Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1842)
- Date
- 1842-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2566802-2566814--0306-2567920- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
46 In einzelnen Cirkeln hat man hier verschiedentlich Anstoß daran genommen, daß der Verfasser zu seinem Buche gerade den angegebenen Titel gewählt. Man fragt: warum gerade jüdische Gauner? Gibt es deren christliche ja doch noch mehr! Dies ist indessen wohl eine unzeitige Empfindelei, die überall gleich Angriffe gegen das Iudenthum m sehen glaubt. Daß dies in des Verfassers Absicht nicht gelegen, hat er in dem Buche selbst deutlich genug ausgesprochen. Er redet sowohl von christlichen als von jüdischen Gaunern, und so lange man überhaupt in der Criminalsprache christliche und jüdische Verbrechen kennt, kann in der Bezeichnung „jüdisch" wohl kein offener oder versteckter Angriff liegen. Traurig sieht es noch in Bödmen aus und die dortigen Rabbinen scheinen noch gar nicht zum rechten Bewußtsein ihrer Stellung gelangt zu sein. Zum Behufe einer Derbes, serung des Gemeinde, und Rabbinatswesens forderte die Regierung Berichte von sämmtlichen Kreis-Rabbi> en. Wenn irgendwo, so ward gewiß hier den Kreis-Rabbiner, Gelegenheit geboten, durch gemeinsame Berathuug eine w. hlmotivirte Instruction zu entwerfen, in welcher das Dcrhältniß des Rabbinen zur Gemeinde mit Rücksicht auf die historische Entwickelung des Rabbinal-Institntes und auf die gegenwärtig immer lauter werdenden Anforderungen an die jüdischen Geistlichen halte fesigestellt und daö in seinem Ansehen so rief gefunkene Rabbinat in seinem eignen Interesse so wie im Interesse der guten Sache zu seiner früher« Würde harre reprisiinirt werden können. Aber von allem diesen geschah nichts. Anstatt die Quellen anzugeben, aus welchen das jetzt so betrübende Mißverhältniß zwischen Gemeinden und Rabbinen stießt, und gemeinschaftlich zu berathen, wie diese Uebelstande beseitigt werden könnten, bat jeder der (mit Einschluß des aus drei Rabbinen bestehenden Ober-Inristencol.'egramS in Prag) fünfzehn in Böhmen angestelite., Krels-Rabbinen ohne irgend eine gemeinschaftliche Berathung oder Be« svrechung und ohne Rücksicht auf die Verhälrn'.sse anderer Gemeinden sein abgesondertes Gutachten erstattet und zunächst nur größtentheils pro 202 et focis gestritten. Immer erfreulicher lauten aber die Nachrichten aus Rußland. Ermmhigt durch den hochherzigen Elser der Regierung ging Ilr. Lilienthal kürzlich selbst nach Wilna und brachte es dahin, daß die Thalmud-Thora-Stiftung, in welcher bisher nur Thalmud unterichtet wurde, in eineFreischnle umgewandelt ward, deren Zöglinge außer dem hebräischen Unterrichte nun in den zum bürgerlichen Leben nöthigcn Kenntnissen unterrichtet werden. So gut wollte es einem altteftamentlichen Missionspredlger, der vor einigen Monaten in Breslau predigte, nicht gelingen Israeliten, für die er doch eigentlich predigte, sollen gar nicht in der Kirche gewesen sein. Man hat auch die Texte ganz ungeeignet gefunden, die er dafür gewählt hat. l)r Geiger — meinten überdieß die Breslauer —brauche einen nichtigen Gegner, wenn ihm seine Zuhörer abgewonnen werden sollen. In Heidelberg starb der sehr verdiente Dr. Rehfuß, Israelit.!$4>. Dritter Iahrg. Prediger und Vorsteher -er israelitischen Volksschule. Dem zahlreichen Leichenzuge schlossen sich Bürger aus allen Confessionen an. Wahrhaft erheben- und aufs neue von dem hohen edlen Sinne Montefiores das schönste Zeugniß gebend, ist die Antwort, welche derselbe auf eine an ihn gerichtete Adresse -es Rabbiners Grünwald im Würteml ergischen gegeben hat. „Ohne Stolz (so heißt es darin) darf ich e§ sagen, ich bin der Mann, der das heilige Land unserer Vater oft und öfter gesehen, ich wandelte in demselben oft nach seiner Länge und Beite einher, und ick glaube, daß mir RichtS m Bezug auf dasselbe entgangen sei. Ich darf es bezeugen, -aß eö noch nicht aufgehört hat, ein Land der Herrlichkeit Dan. 8, 9) zu sein, ein Land, das so zu sagen, von Milch und Honig überströmt. Auch seine, wenn gleich nur geringen jüdischen Einwohner, sind, obgeich gering an Zahl, nicht so verzagten Herzens und von so geringer Bildung und Gesittung, wie wir zu glauben geneigt sind, aber von dessen Gegcnlheil ich mich nur zu gut überzeugt habe. Mahr!- >, wahrlich ick kann es bezeugen, daß ein muthiger Smn ihre Herzen durchströmt, und zöge man eine tyavallele zwischen ihrer Gesittung und Bildung und der Bildung der übrigen hier hausenden DolkSstämme, so müßten selbst unsere Feinte ihnen den Vorrang lassen. Eine edele, bürgerliche Gesinnung belebt alle jüdischen Gemeinden Paläsirna's; viele bauen den vaterländischen Acker, viele sind trefstrche Künstler und Handwerter, und nur daS Elend der Zustände zwingt sie oft, den Wanderstab zu ergreifen, der zu einem Bettelstab wird. Al.'e unsere Mühe und Anstrengung für unsere lieben Brüder un heiligen Lande ist aber vergeblich, so lange die bürgerliche Sicherheit und die bürgerliche Freiheit sie nicht schützt und schirmt, und diese Freiheit ist für das der edlen Trauer hingegebene Land noch nicht gekommen. Der Alimä'chtige :st mein Zeuge, daß all die Sehnsucht meines Herzens da! in gerichtet ist, meinen Brüdern das schwer lastende Joch des Exils zu erleichtern und der Dollmetsch ihrer Hoffnungen und Gefühle zu sein; aber wenn ich auch durch dre Gnade Gottes, die sein Volk noch nicht verlassen, Einiges zu ihrer Erleichterung beitragen kann, so ist eS doch gar Nichts gegen das, was für Israel geschehen könnte, wenn die Edlen meines Volkes, seine Sprecher, seine Lehrer, seine Reichen ihre Stimme erhüben und mich mir Rath und Tdat unterstützten." Israels Gebet. (Nach Psalm 123.) O du, der thront in unerffog'ner Fern', Hoch über Himmeln, die du ausgespannt — Wie Knechte schauen auf die Hand des Herrn, Und nie die Magd schaut aus der Herrin Hand; M 11. Blatt 2.