Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1842)
- Date
- 1842-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraelit toeS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für dic Kenntnis; des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Hcrausgegeben von »r. M. Heß, GroShcrzoql. Wcimarschen ^'and.-Rat'vincn;» Ernvr LengSicl), de, Eisenach. Skr. IS. Sonntag, den I«. April ,84». ui. Jahrgang Motto.- Entschieden, fremnnig, nruttwoli und wahr. Die Religion des Geiste-, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums nach seinem Ckaracter, Entwickelungsgange und Berufe in der Menschheit von Dr. S. Formftechrr, a,i ocr Lyuagoge ju Offenbach. (Fortsetzung von M U.) „Thalmud und Kabbala sind die zwei nothwendlgen Producte des Geistes, welche das Judenlhum in seiner Uebergangsperiode zwischen Objectivität und Subjectivität hervorbringen mußte. Unter der Form des Midrasch erscheint die Geistesthätigkeit des Judcnthums in ihrem zwiefachen Streben: in ihrem Jndividualleben, als die Bewegung auf dem eigenen Gebiete von der Objectivität zur Subjectivität, und in ihrem Universalleben, als die Bewegung von Innen gegen Außen, in dem Verhaltniße des Judenthums zu seiner Umgebung. Die erste Tdätigkeit wurde Thalmud, die zweite Kabbala bezeichnet." „Das Streben des Geistes nach der Realistrung des Ideals feines Jndividuallebens zeigt als Kampf zwischen Objectivität und Subjectivität, in diesem Zeitabschnitte die Vorherrschaft der Objectivität. Diese repräsentirt sich auf dem Gebiete des religiösen Lebens in der Darstellung aller früheren Formen des prophetischen Judenthums' Der Opferkultus, welcher mit der scharfsinnigsten Dialekrik beschrieben und mit der pünctlichsten Gewissenhaftigkeit ausgeübt wurde; das Niederschreiben selbstständiger Schriften, in welchen die insvirirte Prophetensprache den sich unterordnenden Midrasch noch ziemlich fern zu halten versteht, wie dieses in den jüngsten Büchern der Volksliteratur und in den Apokryphen der Fall ist; das Hören eines Balh Kol und das Wahrnehmen so mancher Tempelwunder (Aboth5,8.) zeigen, wie die objective Prophetenzeit sich noch in dieser Periode geltend zu machen wußte und nur ungern sich verdrängen ließ, obgleich die neuen Institutionen schon geschaffen und vom Volksleben ausgenommen waren. Mit dem Austritte des Judenthums aus seinem isolirten Particularismus beginnt es seinen Beruf als Priesterreich, als Lehrer der Menschheit." „Blutrot!) war am Himmel der Geschichte der große, furchtbare Tag des göttlichen Weltgerichtes herangebrochen, siegestrunken zeigte sich in des Römers Hand das Racheschwert Gottes, ausgestreckt über alle Völker vom Morgen bis zum Abend. Mit thränendem Auge und mit zerknirschtem Gemüthe verließen die Juden den rauchenden Schutthaufen Jerusalems, zogen zerstreut als Repräsentanten der Wahrheit in die toll tobende Heidenwelt. Der sichtbare Centralpunkt, welcher noch immer die Idee einer Localgottheit batte schützen können, mußte untergehen; er ward ein Raub der Flammen,