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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-05 · Heft 23 (5.6.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 23 (5.6.1842)
Date
1842-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S4 bringenden Strahlen der europäischen Cultur sich so bereitwillig , öffnet. Die von Cremieux errichtete Schule in Alexandria erfreut sich des besten Erfolgs. Sie zahlt sowohl arabische, als jüdische Zöglinge, und würde ihrer noch in größerer Anzahl haben, wenn das Local es gestattete. Auch befinden sich in der Anstalt 50 Knaben römisch- und griechisch-katholischen Glaubens. Betrübend ist es aber, daß, während die jüdischen und arabischen Familienväter keinen Anstand nehmen, ihre Kinder mit jenen anderer Glaubensgenoßen eine Schule besuchen zu laßen, ja kürzlich noch der orthodoxe Rabbiner in Alexandria sämmtlichen Zöglingen Liebe und Eintracht anempfahl, ein fremder katholischer Bischös auf seiner Durchreise nach Jerusalem von der Kanzel herab den christlichen Eltern die Benutzung der erwähnten Anstalt abrieth. Erfreulich ist's, daß da, wo noch ein acht finsterer Geist auf dem Rabbinatssitze thronet, die Gemeinde öfters kein rechtes Zutrauen hat und sich bei Reformfragen an tüchtige auswärtige Rabbinen wendet: So hatte der Rabbiner in St. Nieolau (Ungarn) gemeint, die Verlegung des Almemmers bei der heiligen Lade sei eben so verpönt, als der Genuß des Schweinefleisches. Andere Rabbiner: aber, welche die Gemeinde um ihr Gutachten anging, waren anderer Meinung und billigten sehr die Absicht der Gemeinde. Am letzten Dersöhnungstage fand der erste öffentliche Gottesdienst auf dem Cap der guten Hoffnung statt. Aeußerungen eines christlichen Gelehrten*) über die Emancipation der Juden. »/Das Judenrhuin unterscheidet sich von dem Christenthum nicht wie eine Scete von der andern; sondern es ist ein Gegensatz zwischen ihnen. Allerdings hat sich aus dem vorigen Jahrhundere her eine Ansicht erhalten, die in allen Religionen einen gemeinsamen Kern zu finden glaubte, einen reinen Theismus, und der Meinung war, Christenthum, Judenthum, Islam, und was für Formen des Glaubens sich sonst noch finden mögen, fielen, wenn sie aller menschlichen Zusätze, aller Aeußerlichkeiten entkleidet waren,' in eins zusammen. Hier erwächst schon die Frage, was als Äußerlichteil, als menschlicherZusatz zu betrachten sei, und je tiefer man in das Wesen des Christenthums eindringt, desto klarer und inniger erkennt man, daß seine innerste Eigenthümlichkeit es auf ewig von allen andern Lösungen des Verhältnisses zwischen Erde und Himmel scheidet und daß noch Manches, was man von älteren Anschauungen bewahrt hat, mit seinem innersten Wesen in Coutrast steh:. (Uebrigens haben auch ausgezeichnete neuere Verlierer deS JudenihumS energisch dagegen protestirt, daß dieses nur eine Hülle des Theismus sein solle.) Während des Mittel¬ *) des ProKnor Bülau in Leivria. alters stand das kirchliche Interesse vielfach im Dorgrund, wenn auch nur als ein Aeußerliches und manichfach verunreinigt und entstellt. Wie es aber auch war, es war ganz eonsequent, daß man die Juden von der Theilnahme an dem Staatsleben der damaligen Zeit abwehrte, wo diese Theilnahme, nicht bloß willkürlich, sondern auch nach der ganzen Natur der Dinge, wesentlich durch das Bekenntniß, wenn auch nicht durch den Sinn der christlichen Religion bedingt war. Die folgende Zeit bewahrte wenigstens noch in Formen jenen Zusammenhang mit dem Kirchlichen und hatte den Willen, ihn festzuhalten, so daß auch hier die Ausschließung der Juden von dem öffentlichen Leben der Christen gerechtfertigt war. Durchdränge das Christenthum in der reinsten Entfaltung und dem wärmsten Ergüsse seines innersten Wesens unser ganzes Staats- und Volksleben, wären alle unsre Gesetze, unsere Einrichtungen, unsere Maaßregeln aus diesem Borne geschöpft, in diesem Feuer getauft, eine Ausschließung der Juden von dem Wirken im Oeffentlichen würde dann notwendig sein, nicht in Folge von Haß, Verachtung oder Mißtrauen, sondern weil sie unfähig wären zum Wirken darin, weil sie nicht Christen wären, wo gerade Christen gebraucht würden. Auch dann noch würde kein Grund sein, die Juden in dem bürgerlichen Verkehr zu beschränken und gerade dann würde so etwas den Christen gar nicht einfallen. Aber wer glaubt noch, daß unser Staatsleben so wäre? Es ist nicht wider christlich, es würde in vielen Dingen anders sein, wenn es nicht von Christen gebildet wäre, aber es ist auf seinen meisten Seiten, außerchristlich, es hat mit dem Christenthum, mit der Religion über- Haupt nur wenig zu schaffen. Es hat für seine Bedürfnisse aus ganz andern Gesichtspunkten gesorgt, aus dem juristischen, dem politischen; der christliche hat nur auf Einzelnes primären Einfluß gehabt. Das weltliche und das geistliche Element sind geschieden; sie sollen sich nicht hemmen, sie sollen sich gegenseitig unterstützen, aber im eignen Bereiche treibt jedes sein Wesen für sich und handelt nach eigner Richtschnur. Kein Radiealresormer hat noch jemals eine solche Umgestaltung des Staats erdacht, wie er dann erleiden müßte, wenn alle seine Gesetze, Einrichtungen und Maßregeln durch und durch das Wesen des Christenthums athmen, von ihm beherrscht und beseelt sein, als charakteristische Ausflüsse seiner Eigenthümlichkeit dastehen sollten, wenn man bei jeder Einrichtung sagen müßte, so, ganz so wie sie ist, könne sie nur unter Christen sein. Wie unser Staatsleben jetzt ist, kann der tüchtige Mann aus allerlei Volk in ihm mit gleichem Nutzen wirken, versteht der Jude den Sinn und den Zweck dieser Institute so gut wie der Christ, weiß er ebenso ihren Werth und Nutzen zu schätzen." (Schluß folgt.). Angekommen: Arnheim, der Pentateuch. Berichtigung. In dem Aufsatze „das Gutachten des Oberrabbinen Dr. Frankel re." muß es S. 76, Sv. 2, Z. 17 v. o. heißen „Waffe" statt „Masse". Druck und Verlag von F. S Lu st er in Hersselk.

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