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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-04-10 · Heft 15 (10.4.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 15 (10.4.1842)
Date
1842-04-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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60 auf seine Stelle trat der unsichtbare Centralpunkt der zur Subjectivität strebenden Judenthums, dieser war das Gesetz. Auf ihn gründete das Judenthum seine geistige Theokratie, umringte sie gleichsam mit Mauern und Schanzen und gab dadurch der feindlichen Umgebung die scheinbar gerechte Beranlassung zur Behauptung: die Juden bilden einen Staat im Staate. Der Kampf zwischen jüdischen und heidnischen Elementen nahm, bei dem Verschwinden einer, das heidnische Element vertretenden, Korporation im Judenthume, während dieses Zeitraums mehr den Charakter der Versöhnung an. Heidnische Momente erhielten nach und nach solch ein judaisirtes Kolorit, daß sie mit dem jüdischen Volksleben auf's innigste verschmolzen und erst in einer späteren Periode deßhalb mit Bewußtsein bekämpft wurden, weil sie unter dem Namen Kabbala wesentliche Principien des Judenthums verdrängen wollten. Die Grundlage der heidnisch-jüdischen Theosophie, der späteren Kabbala, bildet der Glaube: daß der menschliche Geist die innere Oekonomie Gottes erfassen und wissen könne, ein Glaube, den das Judenthum während seiner rein prophetischen Objectivität streng zurückwies und den es bei seinem Untergange zur Subjectivität von dem Mpsterion und der Gnosis des Heidenthums aufnahm." „Während der mächtige Entwickelungstrieb die civilisirte Menschheit aus ihren alten Fugen hob, bewegte auch das Judenchum sich immer mehr von seiner Objectivität seiner Subjectivitat entgegen. Dieses Hinneigen zur Subjectivität, welches in der Form der Literatur so deutlich sich ausdrückt, ist eben so deutlich in ihrem Inhalte zu erkennen. Der Sabbath war nicht mehr bloß ein Ruhetag in Beziehung auf irdische Geschäfte, an dem Pflug und Sichel nicht berührt werden sollten, sondern ein heiliger Tag, gewidmet der Belehrung und der Ausbildung des Geistes. Das Pesachfest wurde eine Feier der Hoffnung auf die Erlösung durch den Messias aus der gegenwärtigen Knechtschaft. Das Sch'buoth-Fest wurde eine Erinnerungsfeier an die Gesetzgebung auf dem Berge Sinai. Mit den Klagen über die Zerstörung Jerusalems verband der neunte Tag in Ab die Seufzer wegen der Leiden der Gegenwart. Mit einer ganz neuen Gestalt und einer neuen Wichtigkeit wurde das Rosch - Haschana - Fest gefeiert, an das eng der Verföhnungstag sich anschloß, vorzüglich als Aussöhnungsfest zwischen Menschen und Menschen (Schulchan Aruch Orach Chajim 606.) und die Ccremonicn des Laubhüttenfestes erhielten ganz neue symbolische Bedeutungen. Der ursprünglich nationale, local - politisch - theokratische Charakter der Feste verlor sich immer mehr und wurde durch moderne Auslegungen ersetzt. Kriegszüge, Reiftunternehmungen, Handelsspeculationen, Erfindungen, Künste und Wissenschaften, das Zusammenwirken aller dieser einzelnen Faktoren führte die Menschheit wahrend dieser jüngsten Periode der Weltgeschichte zu einer solchen Weltanschauung, daß sie, auf der Höhe der Gegenwart angelangt, die Wanderung von der Objectivität zur Subjectivität als vollendet betrachten kann. Auch das Judenthum erstieg, obgleich auf einem ganz andern Wege, diese Höhe der Zeit. Die äußere Hülle seines Lebens zeigte einen antiken Charakter, unter ihr aber pulsirte das Leben der modernen Weltansicht mit voller Energie. Dieses wiedererwachte Jugendleben sprengte bei einigen eminenten Geistern (Mendelssohn und dessen gleichdenkenden Zeitgenossen) die zu eng gewordene Hülle und schuf sich ein neues Gewand. Auch der Jude lernte sich kennen und dann — achten; er vollendete mit seinen Zeitgenossen zugleich die Reise aus der antiken in die moderne Zeit, aus der Objectivität in die Subjectivität. und erwartet mit ihnen von der Zukunft die Realisirung eines und desselben Ideals." „Der Geist manifestirt während seines zweiten Le« benstheils ein zwiefaches Leben; er behauptet sich als die zum Bewußtsein gelangte Subjectivität, und strebt nach der Jdentisicirung derselben mit der Objectivität; er repräsentirt dieses Behaupten im Judenthume und dieses Streben in der Mission desselben an das Heidcntbum. Diese Mission ist die Thätigkeit des Geistes, in welcher er von der Subjectivitat (dem Judenthume) zur Objectivität (dem Heidenthume) hin, und dann, nach der Aufnahme und Auflösung der letzteren, zu sich selbst wieder zurück sich bewegt. In dem Bewußtsein dieses Strebms des Geistes: sich mit sich selbst zu versöhnen, kündigt sich das Wesen des Chriftenthums an. Die Aufgabe des Christenthums hat eine große, welthistorische Bedeutung, es soll die Heiden der Erde für die Wahrheit des Judenthums erziehen und heranbilden, Vieles hat es schon geleistet vermöge seiner politischen Macht, Vieles leistet es noch jetzt vermöge der Macht des Wortes seiner Missions - Vereine, Vieles hat es aber noch, vorzüglich in seinem Innern selbst, zu leisten, um seine Aufgabe und seine Stellung in der Menschheit wahrhaft zu erfassen und zu würdigen." — „Das Heidenthum unterliegt als Product seines Klima's gänzlich der localen Natureinwirkung auf die menschliche Geistesthätigkeit und stellt sich deßhalb, wie die Natur, mit einem nördlichen und südlichen Typus dar. Das centripetale Naturleben im Norden zeigt sich in seinem Bewußtsein, im Geistesleben, als Reflexion, und das centrifvgale Naturleben im Süden als Phantasie. Um auf den Geist des Nordländers einzuwirken und ihn aus seinem Universalleben in sein Jndwidualle» den zu versetzen, mußte das Judenthum seine Mission an denselben sich in dessen Jdeenkreis gänzlich auflösen lassen, mußte nämlich das Christentbum den Vorgefundenen heidnischen Formen sich soviel als möglich anpassen, damit es mittels der, dem Nordländer angebornen, Freiheit als Philosophie das Heidenthum zum Judenthume umwandele. Bei seinem Einwirken auf den Geist des Südländers dagegen mußte das Judenthum nach der entgegengesetzten Methode greifen; die an diesen abgesandte Mission bedurfte nicht jenes gänzlichen Uebergegehens in den Vorgefundenen heidnischen Jdeenkreis, ihr

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