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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-06 · Heft 6 (6.2.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 6 (6.2.1841)
Date
1841-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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22 übernatürliche Offenbarung überhaupt, und ihr Endziel ist doch kein Anderes, als der Umsturz aller positiven Religiösitat." Da durch diese hämische Aeußerung, die man gar zu oft hören muß, nicht das äußere Verhalten, sondern der innere, nur vor dem Forum des Einzigen verantwortliche Seelenzustande zu Gericht gezogen wird, so kann natürlich nicht durch Thatsachcn, sondern nur durch eine ungeheuchelte Darlegung der Gesinnungen geantwortet werden, was denn auch hier im Namen aller Betroffenen geschehen soll. Wir wollen gar nicht verbergen, daß der harmlose kindliche Glaube, wie er uns durch eine strenge Erziehung bcigebrackt wurde, durch Lesen und eigenes Nachdenken bedeutend erschüttert wurde, daß es sogar eine Zeit gegeben, in der wir die sich aufdringenden Zweifel mit einigem Wohlgefallen gehegt haben, daß wir uns aber jetzt als Lehrer und Prediger glücklich schätzen würden, wenn wir uns immer im Besitze der innern Ruhe und der Festigkeit erhalten könnten, die zu der segensreichen Ausübung unseres Amtes so sehr erforderlich sind, daß es uns auch gelungen ist, unsere Ehrfurcht für die heiligen Bücher und unfern Eifer für die Erhaltung des jüdischen Glaubens in stetem Steigen zu erhalten, daß endlich unsere Ansicht von den Ritüalpflichten des Israeliten, auf^ welche letztere cs hier allein ankommt, die im allerbuchstablichsten Sinne genommene Göttlichkeit der heiligen Bücher zur Basis hat, daß wir daher bei unserer jetzigen Lebensweise, menschliche Sünden abgerechnet, die uns Gott verzeihen möge, vollkommen gute Israeliten zu sein glauben. Setzen wir nur eifrig unsere Bemühungen zur Vertheidigung des wahren Zudenthums und zur Bekämpfung der uns aufgedrungencn Autorität des Tbalmuds, die uns mit jedem Jahre unerträglicher wird, fort. Die Wahrheit wird und muß dann' siegen! M. Creizenach. Wir haben dieser öffentlichen Erklärung unseres gelehrten Freundes nur Folgendes hinzuzufügen: der eigentliche Streitpunkt der beiden Parteien im Judenthume dreht sich darum, daß die eine behauptet, die Unterordnung des Cercmoniellen unter das rein Sittliche habe keine Wahrheit, cs gebe kein Sittliches außerhalb des Religiösen; religiös, israelitisch-religiös, und darum ewig verbindlich sei aber Alles, was Thalmud und Rabbinen bis zum Abschlüsse des 8chulchan Aruch angeordnet und sestgestellt hatten; die andere hingegen von der Grundansicht ausgebt, daß die mosaischen und prophetischen Schriften selbst das Rein-sittliche als das Wesen der Religion hinstellen und dem Ritualen nur eine untergeordnete, momentane Bedeutung geben (s. hierüber ausführlich Jahrg. I. M 6 u. 7. dieser Blatter); daß der Thalmud nur einen geschichtlichen Werth habe, «nv es die heilige Ausgabe der israelitischen Volkslehrer fein müsse, das Judenthum zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückzuführen, es in Einklang mit den Forderungen der Civilisation und einer höheren Gesittung zu bringen. Also literarisch und im Volks- und Jugendunterrichte stellt sich auch die Partei des Fortschrittes auf biblischen Boden und die Frage, ob das auch ihre Überzeugung sei oder nicht, hat daher auf wissenschaftlichem Gebiete gar keinen Sinn, sondern hier handelt es sich lediglich darum, ob die Lehre der fortschreitenden Partei mit den Aussprüchen der Bibel sich vereinbaren lasse, oder nicht. Ucbrigens ist die Frage, ob die sogenannte rationelle Partei unter den Israeliten an eine übernatürliche Offenbarung in dem früheren Sinne glaube, oder wie sie sich sonst die göttliche Mittheilung religiöser Wahrheit vorstelle, eine rein formelle. Die Hauptsache ist und bleibt, daß man den Inhalt der Bibel für göttlich anerkennt, daß man in dem, was die mosaischen und prophetischen Schriften uns geben uud wie sie es uns geben, den Inhalt des religiösen Bewußtseins an sich', den reinen und ewigen Gehalt aller Religion und Sittlichkeit erblickt, und das ist ja auch das Glaubensbekenntniß der rationellen Israeliten; sie stellen nicht die Wissenschaft, die Philosophie dem Mosaismus gegenüber, sondern behaupten vielmehr, daß beide in Wahrheit ein und dasselbe seien, daß die Wissenschaft nur dazu,diene, den wahrhaften Inhalt der biblischen Urkunden zu immer klarerem Bewußtsein zu bringen. Dadurch unterscheiden sie sich aber auf das Entschiedenste von den sogenannten Deisten oder Philosophen, da das Wesen dieser gerade darin bestehet, daß sie jede positiv auf heilige Urkunden basirtc Religion im Verhältniß zu der philosophischen als trügerisch und unvollkommen betrachten. Die Redaction. Geschichte des Tages. Die Leipziger Mg. Zeitung enthält einen Artikel über die Stellung der Juden in England, Frankreich und Deutschland, für dessen Mittheilurrg unsere Leser uns gewiß Dank wissen werden: „Mag je nach dem Namen der Regierung, welche am Staatsruder sttzt, Whig- oder Torypreffe Lärm schlagen und John Bull als am Rande des Abgrundes stehend darstellen: der Engländer ist frei, und Albion ifts nicht minder! Und alle seine Kinder singen daher jenes theure Patriotenlied. Alle, ob auch seine Juden? Gewiß! Sie mö'genS auch mit Fug und Recht! Dürfen sie auch vollkommener Gleichstellung im Staate sich nicht rühmen/ sie wissen dagegen/ daß das Princip derselben nicht dem englischen Staat angehört. Si« dürfen mit Sicherheit hoffen/ daß die Zeit ihrer Bemühungen Früchte zur Resse bringen wird/ obschon mit derselben Langsamkeit, welche ihre Minuten zählt von Session zu Sessio»/ und deren Pulse wegen der Stanley, Londonderry und Conr sorten Herrschaft oft Jahre lang stockten. Sie wissen es, daß nur zwei Jahre in Englands neuester Geschichte eilfertig po« litische und religiöse Freiheit für die ganze Welt emführeu

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