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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-15 · Heft 20 (15.5.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 20 (15.5.1842)
Date
1842-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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81 Wcstsvnagoge statt. Mit ehrenweriher Freimürhigkeit sprach sich der Prediger über die Bestimmung dieser gottesdienstlichen Anstalt aus. Er sagte unter Anderm: „Nicht um unfern Glauben zu schwächen, nicht um sie zu verletzen, sondern um sie zu befestigen jene großen Prinzipien des Gesetzes, das unsere Vorfahren unter Zittern aus dem Donner deö Sinai vernahmen — ist diese Svnagoge begründet. Unser untrüglicher Führer war und wird sein das heilige Buch der Schrift; ausschließlich nach diesem haben wir gestrebt unsere Grundsätze zu ordnen. Zn Allem was öffentlichen Gottesdienst betrifft, verlangen wir nichts zu verwerfen, daS den Stempel des Alterthums trägt, wenn dieser Stempel acht und gemäß dem offenbaren Willen Gottes ist, und eben so wenig Anderes aufzugeben, bloß deßhalb weil es neu ist, wenn nur die Neuheit der Maßregel mit dem Geiste der uns von dem Allmächtigen durch Moses gegebenen Religion übereinstimmt: einer Religion, deren Einrichtung allen unseren Schicksalen, in allen Wcchselfällen angemessen ist, ob politisch glorreich auf dem Throne Davids, oder politisch erdrückt in der Knechtschaft der Zerstreuung. Glücklicherweise erheben wir uns gegenwärtig aus dem Dunkel, in welches Verfolgungen von beispielloser Gewaltthätigkcit und Dauer uns versetzt hatten; unser häusliches, soziales und politisches Leben gewinnt einen Glanz, welcher beständig zunehmen wird. Soll denn, meine Brüder, das Leben in der Synagoge allein durch die Schlagschatten einer trüben, trüben Zeit versinstert bleiben? Soll dieser gelicbteste Theil unseres Gebäudes fortwährend mit dem Gewände der tiefsten Trauer und Verzweiflung verhängt bleiben, während jeder andere Theil unserem Auge mit den muntersten Farben geschmückt erscheint? Allzu lange hat das Uebel gewährt; allzu lange haben wir den beunruhigenden Fortschritt des fruchtvergistenden Indiffercntismus, der die tiefsten «Grundlagen unseres Glaubens untergräbt, zu beklagen gehabt. Wir konnten nicht länger unthätig bleiben, wir entschlossen unö, jede Rücksicht auf Mühe, Zeitverlust, Schwierigkeiten und selbst Schmach gegen die unumgängliche Nothwcndigkeit zu vergessen, diesen Bettempel, dessen Einweihung Gottes Gnade uns heute erleben läßt, zu errichten. Möge es unser ernstlichstes Streben sein, diese Svnagoge, unser gemeinschaftliches Haus, hoch über jede andere Anstalt, der wir unsere Bemühung widmen, zu erheben, dem Himmelslichte eine Bahn zu brechen und die Flamme brünstiger Andacht in jedem Busen, der in seinen geweihten Vorhöfen schlägt, zu erwecken." Was aber in England wegen des Starrsinns der Rabbinen jählings und plötzlich auf dem Wege der Opposition bewirkt werden mußte, das geht in Deutschland bei der besseren Bildung der Religions-Vorsteher still und allmählig, aber darum nicht mit geringerm Erfolg vor sich: So rühmt man neuerdings von dem israelitischen Obcrrathe in Baden, daß er, damit der Choralgesang in allen Synagogen eingeführt werden könne, nunmehr dense.be» zum UnterrichtSgegenstande in sämmtlichcn Schulen des Landes erhoben habe. Desgleichen erzählt man von dem sonst strcng--vrthodoxcn LandrabbinenBodcnheim in Hildes he im, daß er sich deö Schulwesens kräftig annehme, beim Gottesdienste mehrere Verbesserungen eingeführt, und sich auch um die Heranbildung der Iugendleh«». wie um die Förderung der Handwerke unter seinen Gemeinden sehr verdient mache. Za selbst in dem Lande, wo die Bestrebungen der aufgeklärten Israeliten nicht die erwünschte Unterstützung von oben sinken, und der Name „Neolog" wie ein Gesvenst gefürchtet wird, geht es durch den unermüdlichen Eifer der israelitischen Gemeinden selbst doch nach und nach vorwärts. So hört man namentlich von Mittelsranken, daß der Gottesdienst sich überall Vcrdesserungen erfreue und daß der ihn so sehr hebende geordnete Gesang nun bald überall eingesührt sein dürste. Neue Sterne gehen auch an dem bürgerlichen Horizonte Israels auf, und ein solcher Stern ist dann immer auch ein Lichtbild für unsere nichtisractitischen Brüder, ein schönes Zeichen ihres Fortschrittes in Achtung und Anerkennung des heiligen Menschenrechtes: Zn Norwegen hat die Mehrheit des höchsten Gerichtes i»ck> für die Ansicht erklärt, daß die bisherige Ausschließung der Juden auS Norwegen nicht als ein grundgesetzliches Prinzip zu be trachten sei, und daher der betreffende Passus im Gesetze wegsatten könne. In Hamburg hat man einen Zsracliten zum Consul in Leith bei Edinburg ernannt, und in Preußen sprechen sich die geachtetsten öffentlichen Organe gegen die projccnrte CorporarionSverfaffung jber Zsraelüen aus; namentlich hat Alcrandcr von Humboldt sich sehr entschieden gegen jede Beschränkung der israelitischen Staatsgenoßen erklärt. Schelling aber, der von dem König so hochgeachtete Philosoph, äußerte schon 1833 in einem Briefe: „Ich bin ganz der Meinung, daß die fortwährende Unterdrückung der Zuden nach den erweiterten Ansichten unserer Zeit eben so unchristlich, als engherzig ist. Aber die erweiterten Ansichten und die höhere Weise, welche auch die Politik von einer im echten und großen Sinne geschichtlichen Auffassung des Christenthums erhalten sollte, in wie vielen Köpfen finden sie sich und sind sie bis dahin gedrungen, wo Gesetze gemacht und politische Maßregeln beschlossen werden?" Möchte die erleuchtete Regierung Preußens dieses bittere Urtheil ihres Philosophen über den gewöhnlichen Standpunkt der gesetzgebenden Behörden durch ihre bessere That lügen strafen» sr a t h a n. *) Nathan, ein Prophet und weiser Lehrer zu Salem, saß unter seinen Jüngern unv die Worte der Lehre und Weisheit flössen wie Honig von seinen Lippen. Da sprach einer seiner Jünger, Gamaliel: Meiner, wie kommt es, daß wir so gern deine Lehren empfangen, and alle horchen der Rede deines Mundes? Da lächelte der bescheidene Lehrer und sprach: Heißet mein *) AuS Krummachers Parabeln.

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