Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1842)
- Date
- 1842-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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34 vvrausfttzen, so dürfte Herr N. Haas mit uns der festen Ueberzeugung sein, daß Moses den rechten Tag gewußt haben müsse, der als siebenter Schöpfungstag, als wahrer Sabbath gefeiert werden muß, wenn er (Exodus 16, 23) sagte: „Ein Ruhetag, ein heiliger Sabbath ist Morgen, dem Herrn geweiht." Aus Exodus 16, 27: „Und es war am siebenten Tage, da gingen einige aus dem Volke hinaus um (Manna) zu sammeln, aber sie fanden keins," geht hervor, daß die Israeliten in der Wüste ein feststehendes Zeichen für den Sabbatb schon durch den Ueberfluß des sechsten Tages hatten. Ist ferner der Dckalog göttlichen Ursprunges, so ist auch evident, daß die gebotene Sabbathsfeier — (auch schon durch den bestimmten Artikel rcam) — zu ihrer Zeit begangen werden mußte." Nachdem noch angeführt ist, wie hoch und heilig die Israeliten stets den Sabbath hielten, wird fortgefahren : „Dürfte dieses alles nicht genügender historischer Grund sein, so fragen wir heute noch wenigstens die deutsche Christenheit, warum sie den, nach ihrer Rechnung dritten Tag der Woche „Mittwoch, Mitte der Woche" nennen? Sie müßen doch vom Montage die Tage der Woche zu zählen beginnen, wenn ihnen ihr Sonntag der siebente Lag sein soll, folglich crgiebt sich doch als vierter Lag oder die Mitte der Woche erst der Donnerstag!!" „Die Astronomen (bemerkt der Verfasser weiter) haben durch Berechnung einen Sonnen-Cyclus auf 28 Jahre festgestellt rc" „Wenn nun allemal gerade jeder Cyclus-Anfang ^uf die erste Stunde des jüdischen Mittwochs, d. h. am vienen Schöpfungstage trifft, wo also die Sonne in denselben Punkt eintritt, in dem sie bei der Schöpfung eingesetzt worden, die Schöpfungsurkunde aber die Sonne am vierten Schöpfungstage erschaffen angiebt, so hatten wir ja den schlagendsten Beweis, daß der vierte Schöpfungstag wirklich Mittwoch und somit unser Sabbarh der wirkliche siebente von Gott gefeierte und uns gebotene Ruhetag sei!" — „Sodann wird geltend gemacht, daß wenn wir die Tage der Woche vom Montag zu zählen begönnen (soll heißen begannen) und der 15. Nissan träfe, wie er nur kann, auf einen Dienstag, Donnerstag, Sonnabend oder Sonntag, oder am 2., 4., 6. oder 7. Wochentage, so müßte doch das Neujahr, welches immer den dritten Tag spater trifft, auf den 4., 6. oder 1. Wochentag treffen, was doch (nach dem jüdischen Kalender) füglich nicht geschehen kann."- Zum Schluffe expectvrirt sich der Verfasser darüber, „daß seine Ansicht ihm den Tadel, sogar Schmähungen, den Namen Finsterling Seitens derjenigen zuziehen wird, die sich die Erleuchteten dünken; daß er gleichwohl aber nicht umhin könne, sie selbst als Lügenpropketen und ihre Demonstrationen als eitel Sophisterei anzuerkennen." — Damit hätte er sich nun nicht zu bemühen brauchen, denn kein Mensch hatte seine Schrift, die jedes höheren wissenschaftlichen Standpunktes ermangelt, einer Anfechtung werth gehalten; ja ich selbst würde ihrer nicht gedacht haben, hätte sie nicht indirect in unserer Gegend eine sehr gute Wirkung ausgeübt, indem sie die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand richtete, der in der That die höchste Beachtung verdient. Es wird nämlich jeder gestehen, daß unter allen religiösen Instituten keines von so wichtiger Bedeutung ist, als der Sabbath. Seine Feier ist die Lebensfrage, die Lebensbedingung für die Religion, sie allein macht es möglich, daß ihrer Erhaltung, ihrer Fortbildung in den Gemüthern Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet werde; ohne sie würde Alles in einseitiger materieller Thätigkeit erschlaffen, würde Niemand sich Rechenschaft geben über die höheren Fragen menschlichen Wirkens und Strebens. Aber sehen wir nur, wie dieser Tag immer mehr entheiligt wird! In großen Städten nimmt die Zahl derer, die heimlich und öffentlich am Sabbath ihr Geschäft betreiben, sehr mit jedem Tage zu. Auf dem Markte, auf der Börse, in den Werkstätten und Gewölben, o ja, da treffet ihr Israeliten genug an; aber in den Synagogen sind die meisten Stände' leer; dort wird es leider balo zur Wirklichkeit werden, was der Prophet klaget: Warrrm kam ich, und Niemand war da; rief ich, und Niemand antwortete mir? In den kleineren Orten vermehrt sich ebenfalls das Beispiel derer, welche ihre Läden am Samstag offen Kalten, sehr merklich, und wenn erst die Handwerke im Zunehmen sind und namentlich der Handel durch Eisenbahnen und andere Verbindungömittel einen größeren Aufschwung erhall und eine unausgesetzte Thätigkeit erfordert, werden auch die kleinen Städte rücksichllich der Entheiligung des Sabbaths den großen nicht nachstehen. Trotz dieser sichtbaren immer mehr zunehmenden Uebertretung des Ges tzcs sieben aber die Rabbinen da und halten eisern daran fest; die Ucbcrtreter selbst erwarten das auch gar nicht anders, sind selbst großentheils weit enfernt, ihre Handlungen anders als mit der äußern Nothwendigkeit zu entschuldigen, und da sie die Feier des Samstags als unmöglich, des Sonntags aber als gleichgültig ansehen, so feiern sie natürlich keinen von beiden, und entbehren so aller religiösen An- und Zusprache, welcher der wöchentliche Ruhetag, beim Israeliten, wie beim Christen, gewidmet ist. Wo soll das enden? Bleibt der Gegensatz zwischen der religiösen Vorschrift und dem wirklichen Leben so, wie bisher, wird nichts zur Vermittlung, zur Ausgleichung beider unternommen, so bedarf es keines prophetischen Blickes, um vorauszusehen, daß der Sabbath im Codex zwar bleiben, aus dem Leben -aber immer mehr schwinden, und auf diese Weise der israelitischen Religion die Wurzel ihres Lebens, die wesentliche Bedingung ihrer Erhaltung und Fortbildung genommen werden wird. Und sollte denn eine solche Vermittelung wirklich zu den Unmöglichkeiten gehören? Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen meine eigene Ansicht hierüber mittheile. (Schluß folgt.)