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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-04-03 · Heft 14 (3.4.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 14 (3.4.1842)
Date
1842-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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59 der Menschheit lassen sich demnach in folgenden cvrrelatlven Ausdrücken bezeichnen: Antike — moderne Zelt; Gefühls- — Wernunftleben; Objektivität — Subjectivität; Prophetie — Tradition; Mittelalter; subjektive Objektivität. „Die Bildung der Theokratie und deren Behauptung in der heidnischen Umgebung war das erste Ziel, nach welchem der prophetische Geist des Judenthums strebte, und erst spät, nachdem dieses Ziel erreicht war, konnte derselbe das Volk von dem Particularismus zum Universalismus zu erheben suchen. Die aus Aegypten gezogene Menschemnasse sollte vordersamst als Volk erscheinen, als Staat sich behaupten, dieses erzielen alle Gesetze, Vorschriften, Anordnungen und Einrichtungen. — Absolute Geltung sollte für Israel das Wesen der Theokratie ewig behaupten, aber nur von relativer Bedeutsamkeit für dasselbe sollten alle jene attributischen Formen sein, welche Raum und Zeit nöthig machten." „In der engen lheokratischen Schale schwoll nun der lebensvolle theokratische Kern; das Judenthum hatte als Volk seine Aufgabe gelöst und seine geistige Vollendung erreicht, so wie es unter David seine körperliche erlangt hatte. Darum mußte es die beengende Form eines abgeschlossenen Staates abwerfen, die Banden mußten gebrochen werden, welche es an einen abgegrenzten Boden fesselten, Israel wurde als Volk aufgelöst, über alle Lheile der Erde gestreuet, damit es das Ideal, welches es in seiner prophetischen Objektivität erkannte, in seiner vernünftigen Subjectivität realisire. — Das Judenthum, in seiner Wahrheit sich wissend, sollte nach seiner Wahrheit wirken, darum durfte kein abgemessener Boden es einschließen, keine Staatsform es der Menschheit entziehen; darum mußte es von Palästina auswandern und seine Verkünder senden in alle Theile der Erde." — (Fortsetzung folgt.) Sescsiicsitr des Tages. Der Hamburger Senat bat befohlen, baß daS Bernaus» ci'che Interdikt gegen das Gebetbuch des Tempels aus allen Snnagogen entfernt werde, und den Gemeindevorstehern bedeutet, ein derartiges Verfahren innrer;u überwachen. Tiefe Eittuiischung der weltlichen Gewalt in eine rein religiöse Angelegenheit, liefert aufs Neue den Beweis, daß die Anmaßung und Intrigue einen nicht geringen Antheil an dem Benehmen des Herrn Bernaus hatten, welchen eutgegenzutreten die weltliche Gewalt wohl daS Recht hatte. Aerger aber ging S noch dem Interd-kt des Londoner Rubbinats, welchem einige Gemeinde» selbst keinen Eingang in dieSynagoge gestatteten, ja diePlymouther machte sich dat Vergnügen, es feierlich ■» ve: brennen. Der Oberrclbbwe Dr. Frankel in Dresden weint in nem, an d»e Hamburger-Tempe!-D»rectron abgegebene», Gur, achten, Herr Bernavs habe zwar in der Art, wie er sich über das neue Gebetbuch ausgesprochen, ungemein gefehlt, auch unrichtig geurthilr, daß man aus diesem Buche n-chr die rSTi'H beten könne; eS sei aber dasselbe dennrch nicht zum attgemeinen Gebrauche zu empfehlen. Ob und w,e Herr Frankel diese seine Aeuperung zu begründen vermöge, werden wir später in einem ausführlichen Artikel darthun. Erfreulich ist'», -aß Preußens Regierung doch wenigstens ein größeres Vertrauen zu der sittlichen Gesinnung seiner israelitischen Unterthanen beweist und daher in einer neu erschienenen Eidesformel für dre Aerzte mosaischen Bekenntnisses die verletzenden Worte: „Ich schwöre nicht »n meinem Sinne, sondern im Sinne derer, die mich schworen lassen," nicht mehr ausgenommen hat. Hingegen isi'S traurig, daß das für die religiös-sittliche Veredlung der Israeliten so hochstrebende Rußland, sich nicht von einzelnen sehr drückenden Verordnungen gegen ln- und ausländische Juden loSmachen kann. So muß jeder preußische Israelit, der die polnische Grenze überschreitet, Thlr. für einen Eeleitschein auf 30 Tage zahlen, und kömmt er gar nach Marschau, so muß er noch besonders 3 Sgr. 4 xf. täglich entrichten. Ist daS dem menschenfreundlichen Kaiser in seinem ganzen Umfange bekannt? Eine eigne, weder in früherer noch zetziger Zeit irgend« o hervorgetrekene Energie entwickelt der Dessauer Gemeindevorsiand gegen seine geistlichen Hirten. Len frübercu Rabbiner Lippschütz (jetzt in Danzig angestellt) ließ er bei 24 Grad Kälte mit Frau und Kindern von der Po!» ei auSkieten und den l)r. Hirsch (durch literarische Leistungen vortheilhaft bekannt) nöthrgte er, seine Stelle, auf welche er schon resignirt hatte, wieder anzutreten, um dann seine form« liche Entlassung zu bewirken. Solche Beispiele sind wahrlich nicht geeignet, eine günstige Meinung von der Eekurrsgemeinde MendelsohnS u erwecken. Die Israeliten in Danneberg (im Hannövrischen) haben sich n it einer Petition an die Standeversi.mmluug gewendet, aus welcher wir folgendes Herr erheben: „Seit vielen Jahren harren die jüdischen Einwohner dieses Königreichs mrt unendlicher Sehnsucht des Tages, wo ihre Fesseln wenigstens tkeilweise gelöset und die Morgenrötde bürgerlicher Freiheit auch ihnen leuchten «erde. Mit tiefster Wehmuih sahen sie, d. ß während fast alle Gesetzge. bungen Deutschlands das Schicksal ihrer Brüder erleichtert hatten, die Juden dieses Königreichs allein noch unter hartem Drucke stuften mußten. Sie trugen ihr Leid und hofften ans bessere Tage: auf Tage, in denen man endlich einsehen werde, daß überall da, wo man die Juden bürgerlicher Rechte rheti» hastig werden ließ, die Regierung solches nicht zu bereuen hatte, vielmehr mit dem Bewußtsein größerer Freiheit, auch größere Liere :u König und Vaterland und größere Neigung zu bürge»lichen Gewerben, in des Her; der so lange Unterdiück'en ei' f.-hrre. C u -o.'cher Tag der Hcffrung und der

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