Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1842)
- Date
- 1842-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SS Menschen und «A nennen sie Geist. — Der Menschengeist in seinem Universalleben ist das Selbstbewußtsein der Erde, und nur als solches kann ihm ein Veredlcn der Natur und eine neue Schöpfung der Kunst möglich sein." „Die Erscheinung, sowohl in der Natur als in der Kunst, welche mit dem Ideale des Universallebens des Geistes übereinstimmt, benennt er schön, und diejenige, welche mit dem Ideale des Jndividuallebens übereinstimmt, heißt er gut. Das Vermögen des Geistes, die Erscheinungen mit diesen ihm angebornen Urtypen zu vergleichen, sie zu vernehmen, um sie als objectiv wahr oder unwahr zu beurtheilen, ist das Vernehmende, die Vernunft. Die Schöpfung des Guten liegt nur im Geiste, sie wurde ihm als Object für das Ideal des Guten gegeben, dessen er sich bewußt werden soll. Diese Manifestation des Urseins, als Schöpfung des Guten, ist diejenige welche allgemeine Offenbarung genannt wird." „Wird das im Geiste ruhende Ideal vom Guten mit seinem Verwirklichungsbestreben nur als menschliche Nöthigung betrachtet, so gehören unsere Handlungen auch nur vor den menschlichen Richterstuhl und das Gute und das Böse wird nur auf der Wagschale des Eudemonisinus abgewogen; wird aber das Ideal vom Guten zugleich als göttliche Offenbarung anerkannt, so leisten wir in der Vollziehung der Tugend einem göttlichen Gebote Genüge, so wie die Unterlassung der Sünde aus weiter keinem anderen Grunde geschieht, als aus dem, um nicht gegen den Willen Gottes zu handeln. — Nur als Vorschrift einer göttlichen Offenbarung ist das Gute Tugend, ist das Böse Sünde. Der Inhalt des Geistes nach seinem Jndividualleben ist das Ideal vom Guten, geweckt durch die göttliche Offenbarung; feine Aufgabe, dieses Ideal zu realisiren, der Stimme der Offenbarung zu folgen, ist Bestimmung des Menschen." „Die Vorsehung ist nicht ein blindes eisernes Fatum einer unerbittlichen Nothwendigkeit, sondern das sich selbst bewußte, freie, sich stets offenbarende Gotteswalten. Gottes Schöpferkraft ist ewig fortwirkend, und eine jede Erscheinung, die sich unserer Wahrnehmung darbietet, ist die Hülle einer thatigen Kraft Gottes." — „„So er spricht, so wird's, so er gebietet, so stehet es da."" Aber verdient dann der Mensch noch frei genannt zu werden? ist er dann nicht das wissenlose Werkzeug in der Hand Gottes? — Er ist cs auch, wenn fein Wille als ein für sich bestehender Menschenwille neben dem Willen Gottes gedacht wird, in welchem Falle Gott entweder die Verwirklichung des menschlichen Willens zuzulassen gezwungen sei, wodurch er freilich aufhört allmächtig zu sein, oder, soll seine Allmacht gerettet werden, den menschlichen Willen stets nach dem seinigen umgestalten und demnach dem Menschen die Freiheit nur dann lassen müsse, wenn sie mit seinem Weltplane übereinftimmt. Anders aber ist es, wenn der Mensch nicht außerhalb Gottes seiend gedacht und der Menschengeisi als eine unmittelbare Position Gottes erkannt wird. Im Menschen will Gott; Menschenwille und der im Menschen sich offenbarende Gotteswille ist identisch, weil aber der Mensch auf der Grenze zwischen Natur und Geist stehet, und weil dadurch sein Wille in der zwiefachen Gestalt als Naturwille und als Geisteswille sich darstellt, wird dem Menschen eine Freiheit zugedacht, daS Vermögen nämlich, dem Willen des Geistes, oder dem der Natur zu genügen." „Natur und Geist als Gegensätze aufzulösen, sie auf eine solche Weise zur Identität zu bringen, daß keiner von beiden untergehe, ist das Ideal, daS der Menschengeist zu realisiren strebt, ist die Aufgabe unserer Bestimmung." „Die Geistesfchöpfung, oder der reale Gehalt des Geisteslebens war, wie der reale Gehalt des Naturlebens, als Verwirklichung einer Gotteskrast nach dem Werden des Erdorganismus vollendet, und da wir diese Geistesschöpfung als Offenbarung bezeichnten, so können wir behaupten, daß bei der Schöpfung der Erde auch zugleich die Offenbarung mitgeschaffen wurde. Diese Offenbarung, welche objectiv gegeben ist, ist die vorhistorische Offenbarung für das Menschengeschlecht, denn ihr Werden liegt außerhalb der Zeit, also außerhalb dem Gebiete der Geschichte. — Der Geist welcher als das Bewußtsein der Erde auch um sich selbst wissen muß? bringt diese objectiv gegebene Offenbarung durch das Wissen um dieselbe zur Subjectivität, und kann sie auch nur in dem Moment als daseinlich anerkennen, in welchem er sie weiß. Dieses Bewußtwerden einer objectiv gegebenen Offenbarung, oder, was dasselbe ist, diese Erkennrniß des Geistes von seiner ihm von Gott gegebenen Bostimmung, ist die historische Offenbarung, weil dieser Erkenntnißmoment im Laufe der Zeit, also innerhalb dem Gebiete der Geschichte stattfand. Die vorhistorische Offenbarung ist als solche einzig, es ist diese der objectiv gegebene Inhalt des Geistes; 'die absolut wahre, historische Offenbarung ist als solche ebenfalls einzig, cs ist diese das klare Wissen um diesen objectiv gegebenen Inhalt; der relativ wahren historischen Offenbarungen aber gibt es mehrere. Eine historische Offenbarung ist relativ und nicht absolut wahr, wenn der Geist nicht das absolute Ideal der Menschheit, sondern ein solches Ziel als das zu verwirklichende Ideal erkennt, welches von dem Einflüsse der temporellen und lokalen Verhältnisse bedingt wurde." „Religion ist somit: das einer ganzen Gesellschaft gemeinschaftliche Wissen um ein Ideal und das Streben nach der Realisirung desselben. Da nun der Inhalt des Geistes ein zwiefaches Ideal ist, so muß es auch, kann es aber auch nicht mehr, als zwei Religionen geben, nämlich eine Religion für das Ideal des Universal-, und eine für das des Jndividuallebens; erstere nennen wir Heidenthum, letztere Judenthum. Schaffet im Heidenthum der Geist das Bild seines Gottes aus dem Ideal seines Universallebens und erkennt sich somit als Theil-