Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1842)
- Date
- 1842-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Vroüber;ogl. Wcimarscheu, Land-Radbinen;u Stavt Lengs fclv, bei (rii'cnack. Nr. 16 Sonntag, den 17. Mpkil 184T. III. Jahrgang. Alotto: Entschieden, freistnnig, muthvoll und wahr. Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums nach seinem Ekaracter, Entwickelungsgange und Berufe in der Menschheit von »r. S. Foernstecher, Prediger a>> der Synagoge;n Qffenvach. (Fortsetzung von 15.) Nachdem unsere Leser mit den Grundideen des Verfassers bekannt worden sind, liegt es an uns, dieselben näher zu beleuchten. Doch verhindert uns der Raum dieses Blattes, in's Spezielle einzugehen, wiewohl wir mit Manchem nicht einverstanden sind; wir beschränken uns demnach darauf, den allgemeinsten Standpunkt des Verfassers, namentlich die Stellung, in welche er die Religion zur Philosophie bringt, einer Prüfung zu unterwerfen. Fragen wir zuvörderst: Wie kann das Verhältniß der Religion zur Philosophie beschaffen sein, so ergiebt sich ein dreifaches. — Sobald nämlich der Mensch selbst über den Inhalt des religiösen Bewußtseins nachdenkr, oder sich mit den Ergebnissen eines anderen Denkers bekannt macht, ist es das erste Geschäft seines Geistes, das auf wissenschaftlichem Wege Errungene mit dem was ibm durch Jugendunterricht und Lesen des göttlichen Wortes überkommen, zu vergleichen. Je nachdem nun sein Glaube stärker ist als seine Philosophie, und umgekehrt, oder beide sich die Waage halten, wird dann das Ergebniß einer solchen Vergleichung ausfallen. Der Glaubensstarke wird trotz seines Nachdenkens dennoch die Philosophie dem Worte der Bibel unterordnen; er wird gern von ihr Gebrauch machen, wo sie zum besseren Verständnis des göttlichen Wortes gereicht; wo sie aber in Widerspruch mit demselben tritt, wird er von ihr abstrahiren, wird er die Aussprüche der Bibel stets über die Lehren der Philosophie stellen. Derjenige hingegen, in welchem der Verstand die vorherrschende Seelenkraft ist, in dem Gemüth und Phantasie nur in sehr geringem Grade sich äußern, wird beim Widerspruch, zu dem die Resultate seines Nachdenkens mit dem Inhalte der Schrift führen, ersteren den Vorzug gestatten, und auf diese Weise daS, was früher ihm wahr und heilig war, jetzt als unwahr und trügerisch berrachten. Derjenige endlich, in welchem der Glaube dem Wissen das Gleichgewicht hält, der frommes Gemüth mit Hellem Verstände verbindet, in dem die verschiedenen Geisteskräfte zur Harmonie, zur sich durchdringenden Einheit gekommen sind, wird die Philosophie mit der Bibel, die Wissenschaft mit der Offenbarung auszusöhnen suchen, wird den scheinbaren Widerspruch zu lösen, den ausgebrochenen Kampf zu schlichten sich bemühen. Diese dreifache Stellung der Philosophie zur Religion durchläuft die ganze Geschichte! beider, nur mit dem Unterschiede, daß bei den Philo-