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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-16 · Heft 3 (16.1.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 3 (16.1.1842)
Date
1842-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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LS weil sie auf die Scholle Erde eben so viel Anspruch haben als wir. Sonst hätten die Amerikaner auch das Recht, uns aus ihrem Lande wegzujagen, weil wir nicht zu ihrer Raye gehören. Oder benutzen sie ihr gutes Recht vielleicht uur nicht, wie wir — unsere armen Auswanderer hängen sich wie Kletten an sie, um ein wunderbares Glück zu genießen! Und sehen Sie, das Nichteinwandern wird dort nun von uns eben so wenig Jemand verlangen wollen, als wir es jetzt hier in Europa Von den Juden verlangen können, daß sie wieder nach Canaan gehen sollen. Oder wir müßten denn, nach derselben Billigkeit, denen ihr altes Land von Eroberern frei machen und sie dort wieder einsetzen, nach welcher wir den Griechen zur Hütte kamen, um ihnen aus unserer Mitte zugleich auch einen König zu geben. Warum thun wir das denn nicht, wenn uns die Juden so entbehrlich sind?" „Wir wollen aber einmal den Ausdruck „„Schacher- Volk^" festhalten, welcher nicht allein für den Verfasser sehr bezeichnend ist, sondern auch die Richtung und das Ziel angiebt, wonach er seine Blitze schleudert. Man merkt, es ist damit auf die unglückliche niederste Classe der Juden abgesehen, die von jedem anderen Mittel der Ernährung, von jedem möglichen Gewerbe ansgeschlossen, ihr unglückseliges, wehmüthiges „Handle! Handle!" von einem Tage zum andern in Regen und Wind durch die Straßen hinruft, um mühsam und beschwerlich ihr gedrücktes Leben zu fristen. Wahrlich, man muß dem Verfasser nicht allein wenig Verstand, sondern auch gar wenig Herz zutrauen, wenn er darüber radotirt und diese Situation für ein Glück halt, warum die Juden nicht fort wollen, daß ich die albernen Worte noch einmal wiederhole, — und sich wie Kletten an uns hängen. Darum! Ja, es ist unsäglicher Weltschmerz — über den •er doch auch gelegentlich einmal seine witzig sein sollende Bemerkung macht — der aus der Brust des armen gebeugten Juden, des ewig wandelnden, hervorkeucht, der ihn durch Kalte und Regen peitscht, um dem behaglich und ruhig am Fenster sein nährendes Gewerbe treibenden Christen die zitternde Hand entgegen zu strecken und noch einmal seufzend zu rufen: „Handle!" Kennt Herr Witt nicht das Weh und Unglück, aus seinem Vaterlande ver- Iriebcn worden zu sein? Hat zur Zeit nicht ein einziger Pulsschlag seines Herzens dem Firns Polomae! den Tapferen von Ostrolenka gegolten? Weiß er nicht von den unglückseligen Tagen, da die Juden an den Gewässern zu Babel saßen, ihre Harfen an die Weiden hingen und weinten? Und doch waren cs keine achtzehnhundert Jahre, doch wandelte noch nicht die schmerzhaft durch die Wüsten heulende Sage vom ewigen Juden auf der Erde! Herr Witt führt einmal Dahlmann an; hat er wirklich unter ihm und ferner nicht Phrasen gelernt, sondern Geschichte, Geschichte und ihre bedeutsamen Mysterien der Hand Gottes studitt? Unmöglich, denn sonst könnte er nicht wie Buben über den heiligsten Ernst eines Lebens sein Gespötte machen._ „Ja, es ist so, Herr Witt halt zuverlässig den Zigeuner, der ohne alle Moral, ohne alle Religion, ohne alle Spur von Eultur, nur von Diebstahl, in viehischer Blutschande u. s. w. lebt, für gleichbedeutend mit dem Juden, dessen Heiligchum es ist, nicht allein die erste Idee eines ewigen, einigen und gerechten Gottes gehabt zu haben; welcher hohe und treffliche Poesien und Schriften aufweiset, sondern der selbst der Grund des Christenthums ist, was wir den Juden leider niemals in Anschlag gebracht haben. Hatten wir denn ohne diese Juden, welche Sie so verhöhnen, welche Sie zum Lande hinausgejagt haben wollen, hatten wir denn ohne sie das Christenthum gehabt? Sagen Sie, Herr Advokat Witt, halten Sie denn das auch nicht für einen Grund, den Juden eine freundliche, erleichternde Hand zu bieten? Und wer hat den Spalt der Kluft größer zwischen uns, Christen und Juden, auseinander gerissen, das Gesetz Mosis und der Propheten, seiner Ausleger und Vertreter zwischen Jehova und Volk, oder die scholastische Weisheit unserer Katheder? Jesus war nur ein Jude, und lehrte nur ein gelautertes Judenthum, das sich, wenn wir nicht gar zu blödsinnig und pedantisch sein wollen, unter den sogenannten aufgeklärten Juden bald einsi'nden wird, oder vielmer schon jefct eingefunden hat. Denn, Herr Advokat Witt, lassen Sie uns nicht gar zu sehr an den veralteten Begriffen der Geschichte und Gesellschaft kleben, lassen Sie uns mit den Jveen der Zeit fortschreiten, weil auch Jude und Judenthum in ihrer größeren Halste fortgeschritten sind und täglich fortschreiten. Oder halten Sie solch' eine Zuckung für nichts, wenn das Judenthum sich zusehends dem Christenthume anschließt, wenn man in Breslau die Beschneidung abzuschaffm sucht, wenn gerade nicht der leichtsinnige, sondern der geistig hellere Theil immer weniger auf Ceremonien giebt, und sich befleißigt, rechtschaffen zu sein, was oft mehr werth ist, als christlich noch so fromme Gebehrden? Ja, Herr Witt, Sie erschrecken vielleicht, wenn ich Ihnen sage, daß das gelauterte Judenthum im Grunde schon ein Christenthum ist, ein solches nämlich, wie Christus es gelehrt hat." Bekanntmachung. Unterieichneter erlaubt sich auf daß in seinem Verlage er« schieneue, in vielen Blattern rühmlichsi erwähnte Gebetbuch: Clüssuk HaMmjith. Gebete und Gesänge mm Gebrauche i>et der öffentlichen Andacht des Israeliten. Oder: Bausteine zur Auferbauung eines veredelten Synagogengpttesdrenstes. Erste Lieferung: Neujahr und Verso bnungstag; herausgegeben von Leopold steiu, Distrikts «Rabbiner, hinznwelsen. Die zweite Lieferung, Gebete für die drei Feste enthaltend, wird auf nächste Ostern erscheinen. Erlangen im August 1841. _Ferdinand Enke. Druck und Verlag von §. Schuster i» Herbfelo.

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