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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-02-13 · Heft 7 (13.2.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 7 (13.2.1842)
Date
1842-02-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 sein mag, des oft erwähnten Gebetbuches bedienen, keine Juden sein sollten? wie? trotz dessen, daß in jenem Gebetbuche, wie wir deutlich nachgewiesen, keine einzige Grundlehre des Judenthums fehlt, und alle die von der Syuagoga magna (irrS ÄS‘) in der Thar herrührenden Gebete, sich vollständig darin befinden, sollten dennoch die, die in demselben beten, keine Juden sein?" Es wird sodann aus Aeußerungen des Thalmuds selbst und der angesehensten Gesetzlehrer nachgewicsen, daß die Weglassung der Segensformeln vor riElW tpk, mehrerer der Pijutim, der zwölften Benedeiung (C'^en rC"C) sowie der namhaften Erwähnung der Opfer vollkommen gerechtfertigt sei, und in Beziehung auf das, was man hauptsächlich gegen den Tempel vorbringt, folgendes bemerkt: „Das Musapy-Gebet (rpiE rPED) ist die einzige rituelle Andacht, in welcher das Tempel-Gebetbuch von den üblichen Gebetbüchern merklich abweicht. Während nämlich die übliche Formel lautet: Es sei dir wohlgefällig o Gott! uns freudig nach unseren Lande hinauf zu führen und uns einzupflanzen in unser Gebiet, und dort wollen wir die pflichtmäßigen Opfer bereiten, die alltäglichen nach der Ordnung, und die Zugaben (D’lüIE) nach Gebühr; das Mussaph- Opfer dieses Sabbaths (oder des einen oder des andern Festtages) wollen wir mit Liebe dir bereiten u. 's. w. statt dessen betet die Tempel-Gemeinde wie folgt; Es sei dir wohlgefällig, o Gott! mit Liebe und Wohlgefallen die Worte unseres Mundes anzunehmen an der Stelle einstiger Opsergaben, so der täglichen, als der festlichen, so auch unser heutiges Gebet an der Stelle des Sabbathlichen (oder festlichen) Mussaph-Opfers, so wie dein heiliger Wille cs angeordnet in deiner heiligen,Lehre u. s. w. (vergl. Gebetb. S. 64. 121. 161. 268.) Die Abweichung in diesen Formeln springt in die Augen und beruhet auf einem System, auf einem Princip. In der üblichen Gebetsform.l ist der Gedanke vorherrschend, daß die verheißene Restauration Zions und Jerusalems nicht anders statt finden könne, als wenn Israel so weit cs auch zerstreut ist, leiblich und persönlich in dem ehemaligen Vaterlande sich sammele und einsinde, ohne an eine Vereinigung im Geiste zu denken. Die Tempel-Gemeinde glaubt an jene Restauration eben so zuversichtlich; wie würde sie sonst das Gebet: „nwo “p‘2a m'V nrrnm" so oft in ihren Andachten wiederholen! (Gebelb. S. 11. 101. 123. 143. 177. u. s. ».) Wie könnten sie sonst an jeglichem Festtage Gott anrufen „daß er sich erbarme über sein Heiligthum, durch seine große Liebe dasselbe erbaue und dessen Majestät vergrößere (S. 121. 161. 269. u. s. w.) Nur glaubt sie nicht, daß die Restaurarion gar keine sittlich-geistige Seite habe, und daß sie durch die leibliche, persönliche Gegenwart eines jeden Israeliten in dem ehemaligen Judäa bedingt sei. Wir können die Wiederherstellung eines unglücklichen Vaterlandes von ganzem Herzen wünschen, können dieselbe von Gott erbitten, können für diese Idee schwärmen; trotz dessen aber in dem Lande, wohin die göttliche Vorsehung uns gesetzt, verbleiben, nach wie vor darin leben und wirken, der Landesobrigkeit gehorchen, dienen und huldigen, und zwar ganz und völlig im Einklänge mit den Lehren des Jsraelitenthums. — Hatten die Juden im Babylonischen Exil nicht auch die im Namell Gottes ausgesprochene Verheisung: „Ich werde euch sammeln aus all den Völkern und Oertern. dahin ich euch verstoßen?" (Jer. 29, 14.) War deßhalb die Anwesenheit aller Erilirten in Judäa erforderlich? blieb nicht Esra selbst fast noch sieben Jahre lang in Babel? Wie viele Lewiten blieben zurück? War aber die Restauration deßhalb dem gelammten Israel etwas Gleichgültiges, oder waren Zion und Jerusalem deßhalb weniger der Mittelpunkt des religösen Lebens? Demnach ist die leibliche, persönliche Gegenwart in Palästina schlechterdings keine Bedingung von dem Glauben an Israels glücklicher, „religiöser Zukunft," an der wir nicht im geringsten zweifeln." Die Leser des „Israeliten des 19ten Jahrhunderts" dürfen nun aber, nachdem wir ihnen den Inhalt der ersten gediegenen Streit-Schrift in dieser hochwichtigen Angelegenheit mitgetheilt, mit Recht von uns verlangen, daß wir ihnen den Standpunkt angeben, von welchem überhaupt jetzt die Sache betrachtet werden muß, wenn die Betrachtung nicht hinter den fortgeschrittenen Grundsätzen der Zeit bleiben soll. Dazu mögen vorläufig folgende Andeutungen dienen. Als vor 25 Jahren der Hamburger Tempel in's Leben trat, da sah es im Schooße des Judenrhums noch ganz anders aus, als jetzt. Einzelne hatten allerdings in ihrer Ueberzeuqung, wie in ihrem Leben, sich den Fesseln des starren Rabbinismus entwunden; aber sie hatten dafür weder in den Ansichten der jüdischen Vvlkslebrer, noch der Gemeinden irgend eine Gewährschafr. Also mußte bei einer jeden rituellen Reform lediglich der rabbinische Standpunkt fest gehalten werden; cs mußte darüber discutirt werden, ob sie den rabbinischen Satzungen entspreche, oder nicht; und das ist denn auch hinsichtlich des Hamburger Gottesdienstes in den Schriften Nchi |Tisn, mzn nn und ncx rro geschehen. Wie verhalt sich aber die Sache jetzt? Man ist nunmehr Seitens der allermeisten wissenschaftlich gebildeten Rabbinen längst über jenen Standpunkt hinaus; man hat sich *) gar nicht gescheut, es öffentlich auszusprechen, daß Thalmudismus und Rabbinismus nur momentane und subjective Erscheinungen seien, daß sie nur dar- *) Namentlich Geiger in seiner Zeitschrift.

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