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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-15 · Heft 20 (15.5.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 20 (15.5.1842)
Date
1842-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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80 bei dem nun erschienenen zweiten um so weniger versagen, als in demselben jenes Thema nicht nur in Beziehung auf andere Persönlichkeiten fortgeführt ist, sondern auch über die Frage der rechtlichen Gleichstellung, insondrrs über die uns obliegende Pflicht, trotz dem, daß man uns jene vorenthält, unsere sittliche Würde stets rein zu erhalten, ungemein viel Tröstendes und Zartes gesagt ist. Dagegen tritt in der zweiten Hälfte der Schrift eine Erscheinung in den Vordergrund, die ebensowohl das Interesse des Psychologen, als ganz besonders derjenigen erregen muß, die für die heilige Sache der Rechtsachtung aller Glaubcnsbekenncr kämpfen. Es ist — Gutzkow, der Biograph Börnes, der geistreiche und freimüthige Verfechter des Fortschrittes und des heiligen einigen Rechtes, im Gegensatz des Stillstandes und des historischen Vorurtheils. Dennoch sehen wir, wie der, welcher selbst die Intoleranz gegen die Israeliten mehreremal auf die schärfste Weise geißelte, doch sie beurtheilt haben will, sobald der Angriff von Juden ausgeht, wie er die Steinbeimischen Klagen gegen dle Engherzigkeit der Holsteinischen Stände nicht mit der ihm sonst eigenen Energie und Freiheit des Geistes beurtheilt, sondern (hier vielleicht auch aus journalistischer Coketlerie gegen die Hochgestellten eines Nachbarlandes) das mit geschichtlichen psychologischen und nationalen Gründen entschuldigt, was an.sich, was menschlich und sittlich, nicht zu entschuldigen ist; ja wie es in ihm selbst eine gewisse nationale Sympathie dergestalt das Uebergewicht über das sonst so starke humane Element erhälr, daß es scheint, als fühle er als Glied der deutschen Nation bei seinem persönlichen freien Standpunkt sich dennoch verletzt, wenn jene wegen ihrer theilweisen Befangenheit gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens von Letzteren angeklagt wird, ja so eitel und ehrgeizig ist, zu verlangen, daß die so hart Verletzten, die so tief in ihren heiligsten Rechten Gekränkten, einer zartere» und milderen Sprache sich bedienen sollten. Ein neuer Beweis der Schwäche des Menschen und seiner Abhängigkeit von unreiuen und selbstsüchtigen Empfindungen! — Doch lassen wir nunmehr Rießer selbst sprechen : „Wir (bemerkt der Verfasser) nehmen politische Gleichheit in Anspruch, aber die geistige haben wir uns errungen. Wir haben das Verwerfliche, das Niedrige des uns entgegenstehenden Uebermuthes, des uns feindlichen Standes- oder Glaubens-Vorurtheils erkannt; darum zürnen wir wider dieselben; darum ringen wir mit ihnen. Scheltet nur unfern Zorn und unseren Kampf; sie sind cs doch, die uns innerlich stark und gesund erhalten; in ihnen ist das heilende Gegengift wider die vergiftenden Einflüsse des Hasses und des Hochmuths, wider den sittlichen Tod der Demüthigung und des steten Gefühles der Kränkung. Das ist die wahre hohe, geistige Bedeutung des demokratischen Prinzips unserer Lage, daß jeder unterdrückte Stand, jede der Geburt oder des Glaubens wegen zurückgesetzte Classe in dem Kerne ihres Bewußtseins, in dem Gefühle ihrer Menschenwürde, die Kraft des sittlichen Widerstandes finde und den Sieg der geistigen Befreiung vor der bürgerlichen feiere. Insofern haben wir, auf denen nicht das Gewicht eines einzelnen privilegirten Standes, sondern das der großen bevorzugten Mehrheit der bürgerlichen Gesellschaft drückend lastete, wir, die wir von der Demokratie, wo sie als Parthei auftritt, oft genug verschmäht und mißhandelt werden, doch die äußerste, letzte und schwerste Anwendung des dcmokratischrn Princips in dessen edelster Bedeutung an uns durchzufuhren." „Denn von dieser einen Seite freilich ist mein Gleichniß mangelhaft, das muß ich einraumen. Dem Bürgerstände mußte es unendlich viel leichter werden sich von dem moralischen Übergewichte des Adels geistig zu befreien, jede Spur peinlicher Unterordnung in seinem Gemüthe zu verwischen und zu aller der Unbefangenheit zu gelangen, die das sichere Gefühl freier und gleicher Menschenwürde allein zu geben vermag, als uns das alles der christlichen Mehrheit gegenüber werden kann. Dort brauchte nur der erste Gedanke der Freiheit zu erwachen und das Werk der geistigen Befreiung war bald vollbracht. Es brauchte dem Bürgerstande nur das Eine zu voller Klarheit gebracht zu werdrn, was er denn eigentlich sei, wie er alle wesentlichen Bestandtheile der bürgerlichen Gesellschaft in sich schließe, und er konnte leicht mit einem einzigen frischen Atbemzuge den drückenden Alp eines alten Wahnes von seinem frcigewordenen Bewußtsein abwalzen.. So wie es nur Tag geworden um ihn, sah er alle wirkliche Kraft und allen wahrhaften Rcichthum des Staatslebens auf seiner Seite und nur ein erblassender, ohnmächtiger Schatten stand ihm gegenüber. Jenes weckende Zauberwort der Wahrheit: „Was ist der dritte Stand?" das die politische Revolution begonnen, hat jene geistige vollendet. Ganz anders ist cs mit uns. Wir sind ein schwaches Häuflein und eine ungeheuere Macht steht uns entgegen. Dennoch ist die Aufgabe dieselbe, dennoch ihre Lösung unerläßlich; nur ist sie weit, weit schwerer; nur erfordert sie größere Anstrengung und Kraft des Characters; darum sollte man um so nachsichtiger sein, wenn die, die daran mit ihrer besten Kraft arbeiten, einmal ein wenig ungestüm dabei werden. Trotz allem Uebelwollen, trotz aller dünkelhaften Geringschätzung das reine Bild freier Menschlichkeit in uns zu entwickeln und zu bewahren, in welchem keinerlei Spur anzutreffen von der traurigen Einwirkung jener schlimmen Dämonen — denn jede solche Einwirkung, wie sie auch gestaltet sei, ist vom Uebel —, das ist die Aufgabe, die sich ein jeder von uns zu setzen hat.", (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Auf eine höchst feierliche Weife und unter dem Zuströmen einer großen Menschenmenge fand die Einweihung der Londoner

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