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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-16 · Heft 3 (16.1.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 3 (16.1.1842)
Date
1842-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11 flößen, welche im geringsten der Menschenliebe und dem all, gemeinen Wohlwollen Abbruch thäte, welche unsere Religion auf jeder Seite athmet. Ich wünsche nur eure Nachsicht, wenn ich euch die Augen offne, die Natur der Gefahr zeige, und Nachweise, von wo sie kommt." Hierauf zu der Anstalt selbst übergehend, fährt -er Redner fort: „Ein Zug verdient besonder) bervorgehoben und gelobt zu werden, nämlich da) treffliche Verhalten von Personen, die eine höhere Stellung im bürgerlichen Leben einnehmen, und die darum nicht ihre Kinder abhalten, mit den Dürftigen Zusammen zu sein und sonach über die gar zu häufigen Bedenklichkeiten eines abgeschmackte» Stolzes und falscher Besorg.stß hinaus sind. Es ist dich ein eigenthümlicher und schöner Cbarakter, eine der siärksien Stützen, einer der Hauptpfeiler dieses Instituts, und muß sicherlich zu dessen Gedeihen und Wohlfahrt beitragen. Im alten Tempel zu Jerusalem war des Armen handvoll Mehl ein eben so wohlgefälliges Opfer, als des Reichen gemästetes Thier, und die Morgen» und Abendopfer wurden dargebracht von den Halbschekcln, welche -er Bauer und der Fürst gleich gaben, denn Gott wollte Gleichheit bei seiner Verehrung und die zufälligen Bezeichnungen deS Vorranges galten nichts vor dem, welcher Demuth, Bescheidenheit und Ergebung von seinen Dienern fordert, die er liebt nach ihren schönen Tugenden, nicht aber nach der Zahl und dem Werthe ihrer Brand« und Trankopfer." — Hat aber auch in Deutschland die heilige Idee deS Menschenrechtes und der Gewissensfreiheit hinsichtlich der Be, kennung des mosaischen Glaubens noch nicht den vollen Sieg der Wahrheit und der geschichtlichen Wirklichkeit erlangt, so zeigt doch von dem stillen Fortschritt dieser Idee, von der geistigen Anerkennung die sie bei den Regierungen Deutschlands gefunden, die freie Aeußerung, welche deßhalb erst neulich dem unterdrückten Theile gestattet ist. AlS einen neuen Beleg hierzu theilen wir unfern Lesern die gehalt- und muthpollen Worte mit, in welchen der Dresdener Oberrabbiner Frankel in der Vorrede zu seinem Werke über die Septuaginta auch über dieses Thema sich ausläßt. „Juden und Iudenthum, diese seit undenklicher Zeit ver, poirten und doch nicht zu vertilgende» Namen, Juden und Iudenthum, denen man jeden Werth abzusprechen stet) geneigt war und doch wider Willen eine große historische Bedeutung zuerkennen mußte, bilden noch immer em wichtige) Problem in der Staatengeschichte, und selbst die nach Klar, heit und Zurückführuug auf das letzte Prncip ringende Ee. genwart ist noch zu keinem vollkommenen Bewußtsein hierüber gelangt, vermochte doch nicht die Einigung zwischen den sich widerstrebenden Elementen zu bewirken. Eine spätere gereistere Zeit wird auf diese Rathlosigkeit mit Unwillen zu« rückblicken: dem Juden preßt das Geständniß, daß seine An» sprüche auf Freiheit uud Staatsrecht gegründet seien, man aber von Gewohnheit und Herkömmlichem sich nicht so schnell ioösagen könne, ein schmerzliches Lächeln ab; die Nachwelt wird die Ironie, die in diesem Gestandniße liegt, den Hohn, den es gegen Recht und Menschlichkeit ausspricht, mit Indig» Nation mr tief »reifen. Der Jude muß noch immer betteln, oft vergebens betteln, wenn er sein Recht verlangt: die Vorur» theile der Erziehung, von denen selbst gebildete und einfluß» reiche Männer sich mitunter nicht losiagen können, die vor« gefaßte Meinung von des Juden Schlechtigkeit und Verwor» fenheit, von denen Viele sich nicht lossagen wollen, treten dem Streben der Edlen, dre diesen schmählichen Fesseln sich entwunden und »m Juden den Menschen mit seinen Tugenden »nd Fehlern wahrnehmen, hemmend entgegen. Der Fortschritt der Zeit hat auch beim Juden sich bemerkbar gemacht: sei» Selbstgefühl erwachte; was seine Väter oft als Gnade detrach« teten, die Verachtung, so lange sie nicht in blutigen Fanatts» mus und die Menschheit schändende Metzele» ausartete, weiset er mit derselben Verachtung zurück; er ist sich seiner Bedeu» tung als Weltbürger bewußt, und wie erhaben ibm auch die Resignation, die das Auge auf das Jenseits richtet, erscheint, so fühlt er sich doch durch eine innere Stimme getrieben, sei» Recht als Mensch, ein Recht, auf das die Gottheit Jedermann hingewiesen und das uns vorzuenthalten Niemand befugt ist, nicht aufzugeben. Und er muß dafür um so beharrlicher kämpfen, alS das Edelste was ihm geblieben, fein Glaube, das Iudenthum, oft zum Vorwände für die ihn treffende Verstoßung und Bcdrük« kung dienen muß und auch hier sein Schmerz ein viel tiefe, rer als der feiner Väter ist." Erfreulich ist'S, zu sehen, wie der Eifer der neuen Ge« meinde in London auch auf die alte »urückwirkt und Der» beßerungen in der dortigen Synagoge hervorruft, die sonst noch lange unterblieben. Feierlicher Chorgesang verdrängt das sonst wirre durcheinander schreien. Der Besucher wird von wahrer Andacht ergriffen, wenn sein Luge an dem Bilde echt religiöser Hingebung und sein Ohr an dem Klange der süßen Töne weilt. Das Gebet tritt hier Nicht mehr als Kla» gender und Leidtragender vor Gott, sondern alS Bote und 1 Dankspender der inneren Ruhe. Das Bedürfuiß allgemeiner geistiger Erbauung ist erwacht und vielbesprochen. Die so» genannte große Synagoge, nämlich die von DukeS Place, ist in Unterhandlungen mit Rev. Mr. Isaaks, Prediger i» Liverpool und Manschest er, um denselben in gleichem Amte hier anzustellen. Der neue Tu-e«freffer. Unter diesem Titel ist in Hamburg bei Berendfohn ein Schriftchen erschienen, das einen christlichen Verfasser bat und gegen eine judenfe'ndliche Brochure eines gewissen Advokaten Witt in Altona gerichtet ist. ES enthält manche treffende Bemerkungen und namentlich haben uns die nachfolgenden Stellen einer Mittheilung an unsere Leser werth geschienen: # Ader warum gehen sie (die Juden) nicht? „Seben Sie, Herr Witt, wel sie das Indla,naln-cht rrworden haben, weil st.e mit uns in demselben Lande g»bereu sind,

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