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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-03-13 · Heft 11 (13.3.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 11 (13.3.1842)
Date
1842-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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43 von seiner äußeren Hülle unterscheiden lernen. Ist doch ihr Innerstes, ihr Kern, von Abrahams bis auf unsere Zeiten derselbe geblieben. Noch heute wie damals beten wir den einzigen gütigen Later und Erhalter des Menschengeschlechts an; flehen in Freud und Leid mit derselben Innigkeit zu ihm, ja verstehen noch klarer den Anblickseiner über allen Begriff erhabenen und wundervollen Schöpfung zu würdigen. Die Formen, unter denen sich diese Gefühle kund thun, haben sich freilich geändert. So wenig wir uns wie ehemals kleiden, essen und sprechen, uns doch aber küiden, essen und sprechen, sowenig können die Formen, unter denen sich das religiöse Gefühl äußert dieselben geblieben sein. — Somit ist der Philosophie, die uns grüßtentheils zu diesem Resultat geführt har, nicht der Vorwurf der Zerstörung des religiösen Inhalts zu machen, vielmehr haben wir für immer festzuhalten, daß eine wahrhafte, nicht nur an äußeren Formen Hangende, sondern das Innere ganz durchdringende Aufnahme der Glaubenswahrheitcn die beseeligcndsten Folgen der Religiosität erzeuge, und uns des wahrhaften Ra.-nenS eines Bekenners der mosaischen Religion würdig macke. Ein solches Bewußtsein bietet uns' den stärksten Schutz sowohl gegen Anfeindung von Außen, als gegen Erschlaffung unseres inneren Menschen. — Damaskus. *) Wenn ich des ersten Eindruckes gedenke, welchen Damaskus auf meine Sinne machte, dann fühle ich mich noch immer von einer leisen Anwandlung jenes schwärmerischen Entzückens ergriffen, mit welchem die Bekenner des Islams dieses vielseitige Irem, diese wie Eden prächtige, von den Propheten dreimal selig gesprochene Hauptstadt Syriens preisen. Die drei Jungfrauen des Himmels, welche Allah zur Beseligung des Paradieses geschaffen: Schönheit, Fülle und Weisheit, gingen einst wandeln auf Erden, daß sie die Statte fanden, welche vormals des unsterblichen Edens sterbliche Schwester war; sie wandelten lange und suchten, da aber wo der Weisheit cs zu fein beliebte, ba mochte die Schönheit nickt wohnen; wo die Fülle am meisten sich dabeim fühlte, da misfiel cs der Weisheit. Da sprach die Weisheit zu den beiden Schwestern: laßt uns vereinzelt mit dem Flug der Schwingen durchziehen Meer und Land, nach dreien Tagen begegnen wir uns im Thale von Mina, dann sagt jede von uns, wo sie das Eden der Erde gefunden. Und da die Dreie sich begrüßten'im Thale von Mina, da satt die Schönheit: Edens Glanz ist Scham**), denn auf keinen andern Orte der Erde fällt so herrlich der Strahl der Schönheit von Allahs Angesicht. Die Fülle sagte: Edens irdische Schwester ist Dimischk***), denn ') Aus Sckuberts Reisen in das Morgenland. **) Derorientalische Name von Damaskus. *'*) Damaskus. keine andere Fülle duftet so mächtig nach Allabs schassender Fülle. Die Weisheit rief: das Paradies Gottes bei den Menschen ist Damaskus, denn nirgends wie bür hat Allah solche Gedanken und Worte der Weisheit auf Herzen und Lippen der Menschen ergossen. Da beschlossen die Schwestern, daß sie bei Damaskus drei Zelte ihrer Wanderschaft errichten wolllen; die Fülle schlug das ihre auf in den rausenden der Fruchtgarten und in den Gassen der Stadt; die Schönheit spannte ibr Zelt hinüber vom tönenden Findschaquell bis über die vielsaulige Moschee der Ommiaden; die Weisheit wählte sich zur Stätte der Ruhe, zu der sie oft zurückkebrte, das Grabmahl des Mohijeddin Al Arabi -j-) Darum ist Damaskus ein Becher in welchen die Fülle aller Segnungen ihre Kräfte ergeußt, die Schönheit bekränzt ihn mit dem Liebreiz der menschlichen Anmuth, die Weisheit hält ihn und reicht dem Trinker ihn dar mit Gedanken des göttlichen Besinnens. In der That, es scheint so, als habe diese Stadt, eine Fürstin unter den ältesten Städten der Erde, den Becher der Berauschung, der auch sie, wie viele der Andern, trunken machte, mit etwas größerer Mäßigung genossen als jene, denn sie allein steht noch als eine wohlhabende und kräftige gesunde Herrin des Hauses da, während Ninive, Babylon, Memphis und tausende der andern Fürstenftädte von der Erde verschwanden oder krank und siech sind; während Jerusalem zu einer verarmten elenden Wittwe geworden ist, deren Kinder nach Brod gehen. Lebt vielleicht dieses Damaskus noch fortwährend von dem Erbtheil, das der Glaube, dessen Wunsche niemals seine Erfüllung kehlt, ihm zugcdachr hatte*), bis daß ihm, dem Glauben, obwohl er erstorbenen Leibes geschienen, selber wieder der Erbe des Landes geboren sein wird? Es gibt Gegenden der Erde, so wie Zeiten der Geschichte des einzelnen Menschen und ganzer Völker, in denen die Falle der Lebenskräfte gleichwie über ihre Dämme getreten ist, und wo sich mit jeder Tbat das Vermögen zum Thun, mit dem Genuß das Sehnen steigert. Ein solcher Ort ist Damaskus; ein solcher Moment in der Geschichte des Ganzen ist die Einzelgeschichte dieser Stadt. Vier Gewächse der Erde, so sagt der Bewohner von Damaskus, stritten um den Rang unter den Krautern: der Weinstock, die Rose, die Olive und die Dattel. Der Weinsiock sprach: ich bin der ^Herrscher, denn meiner bewegenden Gewalt an den Herzen der Menschen kommt keine andere Kraft gleich. Die Rose sagte: mir gebührt der Rang, denn wie die meinige rührt i") Dieser war einer der gerühmtesten Mnstiker des Islams; wegen der großen Vielseitigkeit und Tiefe seines kennenS preise» ihn die Mohamedaner als den rweuen Aristoteles-. (m. i\ Hammers Eesch. der Osmarreg, erste Aufl. S. -189.) ') I. Mos. 15, 2.

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