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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-03-20 · Heft 12 (20.3.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 12 (20.3.1842)
Date
1842-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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49 Beharren in dem, nicht immer glimpflich berührten Judenthume zu rechtfertigen sucht. ' Das Judenthum als eine absolut nothwendige Erscheinung in der Menschheit hinzustellen, und nachzuweisen, daß es noch jetzt als eine solche betrachtet werden müsse, und daß es in seiner wesentlichen Fortbildung sich zur universellen Religion der civilisirten Menschheit erhebe, ist die Aufgabe, welche in dieser Schrift gelöst werden soll." (Fortsetzung folgt.) Getchichtr des Tagrs. Unsere Leser wissen bereits, daß unter den Rabbinen, welche sich für das Gebetbuch im Hamburger Tempel erklärt, auch der greise Landrabbiner Friedländer in Brilon gehört. Mir freuen uns nun, heute auch das Schreiben desselben an die Direktoren und Prediger des Tempels, mit welchem er seine gutachtliche Erklärung begleitete, mittheilen zu können. Es gibt ein neues schönes Zeugniß von der Wahrheitsliebe und Freimüthss.kelt dieses frommen Greises und fordert so manche seiner jüngeren College» beschämend zur Nachahmung auf: „Wenn ich (schreibt der würdige Verfasser) mich auf der einen Seite zum innigsten Danke verpflichtet fühle für das am 23. Novemb. hier angekommene ehrenvolle Schreiben und daS darin ausgesprochene liebevolle Vertrauen: so sindich auf der andern Seite die schönste Zierde des hohen Alters und den beseligendsten Lohn langjährigen, mühevollen Ringens darin, daß Sie, innigstverehrteste Herren, die jüngeren, cinnchtovolleren geschickteren Streiter, in deren berühmten Namen sich die erhabensten Ideen der Menschheit verkörpern, den alten Waffenbruder einer Aufnahme in Ihre Kampfgenossenschaft gewürdigt haben- Ihrer geehrten Auff orderung und der Wahrheit gemäß füge ich beifolgendes Gutachten ergebenst bei. Von Einzelheiten in dem eingesandten Gebetbuch, habe wegen der großen Vorzüge, die dasselbe hat, gerne abgesehen, und würde auch — da ohnehin der Hamburger Ritus von der Synagoge zu Soest aus durch Herrn Obervorsteher Hellwitz sich über fast ganz Westxhalen in manchen Punkten ausgedehnt hat — keinen Augenblick anstehen, um Einführung desselben in meinem Sprengel bei Hoch!. Regierung eiazukommen, wäre darin nicht noch die Liturgie für die nichtmofaischen Festtage mitaufgenommen. Nichtwell ich zuerst durch einige Brochüren die Abschaffung derselben in vielen Gemeinden innerhalb und außerhalb me», nes Amtskreises bewirkt, sondern weil es meine unmaßgebliche Meinung ist, daß bei einer verbesserten, von äußeren Hemmnissen freien Liturgie, wie die Ihres herrlichen Instilnts, und bei einem, wie der Vorbericht des fraglichen Gebetbuchs angibt, zur Einfachheit zurückkehrenden israelitischen Gottesdienst, solche Unwesentlichkeitcn gewiß derogirt zu werden verdienen. Es ist freilich betrübend, daß, nachdem schon vor geraumer Zeit durch das gediegene „Nekemerh Nekam Berith" die Angriffe Feindlichgestnnter zurückgeschlagen, eS jetzt noch einer zweiten Manifestation bedarf. Doch der Sieg wird Ihnen nicht fehlen! Der Gott der Wahrheit möge die auf den rechten Weg bringen, welche das nbü E'nbüD ib r.ryw p# über Ihr Institut ausrufen. Indem ich schließlich noch ergebenst bitte, mich seiner Zeit vom Ausgang der Sache geneigtest rn Keni.tmß setzen zu wollen, reiche ich Ihnen in brüderlicher Siebe die Hand." Neuerdings wird in öffentlichen Blättern Folgendes aus Berlin berichtet: „Mit regem Interesse wird eine Allerhöchste Cabinets- Ordre in Betreff der Juden besprochen. In derselben soll auf das in der Geschichte einsam stehende Faktum hingewie-. sen sein, daß ein aus seinem Lande vertriebenes, überall verstreutes Volk durch eine Reihe von Jahrhunderten ferne Ergenthümlichkeit so streng und rein bewahrt habe. Eine solche Erscheinung dürfe nicht übersehen und geringgeachtet werden und es sei eine Pflicht der Humanität, der Erhaltung der jüdischen Nationalität durch Eintheilung der In dividuen in Körperschaften, durch die Erlaubniß, Volksthümliche Sitten zu hegen und auSzubilden und durch Ee» Währung einer kirchlichen Verfassung zu Hülfe zu kommen. Ungefähr mit diesen Worten wird von glaubhaften Männern der Inhalt dieser Cabinets-Ordre angegeben, welche, wie sie in der gewähltesten Form geschrieben sei, den Eeist der zartesten Schonung nationaler Verschiedenheit und der edelsten Humanität athme. Aber zugleich werden Stimmen laut, welche zu bedenken geben, daß, zumal in neuerer Zeit, in welcher zuerst in einigen Ländern dem unglücklichen Volke die Möglichkeit einer freien Entwickelung wurde, die Juden der verschiedenen Länder trotz der unvertilgten, von zedem heilig gehaltenen Nationalelgenthümlichkelt sich wesentlich von einander unterschieden; daß der erfreuliche und schnelle Aufschwung, den namentlich die Juden des preußischen Staates seit 1812 genommen, sie eng und in einer Weise mit ihren christlichen Mitbürgern vereinigt habe, um eben diese völlige Gleichstellung als das köstlichste Geschenk Friedrich Wilhelm III. zu verehren und sie jeder corporativen Abänderung überzuordnen. Namentlich äußert sich die wolfl unbegründete Furcht vor der möglichen Aufhebung der Militärpflicht; es wird darauf hingewiesen, daß der verrufene Schutzzoll eine Abgabe war, welche die Kriegsdienste zu einer Zeit abkaufte, in welcher die Heere ans Söldnern bestanden und dem zu Bode» getretenen Inden die Zahlung der Steuer ein geringeres Nebel schien, als der Stock des Corporals. Ohne Zweifel sind alle diese Bedenke» unnütz, was den nur unvollkommen bekannten Inhalt der Allerhöchsten CabinetS-Ordre betrifft, da derselbe gewiß nicht dahin lautet, eine remmenschliche Entwickelung zu ersticken, die mit dem Einseitigen und Negativen einer Volksthümlichkeit nicht deren eigenthüml-che Vorzüge vernichten wird. Wer erinnert sich nicht des königlichen Wortes, welches unfern polnischen Mitbrüdern die Wahr m g ihrer Nationalität verheißt, sie aber auffordert, nicht preußische Polen, nein polnische Prer ßen zu sein

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