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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SS wollten, daß aber die Parze, welche CanningS Lebensfaden zerschnitt, es anders wollte. Einmal also, John Bull's Be-, häbigkert, dann bas hochkirchliche System, endlich die Geschiedenheit der Stande, selbst die Inkonsequenz in der Besetzung der Municipal« gegenüber den Richterstellen sind zusammen jm Stande, den Juden glauben zu machen, sein Vaterland behandle ihn doch nicht so stiefmütterlich. Seine Rabbinen sind nicht öffentliche Beamte, sind keinem Cultusminifierium unterstellt, weil es kein solches gibt. Aber sein Cultns ist nicht minder frei, ja freier als in irgend einem enropä'ischen Lande, weil daS Auge des Staats ihn nicht, bewacht. Sein Glaube verbietet ihm den Eid beim Crucisix, darum kennt er kernen Aldermann auS seiner Mitte; er entschädigt sich durch den Sherrff. Ihm wird kein Edrensitz im Unterhause zu Theil, aber actives Wahlrecht ist ihm gestattet, und das Gesetz bevollmächtigt ihn, offene Schritte zu thun, um seine Candidaten zur Macht gelangen zu lassen und durch sie und mit ihnen das Mangelnde zu ergänzen. Das hat Isaak Gold, smith durch den Aufruf an die jüdischen Wähler in Betreff Lord I. Russell's bethätigt. Und keine Stimme in der ersten' Session den Toryregierung darf es wagen, ihn zu verbann men oder deshalb zur Rede zu setzen. Nicht -er englische Jude trägt ein gelbes Fleckchen. Er ist nicht mehr und nicht weniger als ein Dissenter. Wie diesem, waren auch ihm die Hörsäle Oxfords und Cambridges verschlossen. Beide mußten sich vereinigen und die „London Nniversity" gründen. Ein Eoldsmith war wiederum nicht müßig: er beförderte, deschleunigte die Gründung durch eine Actienzeichnung zum Belaufe von 20,000 Pf. St. Noch mehr! daß eben das Walten der Hochkirche nur und das comfortable Reformprinzip es ist, welches den Höhepunkt der Emancipation Erstrebende» Hindernisse in den Weg legt, der eigentliche Volksgeisi aber in der höher« und nieder« Region, die sogenannte öffentliche Meinung, dem Juden, als solchem, nicht gram ist, wird daraus klar, daß Trümmer verfallener Vorurtheile nicht immer aus dem Schutt von Neuem hervorgezogen werden, um ein neues Denkmal der Intoleranz daraus zu errichten. Nicht allein gibt der unermeßliche Reichthum jüdischer Häuser hrer keinen Anstoß, wie dieß in Deutschland so oft der Fall ist, nicht allein versucht man eL nicht, einzelne Momente aus dem Leben der Juden zu reißen, Anekdoten auSzukramen, um sie als Bollwerk gegen die Forderungen der Letzter» aufzuführen: nein, man läßt selbst ihr nationales Leben, um mit Einem Ausdruck daS Ganze zu bezeichnen, ungestört, d. h. man läßt sie wirken für das Wohl ihrer Glaubensbrüder in entfernten Ländern, ohne diese« Bestrebungen schiefe Absichten gegen dev Staat unterzulegen, ohne zumal den Ausdruck „Staat im Staate" als willkommene Waffe gegen sie zu richten. Weil man dort sich auf die Kunst noch nicht versteht, aus dem Glauben des Individuums, seiner Eigenschaft als Staatsangehörigen und feinem Wirken für di« Menschheit einen politischen Brei zu bereiten, spricht nicht das Parlament allein, spricht auch der Jude von einer nativ». Im Großherzogthum Oldenburg ist man Seitens al» ler bessergesinnten Israeliten hoch erfreut über die Berufung des früheren Rabbinen Wetzlar in Birkenfeld an die Stelle des nach Emden gegangenen Landrabbme» Hirsch. SS soll jener nicht nur dem Kopfe, sondern auch dem Herzen nach der Parthei des Fortschritts angehören und man erwartet von ihm viel Ersprießliches für Hebung der israelitischen Zu, stände im Großherzogthum. In Frankfurt a. M. ist die neue Begräbnißordnung trotz der Opposition der hyxerorthodoxe» Parthei vom Senate genehmigt und mit dem neuen Jahre in Ausführung gebracht worden. So unerheblich diese Verbesserung, welche in hundert kleineren Gemeinden längst stattgefunden, an sich ist, so erregt sie doch große Freude, weil sie den Beweis lie, fert, daß der aufgeklärte Vorstand den bisherigen unwürdigen und unheilvollen Weg, Alles indem gräulichsten Zustande zu lassen, damit endlich auch von den Widerstrebenden daS Bedürfnis einer Reform empfunden werde, nicht länger mehr verfolgen, sondern das Bessere trotz der Opposition mit Kraft und Entschiedenheit ausfübren will. Möge nun der rege gewordene Elfer des Vorstandes endlich auch der Gemeinde daS geben, was ihr so Noth thut, einen aufgeklärten und gesinnungsstarken Rabbinen, und wenn hierbei das berücksichtigt wird, waS aus der Mitte der Gemeinde (S. »M 3 dieser Blätter) vorgeschlagen worden, wenn daS Lehr- und Prediger-Amt von dem des ritualen Eewissensrathes (pp05) getrennt wird, so möchten auch die Schwierigkeiten Seitens der starrrabbinifchen Parthei leichter gehoben werden können. Der alte Londoner Rabbine und feine Beisitzer habe» dem Hamburger nachgeahmt und das neue Gebetbuch der Westsynagoge, welches »m wesentlichen dem des Hamburger Tempels gleichkömmt, mit einem Interdict belegt. Es ist die alte Leier! Man sagt in demselben, das bisherige Gebetbuch sei von der großen Synode verfaßt worden und nun schon seit 2000 Jahren bei der Synagoge im Gebrauch; wer also eine Abänderung vornehme, leugne die Tradition und die Autorität der früheren Lehrer. ES ist aber bekannt, daß die große Synode (fibnjn PDjr ’IWN) nur die achtzehn Bene deiungen (m&'y verfaßt habe, und daß die Veränderungen, welche das Hamburger und nach ihm das Londoner Gebetbuch vorgenommen, gerade mit den Aussprüchen der früheren Gesetzlehrer und dem Inhalte der altern Gebetbücher (SiddurS) übereinstimmen; also trifft der Vorwurf der Neuerung nicht dieses Gebetbuch so..der« die blinden Eiferer für daS bisherige. Lerder scheint das, was man neuerdings von einer preußischen „Iudenordnung" hört, nicht den Hoffnungen zu entsprechen, welche die Freunde der rechtlichen Gleichstellung aller ReligionSbekeuntniffe sich ron zenem Gesetze versprachen. Auch gegen den Gesetzentwurf in Hannover vermehren sich die Protestationen der Israeliten mit jedem Tage; ja selbst inmitten der jetzige» Ständeversammlurrg, die liberale»

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