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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-30 · Heft 5 (30.1.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 5 (30.1.1842)
Date
1842-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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War es ein Volk in Cultur und Wissenschaften vorwärtsgeschritten, eine Nation deren Geistesfähigkeiten bereits erne höhere Stufe von Bildung erlangt hatten? — Nein! Es war eine rohe Menschenhorde, unterdrückt und zum Sklaven Herabgewürdigt, es war em Volk dessen Geisteskräfte tiefe Finsterniß umschleiert hielt, ein Volk, das durch eine lange Reihe von Jahren zum Frohndienste verwendet, wohl materielle, aber keine geistigen Kräfte zum Eigenthum besaß, mit einem Worte es war ein — Sklavenvolk. Eö ist eine ausgemachte Wahrheit, daß solchen Menschen sehr schwer Gesetze einzuprägen sind, und mit gerechter Verwunderung staunen wir die Weisheit an, mit welcher Moses dieses in Erfüllung brachte: gewiß, die Wahrheit des früher Gesagten wird uns erst ganz einleuchtend werden, wenn wir erwägen, daß ein solcher Geist, wie jener des MoseS, vierzig Jahre dazu brauchte, um das Ansehen der Gesetze in das Blut eines solchen Volkes einzupfropfen, ja die ganze alte Generation mußte früher aussterven, ehe er daS Volk für reif hielt, in das von Gott verheißene Land eingehen zu dürfen. Hat aber ein solches Volk endlich Gesetze in seinem Innern ausgenommen, ist der Glaube einmal in einem solchen Herren festgewurzelt, dann ist er auch schwer auSzurottcn. Während ihres Aufenthaltes in der Wüste kam oft ein Zweifelsturm, und erschütterte die junge Eiche — den Glauben, weil er noch nicht tief genug um sich gegriffen hatte; später konnte dieß nicht mehr geschehen, und wenn auch an der Rindder heiligen Baumes Auswüchse entstanden waren, wenn er auch grüne Zweige nach allen Seiten getrieben, der Kern ist deßwegen doch geblieben, er »st geblieben bis auf die heutige Zeit. Die dritte Ursache endlich, warum sich dev mosaisch« Glaube durch Jahrhunderte erhalten, ist einfach folgende. Jerusalem war erobert, dev Salomons-Tempel zerstört, da» auserwählte Volk — wie es sich früher mit Stolz genannt — in alle vier Winde zerstreut, ein trauriges Schicksal erwartete aller Orts die Nachkommen Jacobs. Haß, Abscheu und Unterdrückung war durchgehends ihr Loos, ausgeworfe» von der menschlichen Gesellschaft, beinahe so viel wie vogelfrei, waren sie die Paria'S der Welt, ein Wehegeschrei durchzitterte die Erde, und dieses war daSWehegeschrei der Juden. Dieses Dulden war nun eine Hauptursache, daß sie um so fester ihren Glauben umklammerten, da das Erdenglück für sie verloren war, wollten sie des Himmels Seligkeit erringen. Je größer die Verfolgung wurde, desto mehr wuchs der Haß über ihre Feinde, um so emsiger wurde »hr Glaubenswahn, und selbst derjenige, in dessen Brust kein Funken vom alten Glauben mehr glühte, bot der Verfolgung Trotz, nicht weil der Glaube, sondern weil der Haß ihn stärkte. (Fortsetzung folgt.) Wahrhaft mysteriös klingt, was ein öffentliches Blatt abermals über ein hochgebildetes europäisches Land erzählt: „Die preußische Gesetzgebung über die Juden soll, wie man jetzt allgemein vernimmt, mit nächstem eine Reorganisation erfahren. Letztere wird als Ausfluß einer sehr menschenfreundlichen Gesinnung bezeichnet, indem dadurch dm Juden, eben so wie allen andern Religionsverwandten, die unbedingteste, von jeder directen Einmischung des Staats fern gehaltene Kirchen- und Gewissensfreiheit zugesichert wird. Demnächst sollen aber die Judengemeinden nicht bloß als religiöse, sondern auch als besondere nationale Corporation«» im Staate gewisse Gerechtsame und Befreiungen erhalten, wobei, wie es scheint, von der Prämisse ausgegangen wird, daß sich rn Preußen, und namentlich in den deutschen Provinzen desselben, die Juden selbst noch, nicht bloß alö religiöse Gemeinschaft, sondern auch als Volk, mit abgesonderten bürgerlichen und politischen Interessen betrachten. Dieß ist jedoch in deutschen Provinzen Preußens durchaus nicht der Fall; vielmehr habe» sich die Juden hier, seitdem ihnen im Jahr ISIS die Ehre zu Theil wurde, »n den Reihen ihrer christlichen Brüder das gemeinsame Vaterland zu vertheidigen, immer auch als dessen zu jedem Opfer für dasselbe bereite Söhne, als Preußen und als Deutsche betrachtet, und sie würden es als eine unverdiente harte Zurücksetzung ansehen, wenn etwa ihrer Jugend wieder die Befähigung entzogen werden sollte, in gleichen Verhältnissen wle ihre christliche» Mitbürger dreWaffen für den König und das Vaterland zu tragen." Mir nannten diese Nachricht mysteriös weil sie einen di-

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