Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-08 · Heft 19 (8.5.1842) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 19 (8.5.1842)
Date
1842-05-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2566751-2566802-2566822--0346-2567968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

7? genießt, ausgenommen werden. Der Verein zählt bereits 30 Israeliten in seiner Mitte, und hat auch ältere Männer (worunter auch I)r Nieser) zu Ehrenmitgliedern gewählt. Auch die Darmstädter Ständeversammlung hat einstimmig beschlossen, die Negierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, in welchem die Erfordernisse zur Ertheilung des Staatsbürgerrechtes an Israeliten festgesetzt werden. 2a selbst in dem durch seine Härte gegen die Israeliten bis daher wahrhaft verschrieenen Lübeck hat der Senat nun verfügt, daß auch Erstere als Lehrbursche von den Zünften ausgenommen werden müssen, und als es hierauf schien, als ob die Zünfte sich dagegen wehren wollten, traten die angesehensten Kausleute zur-Errichtung eines Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten und zur Unterstützung der sie in die Lehre nehmenden Meister zusammen. Ein schönes Scitenstück zu solch' humaner christlichen Gesinnung liefert die israelitische Gemeinde in Berlin, in welcher sich viele vereint haben, um den Kölner Dombau als allgemeines Deutsches Nationalwerk durch Geldbeiträge fördern zu helfen. Bereits ist eine namhafte Summe unterzeichnet worden. Solche Aufklärung, wie sich deren die Hauptstadt des Königreichs erfreut, wird aber im Äroßhcrzogthum Posen noch lange auf sich warten laßen. Zwar sängt auch dort die Jugend an, sich der wahren Frömmigkeit zuzuwenden und auch das Alter sieht ein, daß beim Verharren in dem bisherigen Zustande das Heiligste gefährdet ist; doch für jetzt ist das Stabile noch immer so vorherrschend, daß das Neue sich nur durch die Autorität des Alten halten kann. Hr. Dr. Weil schließt seinen von uns bereits erwähnten zweiten Artikel über die den Juden in Preußen angeblich einzuräumcndcn Corporationsrechte mit folgenden treffenden Worten: „Was aber eröffncte endlich die bessere Zeit für Bildung, Gesittung und bürgerliche Lage der Juden? Es waren die Verordnungen des gekrönten Menschenfreundes, des unvergeßlichen Kaisers Joseph des Zweiten, welcher die Juden wieder zu den Waffen rief, ihnen zugleich — in nothwcndiger Folge — auch alle bürgerlichen Gewerbe und den Grundbesitz frei gab, und auf ihr Unterrichts- und Erziehungswesen mächtig wirkte, während er ihnen — wie recht — die Autonomie schon früher genommen hatte. — Damals schon — im Jahre 1789 — segnete der sehr orthodoxe und thalmudisch gelehrte Nabbine von Prag, Rabbi Ezechiel Landau, die jüdischen Rekruten feierlich ein, befahl ihnen, ihre Pflichten als brave österreichische Krieger und Unterthanen redlich zu erfüllen und erklärte ihnen zugleich, wie sie während ihrer Dienstzeit von allen Cercmonialg.'-'etzcn dispensirt wären, welche mit der Dienstpflicht irgend cellidircn möchten." „Im Jahre 1790, also fast gleichzeitig, begann auch Preußen die Regeneration der Juden aus preeswurcige Weife. Das damals von diesem Staate erlassene ^."''t, b. t «:tt d,n bedeutenden Worten: „Ob w'r «war . n, diese (jutt|u-.. Nati u uit übrigen Staatsbürgern v lg gleich zu machen und sic an allen Rechten der Bürger Tbet. >" Uv~n\, so sie hen unserm Vorsätze doch Hindernisse entgegen, welche die gänzliche Ausführung, wenigstens vor der Hand, noch unmöglich machen. Um aber doch die Annäherungen an die übrigen Bürger so viel möglich zu erleichtern :c." *) „Diese, eine bessere Zeit verkündenden, Verordnungen stehen abermals an der Schwelle einer großen Staats- und Völkerumwälzung, in welcher zwar wieder Gräuel genug verübt wurden, aus welcher aber auch große, ewiger Beherzigung würdige Wahrheiten hervorgingen. Die Welt ist — das darf man wohl sagen — seitdem um Jahrhunderte vorgeschritten und die Juden haben sich der allgemeinen Bewegung angeschlossen." „Die großen Lehren von der — nicht revolutionären, sondern richtig verstandenen — Gleichbeit der Menschen vor dem Gesetze, von der Nottzwendigkeit ächt nationaler, allen ParticularismuS in eine höhere Einheit auslösenden, Institutionen haben sich Bahn gemacht und sind von allen bedeutenden Staaten und Autoritäten anerkannt. Eine Bildung ist gewonnen und Kriege sind geführt worden, an welche sich die Juden, wenn auch als unbedeutender Tbeil, doch mit Pflicht- und Nationalgefühl und nicht ohne erhebende Anerkennung, angeschlossen haben. In Beziehuug auf unsere spezielle Aufgabe liegen ferner das preußische Edict von 1812, so wie die Bundesacte, in dem, was sie verbürgen und verheißen, die veränderten äußern Verhältnisse der Juden in und außer Deutschland, und die noch weit größere und folgenreichere Veränderung ihrer innern Bildungsverhälrnisse zwischen jener Zeit und der unfern. In Preußen aber regiert Friedrich Wilhelm IV., der sein Jahrhundert kennt und cö zu würdigen weiß. Die Welt bat Seinen Geist und Seine Einsicht durch mannigfache Handlungen und RcgierungSmaßregeln, so wie durch die Geister erkennen lernen, die Er in Seine Nähe oder Umgebung berief, und von denen wir nur Schelling, Humboldt, Grimm, Rückerr und Savigny zu nennen brauchen. Seine landesväterlichen Gesinnungen auch gegen seine jütischen Unrerrbauen haben sich durch mancherlei, Liebe und Fortschritt cuh-> inende und verheißende, Aenßerungcn aus Seinem Munde bewahrt. Von Ihm und Seiner erleuchteten Negierung kann unmöglich ein Gesetz ausgebcn, das sich, selbst in einer milderen Gestalt, schonvor anderthalb Jahrrauscuden auf so traurige Weise erprobte!" Ueber Vis .BrlSrmg zur Human itt. (Schluß von Nr. 1-8.) „Bei den Krcuzzügen, dieser zweiten Völkerwanderung, die über fünf Millionen Menschen hinraffre, glauben manche Lehrer, geleitet von gewissen Anbetern deö Mittelalters, die Idee, dir solche hervorgcrufen, so wie die heilsamen Folgen, die sie gehabt haben sollen, in ein recht glänzendes Licht stellen zu müssen. ..i: wollen gerne zugebcn, daß etwas Erhabenes in der EWn ") S di" Luter.staute Broschüre: Die gegenwärtig beabsichtigte Nmgesialnmg der bürgerlichen Verhältnisse d 'x Jude.:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.