Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Date
- 1841-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Grundsätze» gewiß nicht u öer die Gebühr huldigt, treten vielfache Aeußerunge« gegen de» beschrankten Gesichtskreis -eS Gesetz, rutwurfes hervor. Do aber leider im Großen -er Zustand ein so uner. quicklicher ist, gewährt eS «och einigen Trost, daß im Kleinen humane und liebevolle Gesinnungen gegen uns sich auSfpre« chm. So hat der Plan des Bürgermeisters in Prag, ei» DatsenhauS für Christen und Israeliten dort zu gründe», in der dortigen Bürgerschaft den lebhaftesten Anklang gefunden. Daß solche humane Gesinnung nicht weniger in einem Lande sich zeigen werde, wo im Großen schon die Humanität ihren Sieg gefeiert, wo daS Gesetz längst jede Ungleich, heit in der rechtlichen Stellung -er verschiedenen Confessionen geebnet hat, ist natürlich und als einen neuen Beleg hierzu, möge folgender Bericht aus Straßburg hier eine Stelle finden: „Eines der nützlichsten und wohlthätigft wirkenden Institute ist die dahier bestehende israelitische Arbeitsschule, deren Aufgabe eö ist, unbemittelte Jünglinge dem so nützlichen HandwerkSstande zuzustihren. Gestern fand eine PreiSver, theilung für die Zöglinge drefes Etablissements im Beisein deS Präsidenten, -es Maire, sowie der Geistlichen verschiede, uer Confessionen statt. Im Saale waren die trefflichsten Handarbeiten der Schüler aufgestellt, die von allen Anwesenden höchlich bewundert wurden. Die Anstalt' hat sich großer Unterstützung von Seiten der Israeliten sowohl, als auch der christlichen Bewohner unserer Stadt zu erfreuen. Unter den von dem Präsidenten deö ComiteS, Herrn A. Ratiöbonne, der in Verbindung mit seiner wohlthätigen Familie wohl am meisten für die Schule fett ihrem Bestehen beiträgt, erwähntm Unterstützungen der Anstalt befindet sich auch der Coad, jutor der hiesigen BisthumS- (Fortsetzung der Aeußerungeu eines neuen Schriftstellers über Juden und Iudenthum.) Dieses mögen die Hauptursachen sein, daß sich das Iudenthum durch eine so lange Reihe von Jahren fortgeerbt; allem es bleiben uns noch die Fragen zur Beantwortung übrig: „Wie hat sich das Iudenthum fortgeerbt?" „Ist eS unverfälscht bis auf unsere Zeiten gekommen?" „War daS Iudenthum vor vier Jahrhundertendie Zeit in welche unsere Geschichte fällt, — ist das jetzige Judenthum daS nämliche, wie es aus dem Geiste Moses hervorgegangen?" — Alle diese Fragen möge nachstehende Betrachtung, so weit eS unsere Einsicht zuläßt, beantworten: Moses wußte nur zu gut, für wen er seine Gesetze schrieb; so viele Rücksichten, wie er, hatten weder Solon noch Lykurg bei ihren Gesetzgebungen zu nehmen; keiner von diesen hatte einen so harten Standpunkt. Athener und Spartaner waren schon Nationen, die Juden sollten erst ein Volk werden. Athen und Sparta bilde, len schon Staaten, als diese Gesetzgeber auftraten, die Juden aber waren noch Sklaven. Lykurg wollt« ein abgehärtetes, kriegerisches, — Solon ein friedliches, für Künste und Wissenschaften empfängliches Volk bilden- Moses aber wollte aus dieser rohen Horde eine religiöse Nation heroorzaubern, die in der Kenntniß eines einzigen und höchsten Gottes,, in der Liebe, dem Vertrauen und der Zuversicht auf denselben groß werden, auch so viele politische Kraft besitzen sollte, alS nothwendig wäre, die Gränzen deS in Besitz zu nehmende» Landes zu vertheidigen. MoseS hatte daher nicht nur das religiöse, sondern auch daS physische, und moralische Wohl seines Volkes zu berück, sichtigen, er safte den Saamen seiner Weisheit nicht nur auf d.rS Feld des Glaubens, sondern auch in den Garten deS ge, fellschaftlichen Lebens aus, seine Gesetze erstrecken sich in alle Zweige des LebenSbaumeS. In dieser Allgemeinheit aber liegt auch zugleich ihr Feh, ler. Denn MoseS hatte die damalige Lage des Volkes, daS Klima jenes Landes, die dortigen Umstände zu berücksichtigen; er mochte nie daran gedacht haben, (?) daß. eine Zeit kom» men werde, in welcher sein Volk daS bittere Loos treffen könne, unstät nach allen Ländern der Weltgegenden auszu, wandern, und allerortS fremd und heimathslos zu bleiben.' — Der Gesetzgeber war kaum auS dem Leben geschieden, (?) so fing man an, an seinen einfachen Lehren zu klügeln, seine Gesetze schienen den Schriftgelehrten zu bündig und zu kurz, sie erhielten eine Ausdehnung den Worten und dem Sinne nach. Man war mit dem Verbote vor der Sünde nicht zu, frieden, sondern jeder Anlaß der nur zum Fehltritte verlei, ten könnte, wurde selbst zur Sünde gestempelt. (Fortsetzung folgt.) Beka««tmach«»g. Unter der Presse befindet sich : Der Hamburger Eerrrpelftreit, eine Zeitfrage. Von I)r. Abraham Geiger, Rabbinen in Breslau. Preis 7\ Sgr. Der Gegenstand dieser Schrift, welcher die jüdische Gemeinde Hamburgs in zwei Parteien spalteten, bei allen umsichtigen Juden, sowie auch bei denen, welche , in den Bewegungen des JudenthumS die Diss.nanzen unserer Ze t zu erkennen vermögen, eine lebhafte Lherlnahme findet, wird hier, abge. sehen von den Localen und dem Ritualgesetzlich, bestehenden, noch zugleich von dem gesetzlichen Standpunkte und in seinen Beziehungen zu den allgemeinen Ideen, welche das Judenthum setzt durchdringen, aufgefaßt. Wrr dürfen daS Publikum schon jetzt auf diese kleine, aber gehaltreiche Schrift aufmerksam machen und Vorausbestellungen auf dieselbe entgegen sehen. Die Verlagshandlung F. E. Leuckhart in Breslau. Zu Bestellungen empfiehlt sich F. Schuster m Hersseld und Homberg. Druck und Verlag von F. Schuster ,n Hersfeld.