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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-08 · Heft 19 (8.5.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 19 (8.5.1842)
Date
1842-05-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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9S thüvüichkeit der menschlichen Natur liegt, sich von einem, mit den sinnlichen Neigungen und Interessen nicht in Verbindung stehenden Gedanken zu den größten Aufopferungen begeistern zu lassen; wir wollen aber dabei nicht aus dem Auge verlieren, daß die unwissende Menge, die das Falsche vom Wahren nicht zu «nicrschcidcn vermag, eben dadurch schon vfr ein verderbliches Werkzeug in der Hand betrügerischer Führer geworden ist; daß vielleicht nur der geringere Theil der Kreuzfahrer einem edlen Antriebe folgte; daß für einen großen Theil, in dem damaligen Zustande der Civilisation, ein solcher Zug nach dem, von der Phantasie zauberhaft ausgeschmückten Morgenlandc etwas Anlockendes hatte, und' mancherlei Aussichten erössncte; besonders aber wollen wir die Art und Weise, wie sie begonnen wurden, und welche schauderhafte Eecnen sic hcrbcisührtcu, in kein zu mildes Licht stellen: . wie sie mit Ermordung vieler tausend wehrloser Juden in den Rheinstädtcn eröffnet wurden, wie die Religion dadurch im Allgemeinen blutgierig wurde und das Blut der Ungläubigen vergießen, für eine gottgefällige Handlung galt, ja für einen hohen Berus, werrh ihr.: das ganze Leben zu weihen." „Die Kreuzzüge führen uns natürlich zu den, in der Geschichte so häustg verkommenden Judenverfolgungen. Ter nicht genau prüfende oder befangene Lehrer ist oft geneigt, die Schuld dcrsclbcu auf die Juten zu wälzen und solche ihrem Wucher zuzuschrcibcn. Das ist aber eben so ungeschichtlich als inhuman. Allerdings war der Gcldhandei, neben den Lombarden und Cahorsincn, in den Händen der Juten; wie kann aber in jenen Zeiten, bei der Seltenheit des Geldes, bei den Gefahren des Darleihens, bei der durchaus unbestimmten Norm des Geldwcrrhes, so daß selbst Monarchen und Pabstc den Lombarden 20 bis 40 vom Hundert geben mußten* *), wahrend die Kirchengcsetze alles Zinsnchmcn für unerlaubt erklärten und jede, mit unmittelbarem Borihcil verknüpfte Benutzung des Geldes als Wucher betrachtet wurde, wie kann da von Wucher die Liede sein? Und war cs tiwa der Wucher der Juden, was die ersten Kreuzfahrer, jene rohen und zügellosen Hausen des Presbyters Gottschalk, des Laienbruders Volkmar und des Emiko von Leiningcn zum Morden und Plündern der Juden antricb % WaS war der Wucher oder vielmehr der so benannte Geldhandel der Juden gegen den, der überall vcrrmmcn Lombarden? Offenbar war cs nur die zum Fanatismus gesellte Habsucht, was diese Ausbrüche der Pöbclwurb hervorricf **), so wie die empörenden Gcwalthandlungen *) lieber die Klagen der Päbstc über die ungeheueren Zinsen der Lombarden siche: Raumer, Hohenstaufen Bd. 5. **) Am llrcn Jahrhundert fing die Geistlichkeit an, cs den Rittern zur Pflicht zu machen, jeden zu vertilgen, der sich nicht der Kirche unterwarf. Der erste Ausbruch dieser Vcrfolgungssucht wurde gegen die Juden gerichtet. Diese harten sich in Frankreich mit den Fortschritten des Handels eines Philipp August,*) Philipp des Schonen, Richard Löwenherz, Johann, Heinrich des Dritten, Eduard des Ersten, des Kai. fers Wenzel und vieler Andern nur aus dieser Quelle flössen. Möchte doch der Jugendlchrcr, bei Darstellung dieser betrüben.! den Ereignisse den großen Geschichtschreibern, einem Sismondi, Humc **), 9t au m cr folgen und nicht den, von Befangenheit dieneren Aeußerungen untergeordneter Schriftsteller. Da, wo je. ' des gehässige Unheil, und wenn es auch eine längst entschwundene : Zeit betrifft, eingewurzelte, inhumane Vorurtheile nur befestigt, sollte der höher stehende Lehrer um so behutsamer in seinen Aeußernngen sein. Bon der andern Seite wird der israelitische Lehrer, bei der Erzählung dieser Ereignisse, solche nicht der christlichen Religion,; sondern dem Mißverstand und Mißbrauch derselben, dem von der Unwissenheit erzeugten Fanatismus, der leicht entzündlichen Lei-! dcnschast der rohen Masse und der Habgier gewisser, auch in an- : derer Beziehung schlechter Fürsten zuschreiben. Er wird seine! Schüler auf die wohlrhatigen Wirkungen der bessern religiösen! Erkennrniß unsrer Zeit Hinweisen, und ans die Nothwcndigkeik! Innleiten, sich, so weit es von ihnen abhängt, in Sitte und Leben j der großen Mehrheit zu nähern. Er wird sie aus die unschätzbar! rcn Wvhlthaten auftnerksai» machen, die ans der Verbreitung der > Civilisation auch für sie, nach Innen und Außen, entsprungen - sind, auf die herrlichen Eigenschaften des deutschen Volkes, ans; die geistigen Fortschritte, die der deutsche Jsraclite diesem Lande , verdankt, und die Hoffnung in ihnen beleben, daß es ihnen durch! gediegene, mit Bescheidenheit gepaarte Geistesbildung und ächte; Bürgcrttlgcnd endlich gelingen werde, die noch nicht getilgten Vor- ■ urthcile zu besiegen und mit der Achtung auch die Rechte zu er* : werben, die ihren Confcssionsvcrwandten in benachbarten Ländern ' cingcräumt worden sind. Er wird sie ansporncn, einst, als Männer, zu beweisen, daß ihnen Deutschland unter allen Verhältnissen als Vaterland gilt, und daß sie sich nur in der Form des CultuS von ihren Staatsgcnossen unterscheiden." und der Industrie vermehrt; mehrere hatten die gelehrte Profession ergriffen, und die ausgezeichnetsten Aerzte des Lecidcntö waren Juden. Tie Bestürzung über die Nachricht, daß der Chalise Hakem die Kirche des Heilgen Grabes zerstört habe, wandelte sich in Wuth. Die Franzosen wollten Gott rächen. Sie fielen über die Juden her und ermordeten sie :c. Sismondi Pre'cis de l’histoire des Fraiujais 1 S. 200. *) Er verfolgte alle, deren Meinung nicht mit der Seinen j'lbcrcinstimmte. An einem Tage ließ er alle Inden seines Königreiches, als sie in der Synagoge beteten, arrctircn, ihre Güter in Beschlag nehmen und vertrieb sie aus Frankreich. Das. S. 200. **) S. Hnme hisfory of England. Cap. 10, 11, 12. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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