Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1842)
- Date
- 1842-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2566802-2566828--0374-2568002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Zsraelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Vroß!)cr;ogl. Wcimarschem t!a»d-Rabbinen;n <?ladt-0cnqSrelV, bei Eisenach. Rr. 25 Sonntag, den I«. ^tiru 1842 in. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, murhvoll und wahr. Hat diese Zeitschrift eine destruktive Tendenz? Nachdem in neuester Zeit so mancherlei Stimmen über die Richtung unserer Blatter sich haben vernehmen lassen, glauben wir unfern Lesern einen Dienst zu leisten, wenn wir abermals auf dieses Thema eingehen, und zu diesem Zwecke folgende Bemerkungen ihrer freundlichen Erwägung empfehlen^ Bor Allem müsien wir uns dagegen wahren, daß dieses Organ lediglich eine verneinende, destruktive Tendenz habe. Ja wenn man destruktiv nennt, daß wir alle Erscheinungen im vergangenen und gegenwärtigen Judcnthum an die reine, aus der geistes^reikn Auffassung der Offenbarungsurkunden geschöpfte Idee desselben halten, daß wir Alles, was dieser Idee widerspricht, was den hohen Zweck unserer Religion, den Israeliten mittelst der ihm gegebenen Lehren und Vorschriften zu einem Menschen'im vollendetsten Sinne zu bilden, beeinträchtigt, was sich nicht verträgt mit der uns von Gott übertragenen Aufgabe, alle unsere Kräfte gleichmäßig und in dem frommen Geiste der göttlichen Lehre auszubilden, thatigen Tbeil zu nehmen an Allem, was die Menschheit hebt und beglückt, und durch die Fortschritte des Geistes, durch die Fortschritte in Wissenschaft, Kunst und Gesittung, in der Erkenntniß unsere Lehre selbst zu wachsen, ihren Inhalt immer besser zu verstehen, ihre Gebote immer klarer zu fassen, ihre Forderungen immer tiefer zu verehren, daß wir, sage ich, Alles was mir diesem göttlichen Zwecke nicht übereinstimmt, was die Feuerprobe der Wahrheit nicht besteht, angreifen, es in feiner Falschheit und Nichtigkeit darlegen; wenn man das destruktiv nennt, so sind wir es, und nehmen gern alle Verantwortung, die uns hieraus treffen könnte auf uns. Aber diese unsere destruktive Richtung zeigt sich auch nur da, wo es sich um die Wahrheit an sich, um den absoluten Inhalt der göttlichen Lehre handelt, wo es hingegen die Geschichte, die relative Geltung religiösen Glaubens und Lebens betrifft, da sind wir nichts weniger als destruktiv, da ist unsere Richtung entschieden eine vermittelnde, versöhnende. Folgende Bemerkungen werden diesen Satz klar machen. Wie betrachtet, fragen wir, der wahrhaft erleuchtete, der religiöse Geschichtsforscher die Geschichte und den Entwickelungsgang der Menschheit? Wie beruhigt er sich darüber, daß zu keiner Zeit die Menschen die Idee der Menschheit, die doch Gott uns allen in das Herz geschrieben, vollkommen dargestellt? Er findet Trost und Beruhigung darin, daß er, erfüllt von dem Glauben an eine göttliche Erziehung des Menschengeschlechtes, die ganze Geschichte als eine heilige ansieht, als eine solche, in welcher jede Zeit ihre göttliche Bedeutung hat, jede an der Verwirklichung der Idee der Menschheit arbeitet, jede beiträgt zur Vollendung des Menschengeschlechts, zu der göttlichen Erziehung und Bildung desselben. In demselben Falle befindet sich unsere Zeitschrift. Die Idee des Judenthums in ihrer höchsten Strenge festhaltend, kann sie nicht um-