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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-12 · Heft 24 (12.6.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 24 (12.6.1842)
Date
1842-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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96 auferstehung in dem gegenwärtigen oder künftigen Lauf dieser beiden Perioden her. Alle Juden ohne Ausnahme, und mit einigen Einschränkungen, die man wegen der unzähligen Üeberfteibungen, in welche sie verfielen, immerfort zu machen hat, betrachteten die prophetischen Gemälde als den Ausdruck der Schicksale der wirklichen Menschheit, unserer historischen und natürlichen Welt; sie glaubten, daß der Uebergang aus einer in die andere Periode, aus trüben Tagen in glückliche Zeiten im Allgemeinen, in einem, mir den gewöhnlichen Völkerbewegungen übereinstimmenden Geiste ausgeführt werden müsse. Daraus entstanden also die unabänderlichen Verpflichtungen, welche die jüdischen Zeitgenossen ihrem künftigen Messias auferlegten. Erstlich würde er die Nation von der Tyrannei der Fremden zu befreien und alle ihre moralischen und physischen Leiden durch angemessene Güter zu ersetzen, dann alle die inlellectuellcn und materiellen Gunstbezeugungen seines Reiches über alle andre Nationen auszudehnen haben, wann, nach der Aeußerung der pharisäischen und essäischen Schule, die Auferstehung alter unserer Vorfahren, dieses Factum erfolgt, welches, wie man sieht, in der Hypothese jener Schulen nur eine Folge, ein Zufall, ein Bruchtheil der künftigen Periode des Heils, nur ein Gut mehr ist, gegen das die sadducäische Schule sogleich protestirte, indem sie es als Aberglauben und fremdartige Zusatze verschrie. Allein Jesus und seine Schule, weit entfernt davon, dem Aufcrstehungsereignisse, wie die jüdischen Anhänger des orientalischen Glaubens nur ein Nebeninteresse einzuraumen, erhob es sogar zum ersten Range, er schob es in die prophetischen Angaben als einen Berührungspunkt der beiden Perioden, die ich eben angedeutet habe, als eine Brücke von der einen zu der andern, ein. Mithin machte die unglückliche Periode, das Reich, welches dem Geiste der Finsterniß und des Nebels, allen Leidenschaften, allem Ungemach, allem, was die menschliche Geduld übt und oft ermüdet, zugetheilt worden war, in seinen Augen nicht einen mehr oder weniger verlängerten Zustand, eine mehr oder weniger untergeordnete Bestimmung der historischen Menschheit, der jetzigen Welt, sondern das ganze Leben dieser Welt aus. Folglich mußten auch die auf die Periode des Ruhmes und Wohlergehens bezüglichen Bilder der Propheten auf eine ganz andre Welt als die, in welcher wir leben, auf die Welt der Todtenauferstehung selbst, in welcher das Licht, d.r Geist Gottes, die ewige Fortdauer der belohnten Seelen, alle ihre Vortheile zu Gunsten der Erwählten sich vereinigen würden, übertragen werden." Somit ist der Gedanke, daß Jesus die Verheißungen der Propheten, die sich über das einstige Glück und die Wohlfahrt Israels und der ganzen Erde verbreiten, ausschließlich für die Auferstehung der Tobten in Anspruch nimmt, — daß derartige Ideen mit dem damals im Oriente herrschenden Geiste und dem trostlosen Zustande in der römischen Welt in sehr naher Beziehung standen, — 'daß Jesus für die von ibm geweihten Lehren inmitten Israels schon eine tüchtige Schule vorfand, und endlich die nicht neue, hier aber besser begründete Ansicht, daß Jesus keinen andern Willen batte, als, zunächst als Jude für Juden zu wirken und zu sterben, die Are um welche sich das in allen seinen Theilen interessante Buch drehet. Dank darum dem sehr gebildeten Ueberseyer, daß er es auf deutschen Boden verpflanzt hat. Es wird zweifelsohne dem jüdischen Leser von hoher Wichtigkeit sein. Aber auch der christliche wird es nicht ohne Nutzen und Anerkennung aus der Hand legen. Sein Verfasser zeigt sich durch und durch ehrlich, offen und b'.eder wie ein Deutscher, während sein feiner Takt, seine Geschmeidigkeit und seine Delikatesse, die nirgends scharfe Kanten und Ecken hervortreten läßt, überall den Franzosen nicht verkennen lassen. G»clchic!)tc des Tagrs. Was viele Jahre der Freude und des Glückes nicht vermögen, das bewirkt oft eine kurze Zeit der Erschütterung und des Unglücks, und so manche Unebenheiten und falsche Stellungen im gemeinhcitlichcn und staatlichen Verbände sind durch die kurzen Stürme des Unglücks, das die Menschen inniger aneinander fesselt, und sie die Würde des Menschen, das Recht des Mitbrudcrs besser fühlen läßt, mit einem Male verschwunden. So äußern sich jetzt öffentliche Stimmen aus Hamburg, es wc'.de Manches, was man bisher vergeblich gewünscht, und um dcssenrwillen man Uneinigkeit, Streit und unaufhörliches Hin- und Herreden nicht gescheut hätte, jetzt vermittelt und erledigt, mancher Knoten durch die Flamme gesprengt werden. Auch die Inden, welche bisher in der Altstadt nur geduldet wurden, und daselbst keinen Häuscrbesitz acquirircn dursten, würden wohl jetzt mit ihren christlichen Mitbrüdcru, denen sie in den Tagen der Noch redlich bcigcstanden haben, gleiche Rechte erhalten. Zur großen Genugthunung muß es den Bekennen: des mosaischen Glaubens gereichen, daß die gediegensten öffentlichen Blätter sich aus das Entschiedenste gegen das neue Gesetz, welchcs Preußen jetzt geben und durch welches den Israeliten wieder eine abgesonderte Stellung im Staate ciugcränmt werden soll, erklärt. So sagt die Königsbergcr Zeitung: „Wenn wir nicht irren, sehen wir hier denselben Geist, der uns die Phantome einer AdelS-Reunion, der Erneuerung von Zünften, und Innungen und mancher andern Dinge aus einer längst begrabenen Zeit vorführte. Auch das Judenthum soll in seiner früher» häßlichen Gestalt wicderhcrgcstcllt, eö soll auf die Satzungen des Talmud und in die düstcrn, engen, schmutzigen Judengaßchen verwiesen werden. DaS Band, das den Christen und den Juden jetzt schon zusammenhält, soll zerrissen, die aufkeimende Bruderliebe in den Haß der Feindschaft verwandelt werden. Ist das christlich gehandelt? Ist das Liebe, wenn wir den von uns stoßen, der in Gemeinschaft mit uns treten möchte? Ist das die ernste, vorurthcitsreie Gesinnung, die

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