Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1842)
- Date
- 1842-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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nehrncr an der Natur, welche eS zur ästhetischen Vollkommenheit heranzubilden hat; so ist der Gott des Judenthums die Hypostase des Ideals für das geistige Jndividualleben, welches, über der Natur stehend, dieselbe zu veredlen und gleichsam zu versittlichen strebt." (Fortsetzung folgt.) Hrtchichtr drs Tages. Auf's Reue hat Wr. Holdheim in Schwerin seinen Eifer für die Veredlung der ihm anvertrauteu Gemeinden in einem Aufrufe bekundet, den er wegen Unterstützung des ifraelitischen Handwerkvereins in jener Stadt erlassen hat. Er sagt darin u. A.: „Der israelitische Handwerksverein in Mecklenburg, auS Anregung der einsichtigen, die wahren materiellen und geisti gen Bedürfnisse ihrer Glaubensgenossen wohl kennenden Männer hervorgegangen, ist nicht als eine örtlich isolirte Erscheinung anzusehen, sondern steht mit dem durch äußere und innere Ursachen lange niedergehaltenen, nunmehr allgemein erwachten Gesammtstreben der Israeliten in Deutschland in genauem und innigem Zusammenhänge, welches allerwärts darin sich bekundet, durch gemeinnützige, auf einer soliden und sicheren Basis beruhende, den Glückswürfeln des Zufalls weniger preiSgegeben- Thätigkeit ihrer unnatürlichen und schiefen bürgerlichen Stellung des Mittelalters entgegen zu arbeiten und derselben das Gleicht gewicht zu halten. Daher sehen w,r überall unter den Israeliten Handwerke aller Art erblühen und vielversprechende Handwerksvereine erstehen, die nicht nur so viele historische Unbilden außgleicheu, sondern sie Auch von der Wurzel der öffentlichen Meinung, in der sie noch hie und da ruhen, ablösen sollen. Mit innigem Bedauern und wahrer Betrübniß müssen wir aber vernehmen, daß unser so viel verheißender Hand, werksverein, statt immer mehr gestützt und gefördert zu wer, den, au» Mangel an Unterstützung in der Entfaltung seiner wohlthätraen Wirksamkeit sich gehemmt und beschränkt sieht. Daher meine dringende Aufforderung an alle bem.it, telte, wohlhabende und reiche Israeliten, dieser wahrh.ft würdigen und religiösen Anstalt ihre sorgfältigste Theilnahmc und Unterstützung;u;uwenden. In diesem Handwerksverein und in dem durch ihn sich kundgebenden Streben nach gemeinnütziger Thätigkeit und würdigem Lebensberufe liegt die sicherste Bürgschaft einer besseren Zukunft, ruhet die wohlbegründete Hoffnung auf endliche Anerkennung unseres Rechtsanspruches auf bürgerliche Gleichstellung, in der t h a t sä ch l l ch en Darlegung näm. lich, daß die israelitische Glaubensgemeinde nur in ihrem Glauben, nicht aber in ihren Werken, in dem Gegenstände ihres ewigen Höffens, aber nicht ihres zeitlichen Wirkens von allen Andern im Vaterlande sich unterscheidet, daß d:e zu ihr s.ch bekennendem Genossen nich nur als Menschen und Un- 53 rerthaneu ihre Menschen- und Unrerthanenpflichte» getreulich erfüllen, sondern auch mit ihrer Hände Werke da- Gemein, wesen fördern, durch thätlgen Antheil zum nützliche» Gemeinwohl beitragen. Ja, nur dann dürfen wir nach deS Pfalmiften Worten: „Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertraue Ihm und Er wird eS vollbringen," (37, 5.) unsere Sache getrost Gott anheim stellen, Ihm vertrauen und Er wird es vollbringen." In Kassel hat ein israelitischer Bürger Namens Irre, mias Rothfels (früher Rothschild) sich nicht nur um seine Gemeinde — sondern um die ganle Stadt durch eine seltene Wohlthätigkeit verdient gemacht. Er gründete zum Andenken an seine verstorbene Gattin eine Stiftung mit der Bestimmung, daß das Einkommen im Betrage zu 460 Thaler jährlich zunächst zur Beschaffung der Hausmiethe unter 20 verlassene Arme so verthe,lt werve, daß immer zehn Präkenden den Arwen der israelitischen uud zehn den Armen der christlichen Gemeinde zukommen sollen. Gleiche Humanität beweisen die Christen in Trier gegen ihre israelitischen Mitgürger. Sie bieten ihnen freundlich die Hand zu allem Bessern, und nicht nur haben sie in einem der städtischen Gebäude ein Schullocal für die israell« tische Jugend und eine Wohnung für deren Lehrer angewiesen und auS städtischen Mitteln eine Zulage zum Gehalte de» Ersteren verwillrgt, sondern wollen mit gleicher Bereitwilligkeit ein Local für eine neue Svnagoge hergebe». — Das erledigte Radbinat daselbst ist nun mit einem Herrn Kahn besetzt, der sich in seiner Antrittsrede offen und freimüthig um Systeme der rationellen Rabbinen bekannte. Aus Wien wird den öffentlichen Blättern geschrieben: „Ein galizischer Israelit, der sich selbst Professor Dänemark nennt, bildet hier durch sein erstaunliches Eedächtn'ß das Tagesgespräch und beschäftigt selbst die Forschungen der Gelehrten. Scinn in seinem I2ten Jahre wußte er den gan;en Talmud auswendig. Dem in seinem nationalen c,Nische« Tracht in Nichts von' einem gewöhnlichen polnischen Juden sich unterscheidenden Mann wu de die Ehre zu Theil, s-d im Salon des Fürsten Metternich zu prcduzire«, wozu auch ausgezeichnete hiestge Naturforscher und Sprachku-dige beigezogen waren. Neben Beweisen seines ungemeinen Gedächtnisses nußte er (wie man »'ch erzählt) auch den Inhalt un« aufgeschlossener hebräischer Briefe anzugeben; legie man ihm ein eingebundenes Buch vor, fo belastete er mitten Fingern den Decke! und bezeichnete die Sprache, in der es geschrieben. Ward in einem ihm fremde» Buche ein Blatt nngebogen, so wußte er das Wort zu nennen, welches durch die Spitze jenes Einbuges berührt worden ist. Derselbe wurde beim Abschied von dem Fürsten mit einer goldenen TabackSdose worin eine Banknote von 100 Fl. C. M. gelegt war, beschenkt. Auch Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Frauließ den Professor zu einer Produktion zu sich bescheiden, die eben so zur höchsten Zufriedenheit ausfiel und ihm ein ahnsehnliches Geschenk brachte. Professor Dänemark machte allen Ernstes den Vorschlag, wenn man die gesammte Besatzung von Wien ausrrcken lassen wollte, und ihm jeder Soldat seinen Namen nennen würde, so sei er im Stande sie alle wieder der Reihe nach ber-usagen. — Auch im H. use des Freihe. rn von Rothschild fand eine derartige Produktion statt, wobei auch der die-ge