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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-05 · Heft 23 (5.6.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 23 (5.6.1842)
Date
1842-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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93 Philo, Talmud und Maimonides, laßr's der Verfasser nicht fehlen. Die Deutung der prophetischen Mcssiasverheißunqen aber ist der eigentliche Wendepunkt des Juden- und Christentbums. Hier verläßt Jesus die jüdische Heerstraße, nicht um sich eine neue Bahn zu brechen, sondern um einen der vielen Pfade, die, aus dem Dunkel der Zeiten hervorbrechend, oder von der Heerstraße ausbeugend, neben dieser herlaufen, zu erweitern und zur eigentlichen Straße zu erheben. (Schluß folgt.) Srlcljictjte -es Tages. (Aus Berlin.) „So eben vernimmt man, daß mehrere jüdische und christliche Gelehrte zusammengetrcten sind, um eine Encyklopädie der jüdischen Leistungen im Gebiete des Wissens und der Kunst hcrauszugebcn, und zwar in zwanglosen Hesten. Eine Verlagshandlung dafür hat sich gesunden, aber noch kein Redakteur. L>r Zunz, dem die Redaction angeboten wurde, hat sie auSgeschlagcn. Dieser bedeutende Gelehrte wird bald seine, den letzten Winter gehaltene Vorträge über jüdische Literatur durch den Druck verösscntlichen. Außer Dr Zunz befindet sich kein jüdischer Gelehrte (im engeren Sinne) hier, der aus Emincnz Anspruch machen könnte. Dagegen finde ich immer mehr, daß die sonstigen hiesigen Juden, obgleich selten orthodox, doch gute Juden sind; ja selbst getaufte Juden sind öfters noch für die Religion, zu welcher sie sich früher öffentlich bekannten, begeistert. Auch unter den hiesigen jüdischen Studirenden der philosophischen und theologischen Wissenschaften zeigt sich ein reges Streben. Viele unter ihnen halten in Verbindung mit den Studirenden der Medicin wöchentliche Zusammenkünfte, um ihre Einsicht in das Wesen des theoretischen und praktischen Judenthums zu fördern. Die Ausnahme des jüdischen Naturforschers Rieß in die Akademie der Wissenschafteu macht um so mehr freudiges Aufsehen, als mit derselben die Liren; an hiesiger Universität noihwendig verbunden ist, und demnach diese Aufnahme als das Vorzeichen der den Juden einzuräumenden Lehrfreiheit betrachtet werden kann." Aus dem nun erschienenen Jahresbericht des Culturvereins heben wir folgende Stellen hervor: „Wir haben es weder mit localen, noch mit rein wissenschaftlichrn Interessen zu ihun; wir geben keine Almosen, bauen keine Wissenschaften an, besorgen auch kein persönliches Interesse der Vereins - Mitglieder. Wir haben vielmehr ein allgemeines Gut im Auge, ein Gut, durch welches alle übrigen erst genießbar werden: die Pflege und Anerkennung von Wissenschaft und Kunst, da wo sie der Hülse bedürfen, und die hierdurch zu erzielende geistige Kräftigung unserer Glaubensgenossen. Die fünfzig Paragraphen unserer Staturen sind nur die Mittel zu diesem Zwecke, der Geldbeitrag das Mittel zur Ausführung der Statuten, aber die Mittel sollen regeln, nicht fesseln. Der Geist muß ln uns Allen erhaben bleiben und frei." „Nehmen Sie daher in Ihre achtbaren Kreise immerhin das Vorzügliche auf, selbst wenn rS ein armer jüdischer Gelehrter sein sollte; gehen Sie mit dem Beispiele wacker voran, und warten Sie nicht, bis Rang und Vermögen von Außen her auf den Einsamen herabregnct. Denn in solchem Anerkenntnis liegt ein Theil unserer Obliegenheit als Mitglieder dieses Vereins; wir kämpfen ja gegen die Ausschließung. Je mehr aber jemand in sich spürt von edlem Willen, desto feuriger wird er streben, Kraft an Kraft zu rücken, Flamme an Flamme, daß eine Sonne entbrenne, die die Herzen erwärmt, die Geister erleuchtet, eine Sonne, vor deren Strahlen Neid und Dünkel, Vorurkheil und Groll in Rauch ausgehcn. Entweichen uns die Bundesgenossen nicht, bleibt die Theilnahme der Mitglieder tief, anhaltend, so erreichen wir mit Gott unser Ziel, weil wir nicht der Selbstsucht, deren Werke mit ihr vergehen, sondern der Liebe zu Juden und Judentbum d. i. einem ewig Schönen, unsere Kräfte weihen. Denn was dem Einzelnen, das der Hülse bedürftig ist, zu rechter Zeit geopfert wird, ist eine LiebcSlbat, der gesammten Menschheit erwiesen, und nur in einzelnen Tharen kann die Liebe ausströmen, die den sterblichen Menschen beseelt." Die Verfolgung der neuen Londoner Wcstsynagoge von Seiten deö Rabbinats muß um so ticserere Entrüstung bei allen Wohlgesinnten Hervorbringen, als das erschienene Gebetbuch sich im Wesentlichen ganz an die herkömmlichen Gebete anschließt und die Gemeinde nur diejenigen Gebräuche aus dem Gottesdienste entfernt hat, welche (wie z. B. Mitzworverkaufen, die MischeberachS) die Andacht in jo hohem Grade stören. Tie Gemeindeglieder erklärten schon früher öffentlich, daß sie durchaus kein Schisma, keine Separation beabsichtigten, sondern lediglich vom wohlverstandenen Eifer für die angestammte Religion, in welcher sie ihre Kinder erhalten und vor dem Abfälle sichern wollten, geleitet würden. Schon hat auch dieser Eifer eine heilsame Rückwirkung auf die alte Synagoge ausgeübt. Man sieht sich genöthigt, auch dort einige Verbesserungen einzuführen, und namentlich die Verkündigung des götkllchen Wortes in der Landessprache zu gestatten. Rühmlichst zeichnen sich die Juden in Odessa vor Anderen des großen Kaiserreiches aus. Sie werfen die alte morgenländische Hülle, welche sie bisher noch umgab ab, und schließen sich rüstig mit der übrigen Bevölkerung der europäischen Cultur an. Alle öffentlichen Schulanstalten sind eben so von der israelitischen als christlichen Jugend besucht, und die jungen jüdischen Damen sprechen das Italienische mit nicht minderer Geläufigkeit und Reinheit der Accentuation als das Deutsche und Französische. Jeder, welcher jetzt den Gottesdienst besucht, bewundert die Stille, Ordnung und Ruhe, welche bei demselben herrschen, und während früher der Gesang noch einem regellosen Geschrei glich, herrscht jetzt eine wohlihuende Harmonie der Summen, da Alles nach Regel und Ordnung von einem vorsingenden Kantor geleitet wird. Noch freudiger muß es aber überraschen, daß selbst jenes Land, in welchem bis jetzt so tiefe Finsterniß herrschie, den ein-

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