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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-04-17 · Heft 16 (17.4.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 16 (17.4.1842)
Date
1842-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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65 höheren Offenbarung ist; sonst aber die theogonischen und kosmologischen Ansichten der Bibel, sowie sie der natürliche, ungekünstelte Sinn ihrer Aeußerunqen gibt, parallel neben die des systematisch - philosophischen Bewußtseins laufen laßen, die Aufgabe der Philosophie nur darin erkennend, die Nothwendigkeit der biblischen Vorstellungen für die Zeit, in der sie verkündet wurden, nachzuweisen. Diese Stellung gibt aber Herr Formste-- cher in seinem Werke der Philosophie nicht, vielmehr betritt er ebenfalls den so oft verunglückten Weg, und sucht die Prinzipien eines philosophischen Systems (bei ihm ist es die Scbellinqsche Jdentitätslehre) mit den Aussprüchen der Bibel in Einklang zu bringen; er kann dieses natürlich, wie jeder der sein Werk lieft, bemerkt, nicht anders, als dadurch daß er durch eine erkünstelte Deutung den biblischen Stellen Gewalt anthut. Dadurch gibt er aber wie Viele vor ihm, entweder die Offenbarung oder die Philosophie, (oder auch beide zugleich) Preis, indem er der oben gedachten dualistischen Ansicht Thor und Lhüre öffnet. (Schluß folgt.) Selch ich Lr des Tages. (Aus Berlin.) Eine große Entrüstung hat hier der Artikel in Nr. 23 des Orients über den deursch-israelitischen Gottesdienst in Leipzig hervorgebracht. Schreiber dieses und noch viele Andere gehörten am verflossenen Neujahrsfeste zu den Besuchern dek Tempels, und können sich daher nicht genug wundern, wie der Verfasser jenes Artikels so schnöde in die Welt hineinlügen konnte. Man vermuthete hier soear, daß der Redacteur des Orients, der seit einiger Zeit — auS welchem Motive weiß ich nicht — eine anffallend feindselige Haltung gegen den Hamburger Tempel angenommen, selbst der Verfasser jenes Artikels fei. Dem kann ich zedoch nicht beistimmen. Aber das verdenke ich dem Dr. Fürst sehr, daß er überhaupt jenen Schmähartikel, dessen Unwahrheit am we» nigsien ihm selbst entgangen sein konnre, eine Aufnahme in sein Blatt gestattete. Wir sollten doch nie vergessen, daß unö, in denen Wahrheit und Ehre tagtäglich verletzt wird, gerade beide am heiligsten sein sollten. Und wenn nun selbst unsere öffentlichen Organe, die Barometer unserer Bildung und unserer Gesittung sie verhöhnen, wenn sie sich dazu her, geben, ein Institut, das unserem Fortschritt nach innen und nach außen so laut das Zeugniß redet, zu schmähen und—zu verunglimpfen, was werden dann unsere Feinde sagen? Aus Prag schreibt man: „Was uns am meisten Noch thut, und worauf auch Ihr Blatt hinzuwirken strebt, das ist eine Vereinigung dar Kraste, ein offenes Und. anhaltendes Bekenntnis zur Erhaltung des mosaischen Iudenthums und zur Schwächung de» starren RabbinismuS in populärer Schrift und Rede, so daß es auch der Masse des Volkes zugänglich wird. Die englische Regierung hat auf Veranlassung erleuchteter Staatsmänner an fünfzig Millionen auf die Emancipaticn der Sclaven per« yevhet. Wir können nur durch starke Vereine, die offen und mit Bewußtsein auf ein Ziel ausgehen, wirken. Wo ist aber die große Gemeinde in deren Mitte zuerst e n solcher Verein entstehen könnte? Hamburg kennt nur die Börse'), Berlin gaskouifche Aufgeblasenheit und Indifferenz gegen alles Kirchliche"), Wien und Prag hängen zu sehr von politische« Verhältnissen und Gesetzen ab; Frankfurt a. M. allein ist die Stadt welche eine hinlängliche Anzahl aufgeklärter Man» ner zahlt, die mit uneingeschränkter Freiheit handeln können« Von da aus sollte ein solcher Verein m'S Leben treten, und er wird gewiß bald nach allen Seiten hin sich verbreiten." Sehr beherzlgungswerthe Worte sprach der Vorsteher der Gesellschaft der Freunde in Berlin, bei dem SZ-z-ihn« gen Jubelfeste derselben. (S. Nr. II dies. Bl.) „Als Sie (äußerte er u. A. zu den Iubelsrennden) vor nunmehr fünfzig Jahren zu diesem Bunde zusammentraten, da hatten Sie vornämlich einen Zweck, aber einen hohen und edel menschlichen, im Auge. Es galt nämlich, den Be« weis zu führen, daß der Jude, auch außerhalb der strengen Satzungen des traditionellen CeremonialS, ln deren Erfüllung eine frühere Zeit den Schwerpunkt ihrer inner» Befried»,>ung gefunden, von Gotteifurcht durchdrungen fein, ja allen Pflicht tea des sittlichen und im Geiste der göttlichen Liebe handeln« den Menschen Nachkommen könne. Dies zuzugeben, dazu war selbst die Zeit des edlen jüdischen Weltwelse», de» wir als den geistigen Begründer unserer Gesellschaft betrachten, noch nicht reif, obwohl i» dieser Zeit der Same auSgestreut wurde zu der fruchtbaren Tire,Inahme, de seit mehr alS fünfzig Jahren die Juden unseres Vaterlandes an der Entwickelungs» geschichte desselben nehmen. E» gab damals keine andere Alernative: man mußte entweder streng festhalten an allen von den Vater« überlieferten Gebrauchen, oder man sah sich ausgeschlossen auS den Kreisen der angebornen Liebe, und dies führte leider nur all:« oft zur sittlichen Derderbnrß, zur Lidertinage und zur sträfllchsteu Bespöttelung alles Glaubens und aller Tradition. Mo fei Mendelssohn folgte daher den Eingebungen eben so seines edlen Herzens, nie fernes seltenen Geistes, alS er feine Zeitgenossen ermahnte, nicht blos an der Schrift, sondern auch am traditionell''» Ceremonial festzuhalten. Er wußte ja, welche Befriedigung sie darin fanden und wie sehr gerade der über das ganze äußere Leben sich erstreckende Eeremonientienst die durch tausendjährigen Druck Gebeugte» anfzurichten und die unter alle Völker Zerstreute» und von jedem Volke AuSgestoßenen zu einem für dre eigene Nation», litä't, für die Nationalität des Iudenthums, begeisterten Volke zu erheben vermochte Er ahnete nicht, daß das Morgenrorh eineS bessern Tages seinen Glaubensgenossen schcn so nahe sei. Er streute mit seine» edeln Freunden, dem gr.ßherzrgen Dohm und dem unsterblichen Lessing, den Samen echter Duldung aus — wie er meinte und auch in seinem „Ieru- ') Dem widerspricht jedoch die mit so vielen Opfern ge» gründete und erhaltene Tempel »Anstalt. Red. ") Nur bei e>aem Th eile der Gemeinde wahr. Red.

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