Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1842)
- Date
- 1842-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44 keine andere Schönheit der Blumen das Auge des Menschen. Der Oelbaum fragte: weiche Milde und Lieblichkeit eurer Fruchte käme der meinigen gleicht Die Dattel antwortete: ich bin süßer als der Wein, milder als die Olive. Da. riefen die vier Streitenden zur hohen Platane: sage uns du viel tausendjährige, älteste, welchem Gewächs gebührt der Preist Die Platane sprach: „der Saft des Mohns bewegt mächtiger noch als der des Weines das Herz des Menschen, die Trunkenheit die er macht ist tiefer und wunderlicher als die von der Traube; sein Purpur, wenn er über ganze weite Gefilde sich ergießt, rührt mächtiger die Sinnen als die zarte Röthung der vereinzelten Rose: sein Del ist lieblich wie das der Olive; die Biene spricht zum Mohn: dein Honig schmeckt mir süßer als der der Datteln." Was der Weinstock unter den Gewächsen, das ist Jstambul (Konstantinopel) unter den Städten; was die Rose, das ist Brusa; was die Olive, Adrianopel; Kairo gleicht der Dattel; Damaskus, die Stadt der Feigen, laßt mir dem Mohn sich vergleichen, denn wer Damaskus genossen der hat die Freuden von Stambul, von Brusa, von Adrianopel und Kairo, ja mehr denn in allen war, empfunden. Srtchicsstr drs Lagrs. (Schluß des Aufsatzes von Dr. Weil über die den Juden in Preußen angeblich einzuräumenden Co-porationsrechte-) „Wie Pflicht und Recht sich überall gegenseitig bedingen, so ist die, in gewisser Begebung schwerste, Bürgerpflicht, auch' das schönste Ehrenrecht. Der Staat soll des Mannes Recht und Ehre schützen, der Mann soll für des Vaterlandes Recht und Ehre willig sein Blut vergießen. Die Pflicht des Vaterlandes, seine Söhne als solche anzuerkennen, ist dieser Letzteren Recht. Das Recht des Staate-, wenn es Noch thut, semer Bürger Gut und Blut in Anspruch zu nehmen, ist die Quelle der Bürgerpflichten- Eins fließt aus dem Andern, wie Ein? das Andere bedingt. Die Juden nehmen die Bürgerrechte in ihrem ganzen Umfang >n Anspruch. Sie beweisen rhr Recht dazu, da es ihnen als eine schwere und unverdiente Kränkung erscheint, will man der Bürgerpflichten sie entheben. Ihr Wunsch ist: dem Staate, dem sie angehören, sich immer -enger aisschließen zu dürfen, nicht aber in seiner Mitte einen eignen kleinen Staat zu bilden, mit eignen Rechten und eignen Pflichten. Viele und gewichtige Aeußerungen des großherzigen Königs von Preußen scheinen hinlänglich anzudeuten, daß Er wohl erkannt, wie dieser Wunsch übereinstimme mit dem, was das allgemeine Beste heischt, das am meisten gefördert ist, wenn dre Mannichfaltigkeit, die in den Kreisen des religiösen Lebens herrscht und herrschen soll, in der großen Idee des gemeinschaftlichen Vaterlandes ihren irdischen, wie m der des Allvaters ihren himmlischen Mittelpunkt findet. Als in einer der Städte seines Reiches der Kastengeist die jüdischen Unterthanen abhalten wollte, sich der Feier anzuschließen, welche wegen der Anwesenheit des Monarchen in ihren Mauer» begangen ward, da verhinderte des Landesvaters hohes Wort die beabsichtigte Trennung. Was Er aber un Kleinen und in vorübergehender Weise nicht ge, wollt, das kann, im Großen und in dauernder- Art, noch weniger Sein Wille seyn. Von Preußens Staatsmännern, von denen Einer*) das schöne und seltene Beispiel gab, die moralische Co-segnen; deS Ehrenmannes über das zu stellen, was Schriftstetlereitelkeit so oft für Consequenz gegen dar Publikum hält, und offen;u bekennen, er ser von dem Jrrthum zurückgekommen, daß des Staates Wohlfahrt durch eigene Judengesetzgebungen befördert werde, — von Preußens Staatsmännern ist ein Vor« sivlag, der mit der hohen Jntellige.,; dieser Regierung in so offenbarem Widerspruche stände, eben so wenig zu befürchten. Sollten all so reactionaire Ideen dieser Art doch noch in einzelnen Köpfen spuken, und hie und da wieder auftau» chen, so werden sie gewiß von Preußens erhabenem Könige und seiner weisen Regierung nicht minder zurückgewiesen werden, als von dem Geiste der Zeit und der wahren öffentlichen Meinung, welche auf Vereinigung, nicht auf Trennung dringt." Die Gesellschaft der Freunde in Berlin, aus den achtbarsten Gliedern der israelitischen Gemeinde bestehend, feierte kürzlich ihr 50jährlges Jubelfest. Interessant ist es zu vernehmen, wie die Gesellschaft aus der Verfolgung, die damals mehrere junge Männer, welche es nicht mit den Orthodoxen hielten, sich zugezogen, entstand. Einer ihrer ersten Zwecke war, gegen die frühe Beerdigung jüdischer Leichen zu wirken. Dabei übte sie einen hohen Grad von Wohltharrg-. Fett aus, so daß in den 50 Jahren ihres Bestehens nicht weniger als d0,092 Thlr. für milde Zwecke verausgabt wurden Berm Stiftungsfeste waren die angesehensten Slaatsbeamten als Gaste erschienen- Man sah u. A. die Geh. O. Regier. Räthe Streckfuß und Brüggemann, von denen Ersterer im Ministerium des Innern und Letzterer im Ministerium des Culrus d>e Angelegenheiten der Israeliten zu leiten hat; die Kapellmeister Felix Mendelsohn und Meneebeer, Mitglieder der Gesellschaft, waren ebenfalls zugegen. Unter mehreren Toasten zeichneten sich der des Ober-Bürgermeisters und des Geh. Raths Brüggemann aus. Ersterer äußerte, daß die Stadt Berlin sichs stets zur Ehre gerechnet habe, ihre wackeren israelitischen Mitbürger auch als solche anzuerkenncn; und Letzterer sprach den Wunsch aus, daß der wahrhaft Einigenden, Liebenden und Strebenden im Vaterlande immer mehr werden mögen. Dem Herrn Geh. O. Reg. Rath ist in seiner Stellung am ersten Gelegenheit geboten, für die Er. füllung eines solchen Wunsches zu wirken und so die Aufrichtigkeit desseben durch die That zu beweisen. Mit Wahrheit und Humanität spricht sich ein Berliner CorreSpondent in der Leipz. Allg. Zeitg. über die kürzlich erschienene Schrift: „Die jüdischen Gauner in Deurschl.'nd" aus. *) Herr Ober-Regierungsrarh Strecksuß.