Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1842)
- Date
- 1842-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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61 genügten schon einige Anknüpfungspuncte; deßhalb tritt der ZSlam in seinem Gegensätze zum Heidenthume weit entschiedener auf, als das Ehristenthum, denn er hatte nicht nöthig auf dem Wege der Ueberzeugung zu wirken, sondern ihm stand das Mittel der Despotie zu Gebote, er motivirte mit der Poesie und entschied mit dem Schwerdte." „Cbristenlhum und Islam, diese nordische und südliche Mission des Judenthums an die heidnische Menschheit, sind die Mittel in der Hand der Vorsehung, die Naturvergütterung zu stürzen und das Menschengeschlecht bis zum Gipfelungspunct seiner Vollkommenheit zu führen. Beide zeigen die Amalgamation des Judenthums mit dem Heidenthume, beide betrachten sich als die absolute Wahrheit und finden ihren Beruf in der Aufgabe, diese Wahrheit zum Gemeingute der Menschheit zu erheben. Einst, so verkünden auf hoher Zinne Israels prophetische Wächter, wird die wahre Gotteserkenntniß die Erde füllen, wie Wasser das Weltmeer bedecket; vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange wird Er in seiner Wahrheit und Einheit erkannt und verehrt werden, alsdann ist der Altar des Heidenthums gänzlich zertrümmert und das ganze Menschengeschlecht bildet nur eine einzige Familie, umschlungen vom himmlischen Bande der Eintracht und der Liebe." (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Wie sehr die deutschen Regierungen die Leistungen wist senschaftlich gebildeter Rabdinen zu schätzen und anzuerkennen wissen, bat neuerdings die Bern bürg er bewiesen. Sie nahm keinen Anstand, sämmtlichen Geistlichen die Anschaf, fung des Pentateuchs mit hebräischem Texte, wortgetreuer Übersetzung und Commentar von dem Landrabbiner Dr. Herxbeimer auö dem Kirchenaerar zu befehlen. Das günstige Urtheil, welches wir bereits beim Erscheinen des ersten Heftes über dieses ausgezeichnete Werk ausgesprochen *), wird nnn durch die erschienenen übrigen Hefte des PantateuchS, (welche den ersten Theil der ganzen Bibel ausmachen) vollkommen bewährt, und wir freuen unS daher, daß dieses Werk bereits in mehreren Schulen e,«geführt ist. Auch die israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart hat es den sämmtlichen Rabbinen und Vorsteherämtern deS Landes empföhle«». Gedachtem I)r. Herxheimer ist auch in der Kürze der hebräische Unterricht in Prrma des Gymnasiums übertragen worden. Ein gleiches, ja noch seltneres Beispiel von Humanität und Toleranz gab kürzlich der Großherzogl- Hessische Kreisrath in Alsfeld. In Angered, einem Orte wo sehr viele Israeliten wohnen, verordnet« er, daß die Letzteren gleichfalls durch das Glockengeläute zur Synagoge gerufen und eben so hierdurch der Anfang des Unterrichtes in der israelitische» Lehr. Schule angezeigt werden solle. ') S. Iahrg. I. Nr. 2 dieser Blätter. Unser Artheil über die GeburtSgemeinde Mendelfobnt (S. die vorige Nummer) müssen wir zurücknehmen. Neuere« Nachrichten zufolge verhält sich die Sache anders. Herr ttr. Hirsch soll nur versuchsweise angenommen worden sei» und sich nicht ganz frei von moralischer Anfechtung gehalten haben. Bedauerlich ist aber in unserer Zeit ein solches Er» eigniß immer. Unsere Leser können sich freue» daß sie nicht alle unter der geistlichen Obhut des Rabbinm in Papa (Ungarn) ste. hen. Derselbe verbietet Ordnung bei Leichenzügen wegen O'UN Oj?N, Kopulationen in der Synagoge, weil es NeuerungSgelft perrathe. Am Neunten deS Ab zerrre er diejenigen seiner Pflegdefohlenen, welche nicht in Pantoffeln erschienen, aus der Synagoge und dre emanstpakionsbemü. Hungen hochsinniger Christen erklärte er öffentlich als die gefährlichsten Bestrebungen, die Israeliten zum Abfall von ihrer Religion ju verlocken. Die Angriffe gegen das Gebetbuch im Hamburger Tempel habe» nicht nur die Mitglieder desselben mit neuer Begeisterung erfüllt, sondern auch auf dre übrige Gemeinde rortheUhafr eingewirkt, so daß der bessere und gebildetere The,! jetzt damit umgeht, den Svnago gen-Gottesdienst zu reformiren; es sollen Choräle eingeführt, für Anstand und Ordnung gesorgt und ein guter Prediger angestellt werden. Möchte dem bald also werden! AuS Berlin melden die öffentlichen Blätter: „CS läßt sich hoffen, daß in Folge der einstimmigen Ablehnung der projektirten politisch - isolir,»den Verfassung der Israeliten von Setten dieser selbst, dieselbe ihnen nicht gegen ihren Willen wird aufgedrungen werden. Die Einstimmigkeit dieser Ablehnung ist übrigens ein erfreulicher Beweis, wie vollständig gegenwärtig die Juden, unbeschadet ihrer religiösen Grundsätze, sich als Deutsche, als Preußen betrachte« und betrachtet wissen wolle», und eS wird ihnen daS freiwillige und entschiedene Documennren dieser ächt deutschen Gesinnung bei den Bestimmungen einer neuen Gesetzentwurfes zu Gute kommen. Fast keine einzige nur einigermaßen bedeutende jüdische Gemeinde ist mit einer in diesem Sinne abgefaßten Petition an den König oder an das Staats»,- nisterium zurückgeblieben. ES sind bis jetzt Petitionen und Denkschriften eingegangen zunächst von den 3 Hauptgemeinden Berlin, Königsberg und Breslau, nächstdem von der Gemeinde zu Magdeburg für sich, und im Aufträge von achtzig Gemeinden; ferner von ja'mmtlichen oberschlesischen Gemeinden, von den jüdischen Consistorien zu Trier und Krefeld, von den Gemeinden zu Coblenz, Köln, Düsseldorf, Kleve und andere» Ortschaften der Rheingegend, und alle diese Petitionen, wie verschieden an Umfang, innerem Gehalt und rel-» giöser Färbung sie auch sind, und wie wenig ihnen irgend ein vcrangegangenes Einverständniß zum Grunde liegt, kem, men doch allesammt in dem Wunsche überein: daß die Juden nicht alS eine politisch gesonderte Unkerihanenklaffe mit t,. sonderen Rechten und Pflichten begabt, sondern a!S Bürger