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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-04-17 · Heft 16 (17.4.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 16 (17.4.1842)
Date
1842-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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64 l'opl-en vom Fache, wo die Verstandestbätigkeit die vor- . herrschende war, meistens auch diese siegte und der Glaube die Flucht ergreifen mußte; wahrend bei den Theologen, da sie sich selbst nicht negiren mochten, in Wahrheit aber auch ihr Gemüth durch fortwährendes Studium des göttlichen Wortes erwärmt und vor dem zerschneidenden Messer des Verstandes bewahrt hatten, entweder der Glaube die Oberherrschaft behielt, oder doch, insofern er auf die Offenbarung fußte, im Einverstand mit der Wissenschaft erhalten ward. Erstcres fand in der Geschichte der christlichen Kirche bei den Scholastikern statt und tritt noch jetzt in der römischen Kirche, sowie in der orthodoxen evangelischen hervor; letzteres hingegen offenbarte sich überall, wo die philosophische Bildung in einem höheren Grade herrschte. Den Anfang machten Origincs und die Gnostiker, welche die alerandrinische Philosophie mit den Dogmen des Christenthums zu vereinen suchten; dasselbe geschah spater mit der Leibnr'tz- Wolsischen Philosophie, mit der Kantischen, deren Anwendung und resp. Vereinbarung mit dem Christenthum der Rationalismus übernahm, mit der Schellingschcn Ansicht (namentlich der späteren), welcher sich die Mystiker und strengen Dogmatiker bedienten, sowie mit der Hcgelschcn, deren re.'chte Seite diese Schule mit dem dogmatischen Inhalte des Christenthums zu vermittln suchte. Allein die Art und Weise, mit welcher man bei jenen Vermittelungsprocessen zu Werke ging, mußte bald auf zwei ganz entgegengesetzte Ansichten führen. Es lag nämlich jenen Versuchen die — wie wir unten sehen werden — falsche Voraussetzung zu Grunde, daß die Bibel in ihrer Lehre über Gott und sein Verbaltniß zur Welt ganz mit dem Inhalte des philosophischen Bewußtseins übereinstimmen müsse. Da nun dieses aber dem wörtlichen und natürlichen Sinne der Schrift widersprach, so nahm man zum Idealisiren und All egorisiren seine Zuflucht, und brachte auf diese Weise eine Uebereinsiimmung hervor, die in Wahrheit und Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Als man letzteres endlich erkannte, trat gerade eine dualistische Ansicht und zwar nach zwei entgegengesetzten Seiten hin, hervor; die eine, die linke Seite der Hegelscben Schule, verwies geradezu die ganze Religion in das Gebiet der Vorstellung und hob sie dem Begriffe, oder dem philosophischen Bewußtsein gegenüber, aus; wahrend die Jakob.sche (und selbst Schleicrmachersche) Ansicht ihr einen selbstständigen, vor allen Angriffen der Philosophie gesicherten Boden im Gemüthe und Gefühlt einraumte. Die Vermittelungsvcrsuche der Kirche fanden auch in der Synagoge statt, "sobald man auch da angefangen hatte, sich mit der Philosophie bekannt zu machen. Wir sehen sie hinsichtlich der Platonischen Philosophie bei Phfto und den Kabbalisten, hinsichtlich der Aristotelischen bei Maimvnides und der arabisch-spanischen Schule, Hinsichtlich der Leibnitzisch - Wölfischen bei Mendelssohn, und hinsichtlich der Kantischen in den neueren Religionsbüchern und besonders in dem erwähnten wissenschaftlichem Werke des Peter Beer. Die Synagoge unterschied sich nur darin von der Kirche, daß sie, wie daS namentlich Maimvnides gegen Aristoteles that, im Einzelnen die philosophischen Lehrsätze bekämpfte,. also sich selbstständiger hielt, und eben so die Philosophie mit der Religion als diese mit jener auszugleichen suchte. Vom Allegoriü'ren und Idealisiren des biblischen auf Kosten seines wahrhaft natürlichen Sinnes konnte sie indeß bei ihren Vermittelungsversuchen sich gleichfalls nicht frei halten und Abraham den David hatte ganz Recht, wenn er den Maimvnides der in seinem größeren Werke*) so weit gegangen war, den für einen Gottesleugner rsO) zu erklären, der körperliche Vorstellungen von Gott hege, in seiner Derbheit zurief: „Warum nennt er diesen einen Gottesleugner, da Viele, die größer und srönr< mer waren als er (WO D'Zffil HDD)/ veranlaßt durch Stellen der Schrift, eine solche Ansicht hatten." Wollen wir demnach in der Synagoge vor dem Dualismus zu welchem die Vcrmittelungsversuche in der Kirche geführt, bewahrt bleiben, wollen wir uns eben so gegen die Jakobische Gemüthsphilcsophie **) die in ihrer Consequenz nur zur Schwärmerei und Verachtung der Vernunft führt, als gegen die gänzliche Negation der biblischen Lehre, wie sie neuerdings in der sogenannten linken Seite der Hegelscben Schule Hervorgetreten, schützen: so müßen wir jene Weise zu vermitteln endlich aufgeben, so müßen wir da. wo es sich um strenge, absolute Wahrheit handelt, in der Religionsphilosophie, in wissenschaftlichen Werken über die Wahrheiten des religiösen Bewußtseins (in Volks- und Jugendschristen ist das was Anderes), das Vcrhältniß der Religion zur Philosophie ganz anders fassen. Wir müßen da nicht außer Acht laßen, daß in der Tbeogonie und Cosmologie die Bibel gar nicht mit irgend einem Systeme der Philosophen übereinzustimmen brauche, daß sie als ein Religionsbuch für das Volk auch an dessen Bewußtsein und Auffassungsweise anknüpfen mu:,te, daß die Offenbarung nur eine reine Sittenlebre verkünden, daher nur vor dem sittlich-nachtheiligen Polytheismus und vor Vergötterung der Natur warnen, sonst aber in ihrer Mittheilüng über das Göttliche, um ihren höchsten Zweck, die sittliche Erziehung der Menschheit zu erreichen, von der formellen, logischen Wahrheit zu Gunsten der realen, humanen***) abweichen, erste dieser unterordnen mußte. Daher sollen wir bei einem religiös - wissenschaftlichen Werke uns damit begnügen, die Gesetze des sittlichreligiösen Bewußtseins in der Bibel nachzuweiftn, was die einzig - rechte Vermittelung und Ausrechthaltunz einer *) Hilch. Tbcschubab, Kap. 3. §. 7. ") To har diese an Eremheim bereits eine» Nachahmer gefunden. '*') Vergl. hiermit den Aufsatz: „Sind die neuen Rabb» v.(U Heuchler? , Nr. 8 dieser Blätter.

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