und Fortleitung der einen göttlichen Urquelle des Lebens. Verfolgen wir nun, von dieser Grundansicht geleitet, die israelitische Religionsgeschichte von ihrem ersten Anfänge bis zu ihrer Gestaltung in der Gegenwart, so dürfte folgende Betrachtung, die den Fortschritt zu der Verwirklichung der reinen religiösen Idee in jeder Periode nachweist, auf Wahrheit Anspruch machen können. Die israelitische Religionsgeschichte, wenn auch schon durch die Offenbarungen an die Erzväter vorbereitet, begann doch eigentlich erst, als die Verkündigung der höchsten Wahrheiten das ganze Volk umfaßte, als vom Sinai aus an ganz Israel das Wort des Lebens ertönte; das Licht war doch nun da, war da für Alle, die cs zum Führer in den Irrgänger! des irdischen Daseins wählen wollten. Doch leider stellt die Geschichte Israels von seiner Befreiung aus Egypten bis zu seinem Einzug in das Erbe der Väter nur das traurige Bild des menschlichen Ungehorsams und der Auflehnung gegen die Absichten des Schöpfers dar. Nur in Wenigen flammte das Licht von Sinai fort, der allergrößte Theil des Volkes war noch zu sehr im Aeußeren und Materiellen, in dem abgöttischen Leben Egyptens, verstrickt, als daß das höhere Leben des Geistes, als daß die himmlische Wahrheit es hatte durchdringen können. Größere Empfänglichkeit hiefür und darum schon ein Fortschritt zum Bessern zeigte sich während des Besitzes des gelobten Landes bis zu der Entfernung aus demselben; es war doch nicht die. ganze Geschichte des israelitischen Volkes die der Untreue und des Ungehorsams; es folgten doch auf die Zeiten, wo es absiel von seinem Gotte, auch wieder solche, wo es sich wieder zu ihm wendete, wo es den Inhalt seiner Lehre wieder aufnahm in sein Herz, in seinen Geist. Die Zeit des babylonischen Exils, ob sie gleich die Irrlehren des Zoroaster, den Glauben an eine Unzahl guter und böser Geister, in das Judenthum brachte, war doch wieder ein Fortschritt, in dem in Folge des über das Volk gekommenen Unglücks dasselbe nun auf einmal sich dem sinnlichen, heidnischen Leben entwand, und der alleinigen Verehrung des einigen Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde, sich weihete. Die folgende Zeit müßen wir zur klareren Uebersicht eintheilen in die Periode von Esrah bis zur Abfassung der Mischnah, in die von letzterer bis zum Abschlüsse des babylonischen Thalmuds, und von da bis auf die Erscheinung Mendelsohns. So sehr nun auch, absolut genommen, Pharisäismus, Thalmudismus, und Rabbinismus, wegen der öfters falschen Richtung ihrer Exegese und des allzusehr ausgesponnenen rituellen Elementes mit der reinen Idee des Mosaismus keineswegs übereinftimmen, so kann man doch relativ, o. h. in ihrer Bedeutung für die Zeit, in welcher sie erschienen, und die ihrer bedurfte, diesen Systemen eine heilsame Wirkung, eine Fortbildung des religiösen Lebens nicht absprechen. Die Zeit von Esrah bis zur Abfassung der Mischnah, ihrem wesentlichen Charakter nach schon vorbereitet durch die des babylonischen Exils, ist in Rücksicht auf die, welche der letzteren vorausging, nämlich der von der Gründung des israelitischen Reiches bis zu seiner Zerstörung, deßhalb eine fortgeschrittene zu nennen, weil sie die wesentliche Bedingung alles religiösen Lebens: die Verehrung des göttlichen Gesetzes und die strenge Unterordnung alles Andern unter seinen Inhalt in so hohem Grade erfüllte, mochte sie auch in der Auslegung dieses Gesetzes bereits die engherzige pharisäische Richtung einschlagen. Hatte diese außerordentliche, man möchte sagen, kindliche Verehrung des göttlichen Wortes, wählend dieser Periode das Judenthum vor dem Einflüsse der philosophischen Schulen des Heidenthums bewahrt, hatte sie die Lebretr des Ersteren mit Innigkeit an ihre Religion gefesselt, so war das noch engherzigere Klammern an das göttliche Wort und an Alles, was man als den Inhalt, oder den Schutz desselben (uD'Tul DWD) ansah, in der zweiten und dritten Periode das kräftigste Mittel, das Judenthum vor der es überall umgebenden Barbarei sicher zu stellen, und seine Bekenner, trotz aller blutigen Verfolgungen von außen, ihrer Religion und ihrem Glauben zu erhalten. ' (Schluß folgt.) Grlcssicl)tr des Tages. Das projcctirte neue Gesetz über die Verhältnisse der Israeliten in Preußen ist von solch' hoher Wichtigkeit, daß wir im Interesse unserer Leser zu handeln glauben, wenn wir die Rubrik der „TageSgeschichte" heute mit den Aeußerungcn zweier sehr geachteten öffentlichen Blätter über die Antwort des Ministers v. Rochow auf die Vorstellungen der Israeliten gegen das fragliche Gesetz, die wir wörtlich hierunter mittheilen, aussüllcn. Diese Sprache der geachtetstcn Journale, deren Aeußerungcn noch kürzlich das Ministerium als den Ausdruck der öffentlichen Meinung ansah, verschaffen uns doch wenigstens die Beruhigung, daß die gebildete öffentliche Meinung längst unserer Sache zugcwendet ist. „Der Erlaß des Ministers v. Rochow an die Berliner Judcnältesten hat die Zweifel über die künftige Stellung der Juden vermehrt. Ihre Absonderung in Corporationen, gegen welche sie in Eingaben, Flugschriften und Zeitungsartikeln so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.