Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1842)
- Date
- 1842-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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so 2c m Nafsayseste. „‘Jiuf vier Charaktere deutet die Schrift: das denkende Kind, den sündhaft Widerstrebenden, den Unwissenden und den Unmündigen, der seine Frage noch nicht zu stellen weiß." I« „Was spricht das denkende Kind? „Was bedeuten diese Zeugniffe (Symbole), Gesetze und Verordnungen, welche der Ewige euch geboten hat? So theile ihm denn Ordnung und Vorschrift des Passah mit, bis zum Gebot, daß auf das Passah kein Nachtisch folgen darf." (Hagadah.) L er du so glücklich bist, ein denkendes Kind zu haben, das begehret, gründlich eingeführt zu werden in den Geist der göttlichen Vorschriften, unterlaß nicht so wünschenswertem Verlangen entgegen zu kommen- Lehre dein Kind, Alles was an dem Passah-Abende vorgehet, im Lichle der Religion zu begreifen und zu würdigen, vom Anfänge bis zun: Schlüsse des feierlichen Mahles,^wo der Grundsatz Anwendung sinder, daß mach dem Pah ah kein Nachtisch, zu blos weltlichem Genuhe, mehr gestattet sei. Willst du aber in solchem Sinne auf die Deinigen wirken, ft mußt du vor Allem dich selbst zu den heiligen Gedanken des Festes zu erheoen wissen, sstnd zwar muß dir als eine Hauptwahrheit bei seiner Feier vorsckwcben, was die Hagadah mit den Worten andcutet: „Zu aller Zeit erkenne Jeder das Werk der .Befreiung als an ihm selber vollbracht an, denn nicht unsere Vater allein crlösete Gott, sondern auch uns erlösete er mit ihnen '■ Würde sich Gott damals unserer nicht angcnomm.en haben, möglich, daß dann die unmenschlichen Betthce der Pharaonen unser aufblühendes Geschlecht im Kenne crstickt harren, möglich, wir lebten noch unter den Sklaven jenes Welttheilcs, die Gefühllosigkeit und Gottvcrgcnenheir dem Elende und dem Tode weihet. Hatte ^-orr uns damals nicht erleuchtet mit dem Lichte der Offenbarung, die Schmach der Unwissenheit würde unser Antheil sein, die Wahrheit würde zu andern Völkern sich gewandt haben und Götzendienst vielleicht wäre unsere Religion. Darum erhebe dich zu dem großen Gedanken jener noch forrwirkenden Befreiung, fühle die Wohlthat^der wahren Erkenntniß, die Wohlthat richtiger Begriffe über des Menschen Ziel und Bestimmung, den Segen wahrer Erleuchtung über Gott uns sein Wesen, das höchste Zitt menschlicher Forschung, und setze dich mit diesen königlichen Gedanken — denn die Weisheit, sagen unsere Lehrer, ist die schönste Krone — setze dich an das durch religiöse Elemente besonders geweidete Mahl der Passah- Abende." II. „Was spricht der sündhaft Widerstrebende? „Was soll euch dieser Dienst?" „Euch" und nicht ihm! Dieweil er sich also von der Gesammthrit ausschließet, leugnet er die Grundgedanken des Glaubens. So bring ihn streng zum Schweigen und jag ihm: Ich feiere dieses Fest, wegen dessen, was Gott an mir gethan, da ich auszog aus Aegypten. „Mir" und nicht ihm; Wäre er gleich selbst mit gegenwärtig gewesen, an ihm hätte die Befreiung sich nicht erfüllt." (Hagadah.) Was soll dieser Dienst? Dieser Knechtsdienst! Wozu die Feier dieser Feste, mit ihren bestimmten Zeiten und Vorschriften? mit ihrem Gottesdienste und ihren Gebeten? wozu die alljährliche Wiederkehr des Passahfestes? wozu alle die besonder», religiösen Gebote und Verbote? In der That vernimmt man auch jetzt noch mitunter die Meinung, daß eine bloß innere Gottes - Erkenntniß, eine reine Moral genügen möchte, ohne jene Symbole und besondere, religiöse Vorschriften und Handlungen, die, wie man sagt, das äußere Leben mannigfach beschränken und ihm seine volle Freiheit rauben. Aber fragen wir uns, wie oft wir der gegenwärtigen Liebe Gottes und seiner Wohlthaten, wie oft wir des Daseins einer überirdischen Welt gedenken würden, ohne die mannigfachen Erinnerungen der Religion, ohne die Feste, die das Jahr umschließen? Fragen wir uns in unserm Gewissen, wie oft wir wahrhaft an Gott denken würden; denn auch von Gott sprechen, heißt noch nicht an ihn denken, mit ganzer Seele, mit dem ganzen Vollgefühl des Lebens sich in seine Herrlichkeit versenken, sich als sein Kind, als sein Ebenbild fühlen und geweihet,! beseliget in dem Gedanken aufgehen und sich verjüngen! Es lautet vielleicht befremdend, aber dennoch bleibt's unwiderlegliche Wahrheit: Es ist dem Menschen nicht möglich, blos geistig das Geistige festzuhalten. Zu schwer drückt seine eigene körperliche Natur ihn nieder, zu zerstreuend wirkt all das Sinnliche, das ihn umgibt, auf ihn ein. Eine Reihe von religiösen Handlungen, die noch keine Religion der Erde entbehren konnte, muß, außer ihrer anderweitigen Bestimmung, auch seinem Geiste zu Hülfe kommen, daß er über die sichtbare Gegenwart, die sein Auge blendet, die Fernen einer unsichtbaren Gotteswelt nicht vergesse." „So will auch ich in solchem Sinne frei werden! Und ist es mir in diesem Jahr noch nicht gelungen, jeder Abhängigkeit vom äußern Leben, in dem Maße, wie Religion es fordert, zu entsagen, stehe ich noch mannigfach in der Dienstbarkeit der Täuschungen, so soll mein Srrcben um so eifriger sein, auf daß das Fest des nächsten Jahres mich geübter finde, wahre Freiheit im Dienste Gottes zu suchen! Angekommen: Drei Rede» von B. Wechsler. — Pre, dillft bei dem Trauergottesdiensie m Kissingen von Dr Adler. Druck und Verlag von $. S ch «stre tn HerSfeld.